Politik: Schulentwicklung im Süden ohne Plan

Schildbürgerstreich? Die städtische Gesamtschule Süd an der Frankenstraße läuft aus. Dabei benötigt man in Essen dringend Gesamtschul-Plätze.
Schildbürgerstreich? Die städtische Gesamtschule Süd an der Frankenstraße läuft aus. Dabei benötigt man in Essen dringend Gesamtschul-Plätze.
Foto: WAZ FotoPool
Bei den Politikern im Bezirk II fällt der städtische Schulentwicklungsplan durch. Sie sehen keine wirklichen Antworten auf die Probleme im Essener Süden.

Essener Süden..  „Keine Antworten auf die entscheidenden Schulprobleme im Essener Süden“: So wenig zufrieden die Politiker der Bezirksvertretung II (u.a. Bergerhausen, Rüttenscheid, Stadtwald) mit der Schulpolitik im Süden sind, so kritisch sehen sie auch den Schulentwicklungsplan der Stadt bis zum Schuljahr 2020/21.

„Wir können in diesem Plan die Entwicklungen im Bezirk nicht wirklich wiederfinden“, kritisierte SPD-Sprecher Peter Lankes in der vergangenen Sitzung der Bezirksvertretung (BV) II. Die Grundschulen und die auslaufende Gesamtschule Süd in Stadtwald sind die größten Sorgenkinder im Süden.

Denn die Entwicklungen haben schon jetzt die Einrichtungen überholt. Seit Anfang des Schuljahres drängeln sich drei erste Klassen – anstelle von zweien – in der Rüttenscheider Andreasschule. Anbauten wurden längst gefordert, jedoch noch nicht umgesetzt. Immerhin klärt die Verwaltung dort derzeit „bauliche Veränderungen“, ebenso an der Rüttenscheider Sternschule, die ebenfalls die Ganztagsbetreuung schultern muss. „Wir haben immer noch Gebäude, die nicht kompatibel sind mit Ganztagsbetreuung oder dem gemeinsamen Unterrichten von behinderten und nicht behinderten Menschen“, so Lankes. Die Grüne Irmgard Krusenbaum ergänzte: „Den Offenen Ganztag lässt der Plan völlig außen vor.“ Die Inklusion übrigens auch.

„Darauf hätte kein Plan eine Antwort geben können.“

Daneben gibt es noch das „Kerngeschäft“: Die Stadt schätzt einen Anstieg der Erstklässler im ganzen Bezirk II vom Schuljahresbeginn 2016/17 von maximal 370 auf bis zu 460 im Jahr 2020/21. Viel zu wenig, fürchten die Politiker und haben Recht: Die Flüchtlingskinder sind in der Prognose gar nicht drin, und auch die Neubauwelle mit rund 1000 neuen Wohneinheiten in Rüttenscheid sehen sie weitaus folgenreicher, als die Stadt.

Doch auch so wird es eng – und das im wahrsten Sinne des Wortes.„Bis zu vier Klassen für Grundschulkinder fehlen 2020 im Bezirk. Wie soll es denn dann in den Klassen zugehen?“, fragte Peter Lankes. Er geht bei seiner Rechnung von bis zu 25 Schülern pro Klasse aus, die Stadt kalkuliert mehr. Nur zweieinhalb Klassen würden maximal fehlen, das wären dann knapp 30 Schüler im Raum. Eigentlich fehlt eine neue Grundschule, konkrete Ausblicke auf Neubauten gibt es im Plan nicht.

Ebenso wenig, wie man den Widerspruch lösen will, dass in Stadtwald 2020 die Gesamtschule Süd ausläuft, aber eigentlich eine komplett neue gebaut werden müsste – denn in der Stadt mangelt es an Plätzen. Ralf Groh vom Schulverwaltungsamt: „Der Standort ist verbrannt und letztendlich entscheiden die Eltern. Melden zu wenige bei einer, – wie auch immer gerichteten – Wiedereröffnung ihre Kinder an, ist es dort schon wieder vorbei.“ Er wies hin auf das Ende der prognostischen Möglichkeiten: „Darauf hätte kein Plan eine Antwort geben können“, so Groh. Ein paar mehr hätten sich die Politiker trotzdem gewünscht.

 

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