Hoffnung für die Moltkebrücke

Mit Graffity übersät: die Moltkebrücke über die S-Bahnstrecke.
Mit Graffity übersät: die Moltkebrücke über die S-Bahnstrecke.
Foto: WAZ FotoPool

Viele Jahre war sie dem Verfall preisgeben, und man musste befürchten, dass für die Moltkebrücke irgendwann nur noch der Abriss bleibt. Inzwischen ist Rettung in Sicht.

Dank eines privaten Gönners, der derzeit ungenannt bleiben möchte, ist es der Stadt nun möglich, die Sanierung des aus dem Jahr 1910 stammenden Kleinods anzugehen. Das bestätigte Baudezernentin Simone Raskob, die sich in dieser Angelegenheit im Rahmen ihrer Möglichkeiten stark engagiert hat.

Putten-Skulpturen

Raskob zufolge sind bereits erste Proben aus dem Mauerwerk entnommen worden, um die Reinigungsmöglichkeiten zu untersuchen. Das Ergebnis ist erfreulich: „Wir können sanieren“. Da es sich bereits um eine Betonstahl-Konstruktion handelt, die mit Muschelkalk verkleidet ist, soll der technische Grundzustand der vor genau 100 Jahren eingeweihten Brücke besser sein als der optische.

All das sind gute Nachrichten nicht nur für die Freunde des Moltkeviertels, sondern eigentlich für jeden, dem Denkmalpflege und Bewahrung der Essener Baukunst am Herzen liegt. Denn unzweifelhaft ist die Brücke mit ihren vier malerischen Putten-Pfeilern eine der hübschsten Übergänge, die man in der Stadt finden kann. Dem Moltkeviertel, einem der bedeutendsten Siedlungen des reformorientierten Bauens überhaupt, sollte das Bauwerk über der heutigen S-Bahnlinie als fröhlich-idyllisches, aber nicht überladenes Entrée dienen. Und genau diesem Zweck erfüllt die Brücke bis heute.

Der offizielle Name „Überführung Moltkestraße, Bauwerk Nr. 14“ lässt dabei den architektonischen Wert kaum erahnen. Im Mittelpunkt stehen dabei die vier Puttengruppen, nach Ansicht des Kulturjournalisten und Moltkeviertel-Experten Tankred Stachelhaus vermutlich ein Werk des Bildhauers Josef Enseling. Die Skulpturen sind eine Anspielung auf die nahe gelegene Königliche Baugewerkschule (heute Robert-Schmidt-Kolleg), denn zu den Füßen der Putten finden sich Symbole aus den vier Disziplinen Hochbau, Tiefbau, Vermessungswesen und Statik. Zwei der Kunstwerke waren über Jahre von wildem Gestrüpp überwuchert und wurden von kunstsinnigen Zeitgenossen gelegentlich freigeschnitten.

„Ursprünglich trugen die massiven Steinpfeiler noch jeweils einen schmiedeeisernen, verglasten Kandelaberkasten“, fand Stachelhaus heraus. Offenbar wurden die Kästen, in denen Licht brannte, schon im 1. Weltkrieg abgebaut und sollen nun möglichst neu entstehen. Auch dafür braucht es Sponsoring.

Wichtiger scheint zunächst den unansehnlichen Zustand zu beheben. Graffiti-Sprayer haben sich an Pfeilern und Geländern ausgetobt, immer noch wuchert Unkraut, stellenweise bröckelt der Putz. Laut Raskob, die einen Blick für das Schöne in der Stadt besitzt, soll eine besondere Schicht die Oberfläche des Muschelkalks vor künftigen Schmierereien schützen.

 
 

EURE FAVORITEN