Gesamtschüler aus Stadtwald helfen in Afrika

Afrikanische Schüler üben mit den Laptops.
Afrikanische Schüler üben mit den Laptops.
Foto: Funke Foto Services
Sechs Mädchen und Jungen der Gesamtschule Süd pauken mit Vorschülern in Südafrika und reisen 5000 Kilometer durch das Land.

Essen-Stadtwald..  Sternenhimmel in Namibia, ein Blick vom Tafelberg auf Kapstadt, zwei Wochen Arbeit in einer südafrikanischen Vorschule: Drei Mädchen und ein Junge der Gesamtschule (GS) Süd und zwei Schüler der Duisburger Gesamtschule Meiderich haben vier Wochen in Afrika hinter sich, die sie wohl kaum mehr vergessen werden. Zum insgesamt 10. Mal war der Essener Lehrer Rudi Kretschmer mit Oberstuflern unterwegs.

„Ich bin mir sicher, dass es in ganz Schwarzafrika keine drei Vorschulen gibt, in denen die Kleinen erste Schritte am Computer machen können“, macht Rudi Kretschmer ein wenig Werbung in „eigener“ Sache – und das kann er auch, schließlich hat der Pauker der Gesellschaftslehre von der GS Süd mittlerweile so viele Spuren in der südafrikanischen Vorschule von Witbank hinterlassen wie sonst drei Hilfsorganisationen zusammen. Zwei Schulhäuser und einiges mehr hat er über die Jahre gebaut. Diesmal hatten die Mädchen und Jungen aus der 12. Jahrgangsstufe gebrauchte Laptops mit Lernprogrammen im Gepäck, die er zusammen mit der Duisburger Lehrerin Aynur Örker von der Firma „Lapdoo“ losgeeist hatte.

„Wenn ,unsere’ Kinder in die Schule kommen, sind sie bestens vorbereitet“, ist Kretschmer überzeugt vom diesjährigen Engagement, das nicht so üppig ausfiel wie sonst – die Haushaltssperre beim Land in Düsseldorf hat seine Mittel schrumpfen lassen –, aber dafür an Nachhaltigkeit für den Pädagogen keine Wünsche offen lässt. Seine richtigen Schüler konnten direkt mit dem Unterricht anfangen.

So wie Miriam Zielonka (17). „Die Kinder sind noch klein, keines älter als sechs. Ich habe mit ihnen ganz einfache Sachen auf dem Laptop gemacht, etwas Englisch und Mathematik“, berichtet sie . Jeder der Gäste hatte ein eigenes Projekt, hat Fotos mit den Kindern geschossen, mit ihnen getanzt oder anderes. Doch schuften mussten sei auch, u.a. ein vorbereitetes Fundament für das zukünftig dritte „Kretschmer“-Schulgebäude ausschalen oder mehrere Schulhäuser streichen.

Nach zwei Wochen ging es dann noch einmal für 14 Tage auf die große Reise, diesmal nahmen die Schüler rund 5000 Kilometer unter die Räder. Und konnten Erlebnisse sammeln, auf die nicht allzu viele Menschen zurückblicken können. „Mein Lieblingsort war die Wüste in Namibia – die war so, wie man das aus dem Fernsehen kennt“, berichtet Christopher Jost (19) von den roten Kalahari-Dünen, sie gehören zu den höchsten auf der Welt. Maximiliane Laufs hat das Campieren dort beeindruckt: „Der Sternenhimmel nachts war einfach irre“, sagt sie. Miriam Zielonka (18): „Die vielen Tiere hautnah in den Nationalparks.“ Vielleicht werden auch sie ihren Vorgängern folgen. Fast die Hälfte der mehr als 50 Schüler, die an dem Projekt teilnahmen, sind nach Afrika-Reise und Abitur ins Ausland gegangen.

Seit 2005 unternimmt Gesamtschullehrer Rudi Kretschmer regelmäßig Hilfsreisen mit Schülern nach Südafrika. Seit 2007 konzentriert er die Aktionen auf eine Vorschule in einem Township (Siedlung) in Witbank.

Zwei Gebäude hat er hier mittlerweile hochgezogen, und das im wörtlichen Sinn. Auf drei Meter hohen Stelzen stehen die „Baumhäuser“ aus Holz für jeweils rund 60 Schüler, eines mit herkömmlichem Grundriss, das zweite ein Dreieck. Verbunden sind sie mit einer langen Brücke. Als Treppen dienen Rutschen. „Das dritte wird einen kreisrunden Querschnitt bekommen“, schaut Kretschmer voraus auf das wohl ambitionierteste Projekt, für das er einen Architekturwettbewerb ausloben will.

Doch auch „Details“ helfen im Township weiter. 2013 installierten die deutschen Schüler wegen der Wasserknappheit Dachrinnen und zwei 10 000-Liter-Tanks. Damit die Vorschüler nicht im Dunkeln sitzen, sorgte der Lehrer in diesem Jahr für elektrische Anschlüsse. Unterstützung bekommt Kretschmer Jahr für Jahr von der Hilfsorganisation „Engagement Global“, die über die Düsseldorfer Staatskanzlei mit Bundesmitteln versorgt wird. Insgesamt rund 200 000 Euro durfte Kretschmer schon verbauen, dafür flog er u.a. auch Duisburger Handwerker der „Zimmerei Zimmermann“ ein, die in ihrem Urlaub die Häuser hochzogen.

Eine Zwischenbilanz? Die Schülerzahl in Witbank hat sich seit Projektstart dort mehr als vervierfacht. Die 260 Kinder kommen auch aus größeren Entfernungen dorthin, obwohl sie eine Schule um die Ecke haben.

 
 

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