Gemeinsam statt einsam

Gemeinsam wird in der Küche gebacken und gekocht. Foto: Udo Milbret
Gemeinsam wird in der Küche gebacken und gekocht. Foto: Udo Milbret
Foto: WAZ FotoPool

Bergerhausen.. Besonders in der Weihnachtszeit genießen die Senioren auf dem Schürmannhof die familiäre Atmosphäre.

In der Küche des Schürmannhofs duftet es nach Teig und frisch gebackenen Plätzchen. Dort, wo früher die Bauersfrau das Mittagessen zubereitete, sind heute Edith Haedecke (82), Margot Frater (88), Gabriele Zauder (59) und - na ja, vorwiegend mit lustigen Sprüchen zur Erheiterung der Damenwelt - auch Willi van Treel (84) aktiv und haben vorweihnachtlichen Spaß. Die Festtage sind nah und selbst Gebackenes gehört natürlich dazu, „Wir liegen aber gut in der Zeit“, sagt Margot Frater, zeigt auf die bereits fertigen Makronen und das Früchtebrot. Energisch legt sie einen ausgestanzten Teigstern und -mond nach dem anderen auf das mit Backpapier belegte Blech.

In der Küche geht es ganz familiär zu. Schließlich sind die Senioren eine Wohn- und irgendwie auch Lebensgemeinschaft. Sie alle leben auf dem Schürmannhof, dem denkmalgeschützten Kleinod an der Kaninenberghöhe. Seit zweieinhalb Jahren gibt es dort acht Seniorenwohnungen, die auf Initiative von Bauherr Dieter Ochel ausgebaut wurden, um dem zwischenzeitlich leergezogenen und damals reichlich renovierungsbedürftigen Gebäude-Ensemble neues Leben einzuhauchen.

Die Bewohner, die nach und nach dort einzogen, lassen sich auf eine neue Lebenssituation ein, organisieren ihren Alltag selbstständig, aber mit Unterstützung in Gemeinschaft mit anderen alten Menschen und - die Besonderheit auf dem Hof - mit Tieren. Gerade in der Weihnachtszeit rücken die Bewohner noch mehr zusammen, genießen die Abende am Kamin bei weihnachtlicher Musik und heißem Glühwein. „Da gehen wir dann alle ein bisschen in uns“ beschreibt Bettina Herling die Stimmung. Die Hauswirtschafterin wohnt selbst auf dem Schürmannhof und steht den Bewohnern mit Rat und Tat zur Seite.

Die besinnlichen Stunden bilden den Ausgleich zu Aktionen mit Außenwirkung wie dem ersten öffentlichen Weihnachtsmarkt auf dem Gelände in diesem Jahr, bei dem zahlreiche Nachbarn und Kinder der Bergerhauser Schulen den Hof bevölkerten.

„Die Plätzchen sind fertig“, ruft Rosemarie Kroll, ebenfalls Hauswirtschafterin, und holt das nächste Blech aus dem Ofen. Gespannt wartet die Backgemeinschaft, bis die Kekse etwas abgekühlt und verziert sind und probiert werden können. „Früher, da war ich berufstätig und hatte gar nicht so viel Zeit zum Backen“, erinnert sich Edith Haedecke, die deshalb auch kein Lieblingsrezept beisteuern kann. Aber lecker sei das Gebäck auf jeden Fall, findet die Seniorin. „Ich wohne erst seit knapp einem Jahr hier und habe schon drei Kilo zugenommen“, schmunzelt sie. Früher hat sie in Altenessen gelebt, wohnte letztes Jahr über Weihnachten und Silvester erstmal zur Probe im Gästezimmer. Inzwischen hat sie sich gut eingelebt, hat Spaß in der Gemeinschaft.

„In der Weihnachtszeit gibt es so viele leckere Versuchungen“, stöhnt die Seniorin lächelnd. Das gilt für die hausinterne Weihnachtsfeier vor dem Fest genauso wie für den an Weihnachten geplanten Brunch, „den wir natürlich auch alle zusammen vorbereiten“, ergänzt Bettina Herling, die Heiligabend nicht auf dem Hof verbringt, aber an Weihnachten zurückkehrt, um sich um die Senioren, auch auch um die Gänse und Alpakas zu kümmern.

Apropos: Gänsebraten steht übrigens nicht auf dem Speiseplan für die Feiertage. „Nein, wir essen auf keinen Fall die Tiere, die wir hier füttern und pflegen“, betont Bettina Herling. Und auch mit „fremden“ Gänsen auf dem Tisch habe man Probleme. „Das ist Bertha“, sagt sie und zeigt auf ein Bild mit Gänsen an der Küchenwand. „Bertha ist 15 Jahre alt geworden und hat uns im letzten Jahr verlassen - Altersschwäche“, erklärt die Hauswirtschafterin.

Während Edith Haedecke und Gabriele Zauder („Ich verbringe Weihnachten bei meinen Eltern“) über die Festtage unterwegs sind, machen es sich Margot Frater und ihr Cousin Willi van Treel auf dem Schürmannhof gemütlich, kochen sich etwas Leckeres - „wahrscheinlich Wild“ -, bescheren sich. Die beiden ersten Bewohner des Schürmannhofes verbringen auch so viel Zeit miteinander, frühstücken und kochen gemeinsam, sehen zusammen fern. Ihr Leben lang hatten sie guten Kontakt, „eigentlich wie Geschwister“. „Mein Sohn lebt weiter weg. Da lohnt sich die Fahrt nicht“, sagt van Treel. Etwas wehmütig denkt er natürlich an seine beiden Ehrfrauen zurück. Die erste starb nach der Geburt des Sohnes, die zweite vor einigen Jahren. Und allein im großen Haus - das war dann doch nichts für den Senior. Einsam ist er auf dem Schürmannhof nie - und das tut ihm gut.

 
 

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