Tanzfläche im Volksgarten Kray „keine Alternative“

Von Jennifer Schumacher
Diese Fläche im Krayer Volksgarten schlägt Grün&Gruga den Tänzern vor
Diese Fläche im Krayer Volksgarten schlägt Grün&Gruga den Tänzern vor
Nachdem die Bezirksvertretung I eine öffentliche Tanzfläche im Stadtgarten ablehnte, kritisiert der Antragsteller Stefan Husemann die fehlende Kommunikation mit der Politik. Der Alternativ-Vorschlag im Volksgarten sei keine Lösung.

Essener Süden.  Stefan Husemann ist enttäuscht. „Ein paar Sekunden“, sagt er, „dann war das Thema durch und in die Bezirksvertretung VII abgeschoben.“ Sein Wunsch, eine Tanzfläche im Stadtgarten zu errichten, sei in der Bezirksvertretung I, auch zuständig für das Südviertel, nicht einmal diskutiert worden. Was den 50-jährigen Anwalt noch mehr ärgert, ist die fehlende Kommunikation im Vorfeld: „Mit mir hat niemand darüber gesprochen. Dabei sollte doch gerade eine Bezirksvertretung bürgernah sein“, sagt er.

Nötige Mittel fehlen

Den Vorwurf will Peter Valerius (CDU), Bürgermeister im Bezirk I, nicht auf sich sitzen lassen: „Wir sind mit der Vorlage von Grün und Gruga zwei Wochen vor der Sitzung konfrontiert worden. Und die Argumentation, die bestehende Fläche im Krayer Volksgarten zu nutzen, ist ja sehr schlüssig. Deswegen haben wir auch keinen Anlass für einen Ortstermin gesehen, den wir sonst häufig mit Bürgern vereinbaren, wenn sie uns etwa auf Missstände im Stadtteil hinweisen.“ Außerdem müsse man bedenken, dass die Stadt kein Geld habe, um ein Vorhaben wie eine öffentliche Tanzfläche zu realisieren.

Stefan Husemann will sich mit diesem Argument nicht „abspeisen“ lassen: „Irgendwo gibt es immer Mittel und Wege, etwa durch Sponsoren“, sagt er. Der Krayer Volksgarten sei jedenfalls „ein Witz als Tanzfläche“, davon überzeugte sich der Anwalt aus dem Südviertel bereits vor Ort: „Eine Betonfläche birgt zu viel Risiko. Außerdem liegt der Volksgarten weit ab vom Schuss“, sagt er.

Mehr Bürgerbeteiligung erwünscht

Gewundert habe er sich über die Sitzung nicht: „Sobald die Bürger die Urbanität dieser Stadt aus eigenem Antrieb verbessern wollen, werden ihnen Knüppel zwischen die Beine geworfen“, so sein Vorwurf. Etwas ähnliches habe sein Sohn erlebt, als er mit dem von ihm mitbegründeten Verein „Kreativ Wheels“ eine Skate-Anlage am Mechtenberg hatte errichten wollen und am Ende wegen zu hoher Auflagen und Unstimmigkeiten mit dem Eigentümer scheiterte. Schließlich habe die Stadt Mülheim angeklopft, die den Skatern und BMX-Fahrern unter die Arme gegriffen habe. „Hier wird hingegen alles verkompliziert“, bedauert Husemann, der sich eine größere Bürgerbeteiligung wünscht.

Ganz aufgeben möchte er den Traum vom Tanz für alle im Stadtgarten noch nicht, ist bereits um Gespräche mit weiteren Mitstreitern bemüht. Nichtsdestotrotz wird sich die Bezirksvertretung VII bei ihrer nächsten Sitzung am 14. Mai im Krayer Rathaus über den Vorschlag, Tänzern im Volksgarten die bestehende Fläche anzubieten, beraten. Ob Stefan Husemann und seine Mitstreiter das überhaupt wollen, steht nicht zur Debatte. Gefragt wurden sie bis heute nicht.

Verwaltung hat bei Erweiterung des Eiscafés das letzte Wort

Auch die Entscheidung der Bezirksvertretung (BV) II gegen die Pläne zur Erweiterung der Außengastronomie am Eiscafé „Gioia“ am Rüttenscheider Stern wurde im Internet vielfach als bürgerfern kritisiert. Mit dem Pächter des Lokals hatte es im Vorfeld ebenfalls keine Gespräche gegeben. Heinz-Leo Drease, Fraktionsvorsitzender der CDU, rechtfertigt dies vor allem mit den zahlreichen Ortsterminen, die es bereits im vergangenen Jahr an dem Gebäude, deren Eigentümerin die Essener Verkehrs AG ist, gegeben habe. Zudem seien die Kommunalpolitiker von den Plänen völlig „überrumpelt“ worden.

Generell wird die Verwaltung, die das Vorhaben befürwortet, das letzte Wort haben, die Bezirksvertretung wird lediglich angehört. Dem Vernehmen nach wird es wohl auf einen Kompromiss hinaus laufen, da sich die Verwaltung selten über ein solch deutliches Votum an der Basis hinwegsetzt. Der Verwaltungsbeauftragte für die BV II, Bernhard Kothe, nimmt die Politiker in Schutz: „Die Bezirksvertretung ist so nah am Bürger dran, wie kein anderes politisches Gremium.“