Kunstwerk nach

Der Künstler Hannes Forster verlegte jetzt den Boden in seinem Kirchenschiff-Kunstwerk. Foto: Jan Dinter / WAZ FotoPool
Der Künstler Hannes Forster verlegte jetzt den Boden in seinem Kirchenschiff-Kunstwerk. Foto: Jan Dinter / WAZ FotoPool
Foto: WAZ FotoPool
Nach 22 (!) Jahren vollendete der Künstler Hannes Forster jetzt seine Skulptur „Eine echte falsche Geschichte“ auf dem Moltkeplatz. Der Verein „Kunst am Moltkeplatz“ hatte Kontakt zum Künstler aufgenommen, nachdem das 1990 entstandene Kunstwerk zwischenzeitlich voller Müll und mit Graffiti übersät war. Jetzt verlegte Forster den Boden in seiner Skulptur, die sich mit der Bedeutung von Kirche auseinandersetzt.

Südostviertel.. Was lange währt, wird endlich fertig - das gilt zumindest für das aus Ziegelsteinen und Mörtel gefertigte Kunstwerk „Eine echte falsche Geschichte“ auf dem Moltkeplatz, das der Künstler Hannes Forster in den vergangenen Tagen nach 22 Jahren (!) beendete. Bei gutem Wetter kam Forster zügig voran. Er legte den Boden seiner Skulptur in wenigen Tagen mit roten Fußboden-Klinkern aus, gebettet auf einer Splittschicht.

Zwischenzeitlich war die 13,7 x 8,3 x 3,2 Meter große Skulptur aus dem Jahr 1990 sogar beim Künstler selbst in Vergessenheit geraten. Neue Projekte kamen dazwischen, das Kunstwerk auf dem Moltkeplatz trat in den Hintergrund, zumal der 1955 in Tuttlingen geborene Hannes Forster heute in der Nähe von Cottbus lebt und schon wegen der räumlichen Distanz sein Werk selbst nicht ständig im Blick hat - ganz im Gegensatz zu Volker Wagenitz und Lisa Lambrecht-Wagenitz vom Verein „Kunst am Moltkeplatz“ (KaM), die unmittelbar an der Grünfläche wohnen.

„Zwischenzeitlich war das Kunstwerk voller Müll und mit Graffiti übersät“, erinnert sich Volker Wagenitz. Der KaM hatte 2007/08 die Patenschaft für die acht Kunstwerke auf dem Platz übernommen und setzt sich seitdem für Pflege und Erhalt ein.

Die Vereinsmitglieder säuberten das Kunstwerk, befreiten es vom Müll und fragten bei Forster an, ob im Inneren der Skulptur Rollrasen verlegt werden solle. „Das wollte ich nicht“, sagt Forster und schüttelt sich den Steinstaub von den Händen. So vereinbarten Verein und Künstler den Termin zur - wenn auch späten - Vollendung des Werks nach den ursprünglichen Plänen. Finanziert wurde die knapp einwöchige Aktion aus den Mitgliederbeiträgen des Vereins KaM. Der stieß jetzt nur im kleinen Kreis auf die Fertigstellung der Skulptur an, wird das vollendete Werk aber bei seinem Skulpturenfest am Samstag, 30. Juni, präsentieren und gebührend feiern. Einen vierstelligen Betrag, inklusive Materialkosten, investierte der Verein in die Aktion. „Wir bekommen keine öffentlichen Mittel, finanzieren unsere Aktionen aus den Mitgliederbeiträgen und legen oft selbst Hand an“, betont der KaM-Vorsitzende Volker Wagenitz.

Der Kontakt zu Hannes Forster war 1990 über den inzwischen verstorbenen Galeristen Jochen Krüper zustande gekommen. „Das Ganze ist eine kulturgeschichtliche Arbeit“, erklärt Forster. Er wolle den Wandel zeigen, den die Kirche im Laufe der Jahrhunderte durchgemacht habe. „Es gab Zeiten, wie im Mittelalter, da hatte die Kirche eine riesige Bedeutung. Heute ist das anders, die Kirche hat an Gewicht verloren, muss sich an andere Begebenheiten des Alltags anpassen“, sagt Forster und zeigt dabei auf das dicht an seiner Skulptur stehende Trafo-Häuschen, das das stilisierte Kirchenschiff von der Seite „bedrängt“ und für eine Ausbuchtung an der Skulptur sorgt, sie sozusagen verformt. Das Trafo-Häuschen selbst wurde vom Verein in Absprache mit dem RWE bereits vor einiger Zeit neu gestrichen.

Keineswegs zufällig gestaltete Forster die Mittelachse seines nachempfundenen Kirchenschiffs, das ganz klassisch aus Langhaus, Vorbau und Apsis besteht, so, dass sie mit der gegenüber liegenden realen Kirche der alt-lutherischen Gemeinde korrespondiert, die von Otto Bartning erbaut wurde.

Die Ziegelstein-Skulptur jedenfalls ist jetzt - im fertigen Zustand - etwas für die Ewigkeit. Und bekommt dadurch noch mal zusätzlichen symbolischen Wert.

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