Papier-Kunst vom Moltkeplatz landet in gelber Tonne

Verabschiedete sich gemeinsam mit Mitgliedern des Vereins „Kunst am Moltkeplatz“ von seinem „HOrigamiUSE“: Aktionskünstler Frank Bölter.
Verabschiedete sich gemeinsam mit Mitgliedern des Vereins „Kunst am Moltkeplatz“ von seinem „HOrigamiUSE“: Aktionskünstler Frank Bölter.
Foto: WAZ FotoPool
Frank Bölters’ „HOrigamiUSE“ stand fast ein Jahr am Moltkeplatz. Nach dem Abbau wird es nun recycelt – das Papierhaus war von Anfang an für den Verfall gedacht. Dabei hat es sich als relativ robust erwiesen.

Essen-Moltkeviertel.  Wenn es nach Frank Bölter gegangen wäre, hätte sein „HOrigamiUSE“ auch schon eher zusammenstürzen können. Immerhin sei sein Kunstwerk ja von Anfang an für den Verfall gedacht gewesen.

Bei dem Kunstwerk ist die Rede von einem 4,20 Meter großen Haus, das aus Getränketütenmaterial gebaut, genauer gesagt in Origami-Technik gefaltet, wurde. Aufgebaut im Juni 2013, überstand das Haus diverse Wetter-Extreme und andere Vorkommnisse. Bei einem Sturm im Oktober wurde beispielsweise das Dach in Mitleidenschaft gezogen, im Januar stürzte im Rahmen von Baumschnittarbeiten ein Ast auf das Haus und ein Brandloch durch eine Zigarette gab es zwischendurch auch.

Aber was immer auch passierte: Die Mitglieder des Vereins „Kunst am Moltkeplatz“ (KaM), der diese Aktion initiiert hat, kümmerten sich stets um den Erhalt des Hauses, reparierten die Risse und Löcher beispielsweise mit Panzerband. So zierten zuletzt einige Flicken das Objekt, zudem hatten Dreck und Moos sichtbare Spuren hinterlassen.

Zusammenbau in Gemeinschaftsarbeit

„Ich bin begeistert davon, mit wie viel Liebe sich die Menschen hier um das Werk gekümmert haben“, zeigt sich Frank Bölter schon fast gerührt. Und bescheiden ist er dabei auch noch: „Eigentlich stammt ja nur die Idee von mir. An der Umsetzung waren viele andere Menschen beteiligt.“

Der Zusammenbau erfolgte nämlich in Gemeinschaftsarbeit mit Bürgern und Mitgliedern des Vereins. Und mit genau diesem bürgerlichen Engagement ging auch der Abbau vonstatten. Ausgestattet mit Teppichmessern in den Händen zerlegten die Bürger das Werk innerhalb weniger Stunden. Was bleibt, sind jetzt die Erinnerungen und eine Menge Material in Form von Dokumentationen und Fotos. In Kürze soll noch ein Tagebuch über das Haus erscheinen.

Genau das ist es dann auch, was Frank Bölter unter Kunst versteht: „Das Abenteuer und das gemeinschaftliche Tun. Raus aus dem Atelier und hinein in die Welt.“ Außerdem gäbe es eines Tages sicherlich ein Archivierungsproblem für all die Kunst auf dieser Welt, ist Bölter überzeugt.

Viertes Werke der Reihe „Junge Kunst am Moltkeplatz“

Volker Wagenitz, Vorsitzender von KaM, verabschiedete sich mit einem lachenden und einem weinenden Auge vom „HOrigamiUse“, aber: „Das ist eben das Prinzip unserer temporären Ausstellungen“. Dafür, so verspricht Wagenitz, würde der Verein aber schon bald wieder einem jungen Künstler die Möglichkeit geben, sich inmitten der gestandenen Objekte auf dem Moltkeplatz zu zeigen. Das „HOrigamiUSE“ war nun schon das vierte Werk der Reihe „Junge Kunst am Moltkeplatz“.

Die Überreste von Frank Bölters aufsehenerregender Papier-Kunst wandern nun zum Recyclinghof. Oder aber in die „Gelbe Tonne“ – da wo Tetrapacks sonst eben auch entsorgt werden.

 
 

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