Neues Leben für die Lukaskirche

Die ehemalige Lukaskirche an der Planckstraße soll zum Mehrgenerationenhaus umgebaut werden. Foto: Oliver Müller / WAZ FotoPool
Die ehemalige Lukaskirche an der Planckstraße soll zum Mehrgenerationenhaus umgebaut werden. Foto: Oliver Müller / WAZ FotoPool
Foto: WAZ FotoPool
Die ehemalige evangelische Lukaskirche an der Planckstraße soll zum Mehrgenerationenhaus mit Kindergarten, Büros und einer Seniorenwohngemeinschaft umgebaut werden.

Holsterhausen.. „Ich bin eine erklärte Gegnerin von Einfamilienhaus-Siedlungen und finde Wohnformen ganz toll, in denen Menschen unterschiedlicher Generationen gemeinsam leben“, sagt Ute Trapp von der VEWO-Wohnungsverwaltung aus Gelsenkirchen, die für einen privaten Investor der Lukaskirche neues Leben einhauchen will.

Gemeinsam mit dem Verein „Zusammen.Leben@LUKASKIRCHE-Essen.de“ will die VEWO die Ende 2008 profanierte evangelische Kirche an der Planckstraße komplett entkernen und umbauen. Die Arbeiten sollen spätestens im Sommer beginnen und etwa ein Jahr dauern. Auf insgesamt rund 2500 Quadratmetern Nutzfläche entstehen im Erdgeschoss die integrative Kindertagesstätte „Wurzelkinder“ mit 30 Plätzen in zwei Gruppen, im ersten Stock das „Zentrum für Achtsamkeit“ und Gesundheitsförderung“ sowie Büro- und Seminarräume, im zweiten Stock eine gemischte Seniorenwohngemeinschaft für zwölf Bewohner mit unterschiedlichem Unterstützungsbedarf und in den Stockwerken drei und vier Mietwohnungen. Derzeit nutzt noch eine Künstlergruppe das Gebäude.

„Es ist übrigens ein Gerücht, dass die Kirche abgerissen wird. Sie bleibt stehen und wird lediglich komplett entkernt. So eine Kirche hat einfach eine ganz tolle Aura, einen besonderen Geist“, erklärt Ute Trapp. So soll die Decke im ehemaligen Gemeindesaal ebenso erhalten bleiben wie - zumindest bis zur Höhe der Brüstung - die Betonornamente der Fenster im ersten Stock, die Kirchenkreuz und Weltkugel zeigen. Die kunstvollen Glasarbeiten wurden 1960 von Künstlerin Ursula Graeff-Hirsch gestaltet. Diese sollen zum Beispiel im Treppenhaus teilweise erhalten bleiben. „In Büro- und Wohnräumen, in denen man mehr Licht und Ausblick braucht, wird das nicht gehen“, so Trapp.

Selbst der frei stehende Turm, der stark renovierungsbedürftig ist, bleibt vorerst stehen. „Mal sehen, wie man ihn vielleicht nutzen kann. Man hat von oben auf jeden Fall einen grandiosen Ausblick“, weiß Ute Trapp. Sogar die Turmuhr hängt noch. „Da soll sie auch bleiben, denn eine Uhr gibt Orientierung“, so Trapp. Der Eingangsbereich soll als Foyer und Treffpunkt bleiben und Aufenthaltsqualität bekommen.

Zum ersten Mal baut VEWO eine aufgegebene Kirche für ein Mehrgenerationenprojekt um. Trapp: „Das ist aber sehr reizvoll wegen der besonderen Atmosphäre. Kirchen aus den 1960er Jahren eignen sich für ein solches Projekt natürlich viel besser als Barockbauten.“

Und so waren die Verantwortlichen gleich begeistert, als sie von den Plänen von Ulla Franken hörten, in der Lukaskirche ein „Zentrum der Achtsamkeit“, eine emotionale Bildungseinrichtung, ins Leben zu rufen. „Allerdings war auch sofort klar, dass es eine wirtschaftlich sinnvolle Lösung mit Mietern geben muss. Da liegt für uns der Schlüssel zur Realisierbarkeit“, so Trapp.

Bei einem Workshop im November 2009, bei dem die Initiatorin des Konzepts, Vertreter der Elterninitiative, die den Kindergarten realisieren wird, aber auch Architekten dabei waren, wurden erste konkrete Vorstellungen diskutiert. Schnell war klar: Eine solche Mischung kann funktionieren.

Die zwölf barrierefreien Wohnungen in den beiden oberen Geschossen werden 40 bis 100 Quadratmeter groß sein. Auch dort wird es Gemeinschaftsräume geben. „Im Prinzip kann jeder die Wohnungen mieten, aber Interesse an der besonderen Wohnform wäre schon schön. Wir hoffen auf Menschen, die das Konzept des gemeinsamen Wohnens mittragen, Verantwortung übernehmen, dem ganzen Projekt Atem einhauchen, Struktur und Regeln geben und vielleicht auch im Foyer mal Aktionen anbieten, denn die Öffnung des Hauses für die Bewohner des Stadtteils ist ausdrücklich erwünscht“, betont Ute Trapp den Vernetzungsaspekt.

 
 

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