Glocke der Siechenhauskapelle in Essen läutet nach zehn Jahren wieder

Die Siechenhauskapelle ist seit Mittwochnachmittag wieder zu hören.
Die Siechenhauskapelle ist seit Mittwochnachmittag wieder zu hören.
Foto: WAZ FotoPool
Zehn Jahre war es still rund um die kleine Siechenhauskapelle an der Rüttenscheider Straße. Am Donnerstag wurde die geschweißte Bronzeglocke aus dem Jahr 1738 wieder eingesetzt. Die Glocke ist eine der letzten in Essen, die von Hand geläutet wird. Für dieses Amt werden nun Freiwillige gesucht.

Essen-Rüttenscheid.. Ein Jahrzehnt lang hat sie geschwiegen. Selbst nach der umfangreichen Sanierung der Siechenhauskapelle im Jahr 2009 war es still rund um eines der ältesten Bauwerke Rüttenscheids. Seit Mittwochnachmittag läutet die etwa 40 Kilo schwere Bronze-Glocke aus dem Jahr 1738 wieder. Die Firma Diegner und Schade aus Dorsten hatte die senkrecht gerissene Glocke in Nördlingen schweißen lassen und setzte zudem den kurzfristig verschwundenen Klöppel wieder ein.

Die Geschichte um den etwa 30 Zentimeter langen Klöppel ist eine dramatische, wie sich Hannes Schmitz von den benachbarten Lokalen „Ego-Bar“, „Schwarze Rose“ und „Schmitz, was sonst“ erinnert: „Bischof Luthe war 2002 hier, um einen Gottesdienst zu feiern. Weil die Siechenhauskapelle so klein ist, haben sich die Geistlichkeiten immer im Schmitz umgezogen. Als der Bischof heraustrat, kam der Klöppel herunter und verfehlte ihn nur um wenige Meter.“ Das Lederband war wohl porös geworden und schließlich gerissen. „Das war ein riesiges Glück für alle Beteiligten. Bischof Luthe ist damals relativ cool geblieben und hat sich als erstes bei seinen Schutzengeln bedankt“, weiß Schmitz zu berichten. Danach saß der Schock tief.

„Wir würden diese Tradition gerne erhalten“

Auch dem im Frühjahr verstorbenen Willi Kierdorf ist es zu verdanken, dass die kleine Kapelle wieder zu hören ist. Er war vier Jahrzehnte lang untrennbar mit dem Gotteshaus verbunden - schon allein, weil er die Glocke von Hand läutete. Ein Amt, das nun vakant ist und für das Dombaumeister Ralf Meyers Freiwillige sucht: „Die Glocke ist eine der letzten, die von Hand geläutet wird - immer mittwochs um 18.30 Uhr zur Abendmesse und samstags zum Mittagsgebet um 12 Uhr. Wir würden diese Tradition gerne erhalten“, sagt Meyers.

An der Rüttenscheider Straße wurde das Glockengeläut mit Freude wahrgenommen: „Es ist schön, dass unser Wahrzeichen wieder zu hören ist“, sagt auch Rolf Krane, der sich wie Kierdorf für eine Sanierung der Glocke stark gemacht hatte. Rund 4000 Euro kostete das durch Spenden ermöglichte Projekt, auch die Aufhängung musste komplett erneuert werden.

 
 

EURE FAVORITEN

Deshalb gibt es den Aldi-Äquator

Deshalb gibt es den Aldi-Äquator

Beschreibung anzeigen