Hund und Kunst vetragen sich auf Moltkeplatz nicht

Frank Stenglein
Der Streit um die Hundewiese am Moltkeplatz schwelt weiter.
Der Streit um die Hundewiese am Moltkeplatz schwelt weiter.
Foto: WAZ FotoPool
Der Streit um die Nutzung die Rasenfläche am Moltkeplatz geht in die nächste Runde. Soll sie der Kunst vorbehalten werden oder bleibt sie weiter Hundewiese? Ein Mittelweg scheint aufgrund verhärterter Fronten kaum möglich.

Essen. Die Funktionen Quartier-Park, Skulpturen-Standort und Hundewiese haben alle ihre Berechtigung, doch normalerweise wird man sich davor hüten, alles auf einer einzigen kleinen Wiese zusammenzupferchen.

Nicht so in Essen, wo die Stadt gerade im architektur-historisch so wertvollem Moltkeviertel einen Wildwuchs einreißen ließ, der immer wieder zu schweren Konflikten führt. Denn Hund und Kunst verträgt sich offenbar nicht so gut, auch wenn manche Hundebesitzer das anders sehen. Die formell zuständige Bezirksvertretung I hat es bisher nicht vermocht, die Dinge zu befrieden, jetzt wollen die Grünen versuchen, das Dauer-Thema auf eine andere Ebene zu heben: Die Stadtverwaltung und notfalls auch der Rat der Stadt sollen sich mit dem Moltkeviertel befassen, um die „Übernutzung“ zu beenden. Schließlich handele es sich beim Moltkeplatz um ein überregional bedeutsames Stadt-Ensemble.

Nach wie vor plädiert Grünen-Bezirksvertreter Reinhard Mielke dafür, die Hundefreunde mögen auf eine andere Wiese im Viertel, nämlich die zwischen Bahndamm und Richard-Wagner-Straße ausweichen. Doch ließ sich die zuvor nötige Entwidmung des Molkeplatzes als Hundewiese nicht durchsetzen in einer Bezirksvertretung, die den Ärger mit den recht kämpferischen Hundehaltern fürchtet. Bezirksbürgermeister Peter Valerius (CDU) zieht sich auf den Standpunkt zurück, die Kontrahenten müssten eben irgendwie miteinander klarkommen.

Volker Wagener vom Verein „Kunst am Moltkeplatz“ hält das für wenig hilfreich. „Wir halten an der Vorstellung fest, dass Kunst im öffentlichen Raum für jedermann zugänglich sein soll.“ Dies sei aber nicht gegeben, da frei laufende Hunde sich nun einmal nur bedingt an die Spielregeln einer „Skulpturen-Wiese“ halten, stattdessen eben nach Belieben herumtollen wie es auf einer „Hunde-Wiese“ üblich und gestattet ist. Von „gleichrangigen Begegnungen“ könne somit keine Rede sein, vielmehr dominierten die Hunde und ihre Halter das Geschehen am Moltkeplatz. Wagenitz: „Dies stört beileibe nicht nur den Kunstverein, wir hören im ganzen Viertel die Klagen, dass Bürger die Wiese und die Wege drumherum nicht oder nur noch sehr ungern benutzen.“ Wagenitz erinnert daran, dass es vor Monaten auch zu einem Zwischenfall mit einem beißenden Hund gekommen ist. Tatsächlich beschweren sich in Eingaben an die Bezirksvertretung Anwohner über die ihrer Ansicht nach zu starke Hunde-Präsenz, die Angst erzeuge und durch die Freizeitaktivitäten wie Jogging und Nordic Walking erschwert seien.

Ein Sicherheitszaun könnte helfen

Die „Interessengemeinsschaft Hundewiese Moltkeplatz“ sieht das naturgemäß alles ganz anders. An einem Baum neben der Skulpturenwiese, der inzwischen als Aushang dient, wird das Bild eines harmonischen Miteinanders gezeichnet. Eine Verlagerung auf die Richard-Wagner-Wiese wird abgelehnt, da wegen der stark befahrenen Straße um die Unversehrheit der vierbeinigen Lieblinge gefürchtet werden müsse. Überdies sei der Standort zu dunkel und damit vor allem im Winterhalbjahr zu unsicher. Der Kunst-Verein hat inzwischen überlegt, ob er nicht beim Bau eines Sicherheitszaunes helfen kann.

Längst geht es aber nicht mehr nur um Argumente, vielmehr hat sich der Streit zu einer Prestigeangelegenheit hochgeschaukelt, bei der keine Seite den Kürzeren ziehen will. Hunde sind ein emotionales Thema. Volker Wagenitz und seine Frau werden in Mails und in Eingaben an die Bezirksvertretung als die eigentlichen Problem-Stifter angeklagt, auch heftige persönliche Beschimpfungen kommen vor. Wagennitz hat sich darüber ein ziemlich dickes Feld zuigelegt. „Klein beigeben werden wir jedenfalls nicht.“

Wegen der überregionalen Bedeutung des Moltkeplatzes, aber auch wegen der Kunstwerke appelliert auch Kulturdezenent Andreas Bomheur an die Streitparteien: „Ein Miteinander sollte möglich sein und war hier immer vorgesehen.“ Gelinge dies wegen der inzwischen oft recht großen Zahl an Hunden nicht, dürfe eine Trennung von Hund und Kunst aber kein Tabu sein.