Haarzopfer Sänger bleiben eigenständig

Elli Schulz
Die Chorgemeinschaft Maria Königin probt in der Gemeinde Christus König.
Die Chorgemeinschaft Maria Königin probt in der Gemeinde Christus König.
Foto: WAZ FotoPool
Die Haarzopfer Chorgemeinschaft Maria Königin wehrte sich nach der Kirchenschließung gegen eine Fusion mit dem Chor von Christus König. Folge war eine Vereinsgründung und der Wechsel vom Cäcilienverband zum Sängerkreis Essen.

Essen. Wenn Kirchen geschlossen werden, ist das nicht nur schmerzlich für die Gemeindemitglieder. Auch die Chöre sind betroffen, sie verlieren Probe- und Auftrittsmöglichkeiten. Die oft über Jahrzehnte gewachsenen Sängergemeinschaften gehen unterschiedlich mit der Situation um.

Ihren Weg gefunden hat die Chorgemeinschaft Maria Königin aus Haarzopf, deren Kirche am Neulengrund/Eststraße Ende 2012 geschlossen wurde. Die Sängerinnen und Sänger, die seit 1978 unter der Leitung von Altfrid Koßmann proben, wehrten sich gegen alle Fusionsbestrebungen mit dem Chor von Christus König und bewahrten sich ihre Eigenständigkeit.

Mitglied im Sängerkreis Essen

„Wir wollten unsere inhaltliche Ausrichtung beibehalten und auch mit Altfrid Koßmann als Chorleiter weiterarbeiten“, betont Beate Stegers-Esken, seit rund zehn Jahren Mitglied in der Chorgemeinschaft Maria Königin und inzwischen stellvertretende Vorsitzende.

„Die Fusion mit dem Nachbarchor wurde uns vom Cäcilienverband, unter dessen Dach sämtliche Kirchenchöre der Pfarreien im Bistum Essen zusammengeschlossen sind, nahegelegt. Wir wollten das nicht und haben deshalb in Absprache mit den Mitgliedern einen gemeinnützigen Verein gegründet. Statt im Cäcilienverband sind wir jetzt Mitglied im Sängerkreis Essen, da wir ja juristisch kein Kirchenchor mehr sind, obwohl wir uns natürlich der Kirchenmusik weiter verbunden fühlen“, erklärt der Chorleiter und jetzige Vereinsvorsitzende Koßmann.

Immer mehr in Richtung Klassik entwickelt

Mit der Entscheidung sei man glücklich, auch wenn für die Vereinsgründung erstmal Vorstandsstrukturen geschaffen werden mussten. Für Chorleiter Koßmann hatte der Wechsel zum Sängerkreis durchaus persönliche Konsequenzen. „Beim Bistum war ich als Chorleiter nebenberuflich angestellt, jetzt bin ich ehrenamtlich tätig“, sagt er.

Koßmann hatte den damaligen Kinderchor Ruhmbachspatzen von St. Maria Königin 1978 übernommen. „Als die Mitgliederzahl schrumpfte, wollten wir mit dem evangelischen Chor einen ökumenischen Jugendchor gründen. Aber das durften wir nicht. Die Zeit war wohl damals noch nicht reif dafür“, erinnert sich der Chorleiter. Von modernen, rhythmischen Liedern habe man sich inhaltlich immer mehr in Richtung Klassik entwickelt.

Es wird gemeinsam Auftritte geben

Heute singen rund 20 meist weibliche Mitglieder zwischen Mitte 20 und Mitte 70 Jahren in der Chorgemeinschaft. „Über neue Mitglieder würden wir uns natürlich freuen“, sagt der Leiter. Alle zwei Monate gestalten sie Gottesdienste mit, geben ein- bis zweimal im Jahr Konzerte, treten bei Essen Original, beim französischen Fest in Werden, bei der Vesper um Vier in der Marktkirche auf und unternehmen regelmäßig Chorreisen.

Dass man keine Fusion mit dem Chor von Christus König wollte, habe keine persönlichen Gründe. Das Verhältnis zu den Sängern, die vom Kirchenmusiker Ludwig Krinner, der auch für St. Markus in Bredeney zuständig ist, geleitet werden, sei gut. Es gebe gemeinsame Auftritte und man probe sogar am gleichen Tag - als Gast in den Räumen von Christus König am Tommesweg.

Veränderungen bei den Ehrungen

Klaus Kottenberg, seit 33 Jahren Vorsitzender des Cäcilienverbandes der Gemeindechöre, ist seit Jahren damit beschäftigt, für die Chorgemeinschaften der „weiteren Kirchen“, die aufgegeben werden, Lösungen zu finden, die alle Beteiligten zufriedenstellen. Damit hat er so viel zu tun, dass sein Hobby Singen seit Jahren zu kurz kommt. „Fast alle Chöre der 96 weiteren Kirchen im Bistum kooperieren oder fusionieren“, weiß Kottenberg aus Erfahrung.

Meist brächten Kirchenschließungen für die Chöre gleich mehrere Probleme: Proberäume und Auftrittsmöglichkeiten, zum Beispiel bei der Gestaltung von Gottesdiensten, fielen weg, die Chorleiter-Stellen würden eingespart.

„Die Sänger der Chorgemeinschaft Maria Königin hätten aber im Cäcilienverband bleiben können, auch wenn sie nicht fusionieren wollten“, sagt Klaus Kottenberg. Der Austritt aus dem Cäcilienverband wirke sich auch versicherungstechnisch und bei den Ehrungen aus.