Taekwondo für Generation 60plus- Älter werden ohne Angst

Könnten im Zweifelsfall einen Angreifer abwehren: Rita Kaffenberger (68) und Joachim Dehne (72), die den ersten Verteidigungskurs beim Verein für Gesundheitssport absolvierten.
Könnten im Zweifelsfall einen Angreifer abwehren: Rita Kaffenberger (68) und Joachim Dehne (72), die den ersten Verteidigungskurs beim Verein für Gesundheitssport absolvierten.
Foto: WAZ FotoPool
Zum ersten Mal hat der Verein für Gesundheitssport an der Henri-Dunant-Straße einen Selbstverteidigungskurs im Taekwondo speziell für die Generation 60plus angeboten – und damit einen Nerv getroffen.

Essen-Rüttenscheid..  Lilo Grube (65) hat ein ehrgeiziges Ziel: „Auch wenn ich 90 Jahre alt werde, möchte ich noch ohne Angst Geld am Automaten abheben können“, sagt die aktive Rentnerin, die seit einigen Wochen beim Verein für Gesundheitssport (VGSU) Abwehr- und Kampftechniken lernt.

Damit ist der Terminplan der Rentnerin voll: montags Laufen, donnerstags Gymnastik, freitags Radfahren und dienstags Taekwondo und Selbstverteidigung. „Man liest ja viel von Betrug und Diebstahl im Alter. Ich will mich einfach sicherer fühlen“, sagt Lilo Grube.

Obwohl der Kurs speziell für Teilnehmer ab 60 Jahren konzipiert ist, wird sich an diesem Nachmittag nichts geschenkt. Ingrid (67) und Josef Welter (75) sind zwar glücklich verheiratet, beim Training aber kennen sie kein Pardon: Sie üben, wie einem Angreifer der Arm umgedreht wird, wie sie Überraschungsmomente für sich nutzen können und natürlich den klassischen Tritt vors Schienbein. Dafür hat Taekwondo-Trainer Lazar Simikic dicke Polster mitgebracht, die ziemlich in Mitleidenschaft gezogen werden. Simikic, der u.a. in Langenberg und beim TV Kupferdreh vorwiegend Kinder und Jugendliche trainiert, lobt seine teils ergrauten Schützlinge: „Ältere Menschen sind oft wissbegieriger als Jugendliche. Sie können sich in konkrete Gefahrensituationen hinein versetzen und wollen genau wissen, wie sie sich daraus befreien können.“

„Die wollen nicht den gefühlt hundertsten Wassergymnastik-Kurs“

Mit dem Selbstverteidigungskurs betrat auch der VGSU Neuland, war von der Resonanz überwältigt: „Die Nachfrage war riesig, deswegen bieten wir demnächst einen weiteren Kurs für Einsteiger an. Die gut 15 jetzigen Teilnehmer machen fast alle in einer Fortgeschrittenen-Gruppe weiter“, sagt Petra Brodeßer, die für den VGSU die Sportangebote für Ältere koordiniert. Neben dem Wunsch nach einem besseren Sicherheitsgefühl sei der Wunsch, etwas neues auszuprobieren, ein oft genannter Beweggrund: „Ältere Menschen sind bewusster geworden - in der Ernährung aber auch im Sport. Die wollen nicht den gefühlt hundertsten Wassergymnastik-Kurs“, hat Brodeßer beobachtet.

Zu dieser Klientel gehört auch Joachim Dehne. Der 72-jährige Hobby-Reiter wollte gemeinsam mit Ehefrau Gisela eine neue Sportart ausprobieren. Der Rentner fühlt sich in seinem Wohnumfeld in Rüttenscheid sicher, sagt er. Dennoch könne man ja nie wissen. „Nachts am Hauptbahnhof ist sicherlich einer dieser Angst-Orte. Überhaupt passiert so viel. Da ist es gut, wenn man sich verteidigen kann“, sagt Dehne. Ein vor allem für ältere Menschen wichtiger Aspekt wird beiläufig mittrainiert, betont Trainer Simikic: „Wir üben natürlich auch das richtige Fallen und Stürzen.“ Das Verletzungsrisiko sei gering, Interessenten sollte eine „durchschnittliche“ Fitness mitbringen.

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