Marmorkuchen und Lebenshilfe

Elli Schulz
Ein gutes Team sind (v.l.) Isolde Glanz, Inhaberin Jordana Glanz und Mitarbeiterin Carola Bühn. Foto: Walter Buchholz
Ein gutes Team sind (v.l.) Isolde Glanz, Inhaberin Jordana Glanz und Mitarbeiterin Carola Bühn. Foto: Walter Buchholz
Foto: WAZ FotoPool

Rüttenscheid.  Anfang Oktober hat Jordana Glanz ihr Café „Glanzstück“ eröffnet - und sich damit auch einen Traum erfüllt.

Zurück zu den Wurzeln – das wollte Jordana Glanz (26) eigentlich gar nicht unbedingt. „Ich bin mit der Gastronomie aufgewachsen. Aber es war nicht unbedingt mein Ziel, selbst einzusteigen. Allerdings gab es immer so zwei, drei Läden, bei denen ich gedacht habe, wenn die frei werden, mach ich’s“, erinnert sich Jordana Glanz.

Als die bisherige Besitzerin des Cafés an der Rüttenscheider Straße 143, unmittelbar an der Siechenhauskapelle, sich vor kurzem aus dem Geschäft zurückziehen wollte, war für Jordana Glanz sofort klar: „Das ist mein Laden.“ Sie hatte selbst dort schon einige Zeit gearbeitet, kannte Räumlichkeiten und Publikum, so dass ihr die Entscheidung leicht fiel. Seit Anfang Oktober führt die 26-Jährige jetzt ihr eigenes Café – das „Glanzstück“.

In der Woche hat Jordana Glanz von 8 bis 20 Uhr geöffnet. Ein langer Tag für die Mutter eines sechsjährigen Sohnes. Mit dem Abschließen der Gaststube hat sie nämlich noch längst keinen Feierabend. „Ich backe alle Kuchen selbst. Das heißt, jeden Abend kommt mindestens ein Marmorkuchen, der Klassiker in unserer Familie, den es immer an Geburtstagen gab, und ein weiterer Kuchen in den Ofen. Zum Glück habe ich einen Herd mit Zeitschaltuhr, so dass ich nicht aufstehen muss, wenn die Kuchen fertig sind“, lacht die Junggastronomin, der man bei allem Stress die Freude über ihr erstes eigenes Café ansieht. „Es ist etwas ganz anderes, wenn man viel arbeitet, das aber für sich und den eigenen Laden tut“, ist Jordana Glanz überzeugt.

Derzeit wird sie von einer Aushilfe am Wochenende und von ihrer 56-jährigen Mutter Isolde Glanz unterstützt, die in Kürze in ihrem Job aufhört und ihre Tochter dann ab Januar verstärkt im Café unterstützen kann. Auch heute hilft sie ihrer Tochter schon gelegentlich, denn schließlich kommt sie aus der Branche.

Arbeit für die IGR

Isolde Glanz und Jordanas Vater, der inzwischen in Griechenland lebt, führten seit 1984 für zehn Jahre die Traditionsgaststätte „Schwan“ im Siepental. Jordana, ihre Schwester und ihr Bruder wuchsen quasi über dem Lokal auf, da die Familie auch dort wohnte. Und irgendwie muss das prägend gewesen sein, denn Jordanas Schwester lernte im Hotel und ihr Bruder kocht im Casino Zollverein.

„Ich war eigentlich die einzige, die nicht in diesen Bereich wollte“, schmunzelt Jordana Glanz, die aber schon sehr früh kellnerte und reichlich Erfahrungen in der Rüttenscheider Gastronomie sammelte. Einige Zeit arbeitete sie für die Interessengemeinschaft Rüttenscheid, vermittelte Gastronomen und organisierte die Musik-Reihe „Rü Live“ mit.

„Als ich vor anderthalb Jahren das erste Mal hier drin war, wusste ich: Das ist es“, blickt sie zurück. Am 1. Oktober eröffnete sie das „Glanzstück“ – noch im alten Ambiente. Mitte des Monats stand eine viertägige Renovierungsaktion auf dem Programm, bei der vor allem eine Wand in leuchtendem Lila gestrichen und der Thekenbereich offen mit Sitzmöglichkeiten gestaltet wurde. „Viele Stammkunden, die zum Glück geblieben sind, haben mir bestätigt, dass alles viel heller, größer und freundlicher wirkt“, so die Inhaberin. Sie hat derzeit Platz für 22 Gäste. „Im Gegensatz zu früher ist mein Café komplett Nichtraucher-Bereich. Da ich hier Speisen anbiete, geht das gar nicht anders“, ist sie vom neuen Konzept überzeugt.

Ein Café ohne Kuchen ist für Jordana Glanz unvorstellbar. Die selbst gebackenen Süßigkeiten - am Wochenende gibt’s vier zur Auswahl - präsentiert sie mitten auf der Theke. Wer’s eher herzhaft mag, kann auch die ebenfalls selbst gemachten Suppen und Quiches probieren. Jordana Glanz setzt vor allem auf Frühstücks- und Mittagsgäste, weiß inzwischen ganz genau, wer welchen Kaffee mag, wer den Tag mit Eiern und Speck startet oder mit einem belegten Brötchen. „Natürlich kommt man mit den Gästen ins Gespräch, erfährt vieles über sie. Kommunikation gehört einfach dazu. Und wenn jemand, der sonst jeden Morgen hier frühstückt, auf einmal ein paar Tage wegbleibt, macht man sich schon Sorgen“, betont sie den familiären Charakter des kleinen Cafés. Gerade Frauen, vor allem ältere, wüssten es zu schätzen, dass man ohne Probleme allein hereinkommen könne. Besonders für ältere Gäste sei es wichtig, einen persönlichen Bezug zu haben, ist Jordana Glanz sicher.