On Top Lounge Rüttenscheid bietet Sicht über Essener Skyline

Autorin Ursula Sternberg las in der ausverkauften Lounge aus ihrem neuen Thriller „Ruhrbeben“. Neben dem Buch war es auch die Aussicht, die viele Besucher in die Location über den Dächern der Stadt lockte.
Autorin Ursula Sternberg las in der ausverkauften Lounge aus ihrem neuen Thriller „Ruhrbeben“. Neben dem Buch war es auch die Aussicht, die viele Besucher in die Location über den Dächern der Stadt lockte.
Foto: WAZ FotoPool
Autorin Ursula Sternberg las in der On Top Lounge aus dem Roman „Ruhrbeben“. Das Juwelier-Ehepaar Ellies baute zwei Jahre lang an der Location mit erstklassiger Sicht über den Dächern der Stadt.

Essen-Rüttenscheid.. Eine Lesung in einem Wohnzimmer hat etwas Privates, Intimes. Dieses Wohnzimmer allerdings hat noch mehr: einen Blick auf die Grugahalle und den Irish Pub, auf die weißen Kirschbäume der Rü und das Alfried-Krupp-Krankenhaus. Fast zwei Jahre lang haben der Juwelier Martin Ellies und seine Frau Heike Schütt ein ebenso ungewöhnliches wie kostspieliges Bauprojekt vorangetrieben, nun fanden die ersten Neugierigen den Weg in die On Top Lounge, auf dem Dach der Rüttenscheider Straße 158. Die Essener Krimiautorin Ursula Sternberg las erstmals aus ihrem neuen Roman „Ruhrbeben“, begleitet von Brot, Wein und einem erstklassigen Sonnenuntergang über den Dächern von Rüttenscheid.

Susanne Böckler, Inhaberin der Buchhandlung „Alex liest Agatha“ und Freundin von Ursula Sternberg, hatte als Nachbarin Martin Ellies’ Angebot angenommen, die neue Wohnung im sechsten Stock für eine Lesung mit Blick auf Essens Skyline zu nutzen. „Es ist ein exklusiver Veranstaltungsort“, sagt sie. Ihr schwebt bereits eine ganze Reihe vor, Arbeitstitel: „Literatur über den Dächern der Stadt“, angelehnt an eine ähnliche Kulturaktion in Köln.

Manni isst Matjes auf dem Markt

Als Ursula Sternberg beginnt, die ersten Zeilen zu lesen, verstummen die Gespräche über die Aussicht, und schon kurz darauf lauschen die Zuhörer gebannt der Geschichte, die sich zu einem Thriller rund um radioaktive Schlämme und das umstrittene Fracking entwickelt. Mit der Methode, Gasvorkommen zu fördern, die in Gesteinsschichten gebunden sind, hat sich Ursula Sternberg lange beschäftigt. Auch mit den Themen Trinkwasserversorgung und Radioaktivität. „Ich habe für keinen anderen Roman so intensiv recherchiert“, sagt die 55-Jährige. „Ruhrbeben“, ihr sechstes Buch, spielt im Münsterland und im Ruhrgebiet, und die Zuhörer schmunzeln, als Manni Neumann, fiktiver Mitarbeiter der Essener Stadtwerke, auf dem Rüttenscheider Markt zwei Matjes-Brötchen ordert. Dann wird es dramatisch: Sturmtief Kassandra wütet über der Stadt, auf der Laupendahler Landstraße knicken Bäume um, und überall steigt das Abwasser durch die Gully-Deckel nach oben, auch auf der Rü.

Die Idee zu dem Roman kam Ursula Sternberg nach der Katastrophe von Fukushima. „Ursprünglich sollte der Titel ,Restrisiko’ lauten“, sagt sie. Man spürt, wie sehr ihr das Thema am Herzen liegt.

Inzwischen ist es dunkel geworden, die Grugahalle erstrahlt in bläulichem Licht und von der Straße dringen gedämpft die Stimmen der Nachtschwärmer nach oben. Heike Schütt hat die Lichterkette am Geländer der Dachterrasse eingeschaltet. Und sie gibt zu: Ihre eigentliche Wohnung, weiter unten im Haus, sei seit der Fertigstellung der Dachetage nicht viel mehr als „ein begehbarer Kleiderschrank“. Wen wundert’s, bei diesem Blick!

 
 

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