Miniaturwelt „Oktorail“ im Essener Grugapark ist erschaffen

Ende kommender Woche soll die Miniaturwelt "Oktorail" im Essener Grugapark eröffnen.
Ende kommender Woche soll die Miniaturwelt "Oktorail" im Essener Grugapark eröffnen.
Foto: Knut Vahlensieck
Ende nächster Woche soll die Miniaturwelt „Oktorail“ im Grugapark eröffnen. Dort erwarten die Besucher allein200 Züge, 12 000 Figuren und 14 000 Bäume. Eine Besonderheit ist auch die Zusammenarbeit mit Apple, um einen bislang deutschlandweiten Feldversuch in Sachen interaktive Ausstellung zu wagen.

Essen-Rüttenscheid.. „Einsteigen, bitte!“ – wer den einer historischen Bahnhofshalle nachempfundenen Eingangsbereich der Miniaturwelt im Grugapark betritt, der unternimmt eine Zeitreise: Läuft über das ehemalige, extra erhaltene Pflaster des Kupferdreher Bahnhofs, nimmt Platz in einem alten Zugabteil, dessen originalgetreue Lederpolster von der Evag aufbereitet wurden. Hört die schwere alte Stahltür zuschlagen, die in den 1960er-Jahren die Zug-Abteile verriegelte. Und lässt danach – während versteckte hydraulische Technik eine reale Fahrt simuliert – die vergangenen Jahrzehnte Zeitgeschichte auf großen Flachbildschirmen an sich vorbeirauschen: Der Film zeigt wichtige Personen, Erfindungen und Ereignisse aus jedem Jahrzehnt, vom Facebook-Zeitalter zurück in die Ära von Steffi Graf, Zauberwürfel und schließlich Adenauer: „Die Besucher sollen sich tatsächlich fühlen, als würden sie 1965 aussteigen, dem Jahr, indem unsere Ausstellung beginnt“, erläutert der Ideengeber und Modellbau-Fan Jens Kürvers.

Rund 500 000 Euro Investition

Viel Zeit, Nerven und mit rund 500 000 Euro auch eine gute Stange Geld hat es gekostet, bis die winzige Welt „Oktorail“ in ihrer jetzigen Form erschaffen war. Anfang nächster Woche erfolgt die finale Bauabnahme, voraussichtlich am kommenden Wochenende eröffnet die in ihrer Art größte Anlage Nordrhein-Westfalens erstmals für Besucher. Ursprünglich sollten die rund 200 Modell-Eisenbahnen bereits Anfang des Jahres ihre Runden drehen. „Die Orangerie hat uns bautechnisch vor große Herausforderungen gestellt. Außerdem kamen immer neue Details hinzu. Am Ende aber hat sich das Warten gelohnt“, so Kürvers.

Wer aus dem Zugabteil aussteigt, der kann im Kleinen den Weg von Kohle und Stahl bis zur Autofertigung nachvollziehen. Von einer typischen Zeche der 1960er-Jahre bis zum kleinen Autohaus in Norditalien wechselt dabei nicht nur die Landschaft, sondern auch die Zeit. „Wir wollen möglichst viele Gruppen ansprechen: Schüler sollen möglichst anschaulich etwas lernen, Kinder vieles entdecken und nicht zuletzt die Modell-Baufans begeistert werden mit opulenten Kulissen und dem Auge für Details“, so Kürvers. Eines der Prunkstücke ist ein maßstabgetreuer Hochofen, an dem ein Schweizer insgesamt 16 Jahre lang im Hobbykeller werkelte.

Vom Ruhrgebiet der 1960er-Jahre ins Nord-Italien heute

Darüber hinaus wurden rund 14 000 Bäume und 12 000 Figuren verbaut. Letztere bevölkern etwa eine typische Kleinstadt am Rhein, schuften als Bergleute, drängeln sich dicht in zwei riesigen Bahnhofshallen, amüsieren sich auf einer wild blinkenden Kirmes, füllen die Ränge eines Zirkuszelts, kraxeln die alpine Berglandschaft hinauf oder entspannen am italienischen Strand.

Damit der Betrachter weiß, was dort im Kleinen vor sich geht, wagt Jens Kürvers einen bislang in Deutschland einmaligen Feldversuch. Gemeinsam mit Apple wurde eine Technik entwickelt, mit der die Ausstellung interaktiv begleitet wird. Entweder via App auf dem Smartphone oder für Schulklassen mit einem zur Verfügung gestellten Tablet: „Auch das soll dabei helfen, Wissen ohne Langeweilegefahr zu vermitteln“, begründet Kürvers.

Damit die auch bei den jüngsten Besuchern nicht aufkommt, ist auf der zweiten Etage eine große Kinderlandschaft aufgebaut worden – mit großen Zügen, die auch angefasst und gefahren werden dürfen. Und einem Spielteppich, auf dem jede Menge Holz-Schienen und -Bahnen darauf warten, die Modellbauer von morgen zu inspirieren.

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