Erstes Mehrgenerationenhaus in Rüttenscheid entsteht

Generationen von Studenten verbinden Erinnerungen mit dem Karl-Barth-Haus: Ende vergangener Woche rückten die Anrissbagger an.
Generationen von Studenten verbinden Erinnerungen mit dem Karl-Barth-Haus: Ende vergangener Woche rückten die Anrissbagger an.
Foto: :Stefanie Pischke
Ein zukunftsweisendes Wohnprojekt samt Kita entsteht zurzeit an der Wittenbergstraße. Es richtet sich an junge Familien, Senioren und Alleinstehende.

Essen-Rüttenscheid.. Das alte Karl-Barth-Haus an der Wittenbergstraße, das mancher Studenten-Generation als Wohnheim noch gut in Erinnerung sein dürfte, ist seit Ende vergangener Woche ein Fall für den Abrissbagger. Die Anneliese-Brost-Stiftung, die das leerstehende Haus samt Grundstück aus einer Zwangsversteigerung erworben hatte, realisiert an dem Standort ein in Rüttenscheid bislang einzigartiges Wohnprojekt.

Gemeinsam mit den Projektträgern Arbeiterwohlfahrt (Awo) und dem Verein für Kinder- und Jugendarbeit (VKJ) soll das Haus ab August 2017 Zuhause und Begegnungsstätte für Familien, Alleinstehende und Senioren werden. Neben 26 barrierefreien Mietwohnungen mit Größen zwischen 50 und 150 Quadratmetern werden in dem Haus ein großer Gemeinschaftsraum sowie das VKJ-Kinderhaus „Miteinander“ untergebracht. Es bietet in drei Gruppen 17 U3- und 40 Ü3-Betreuungsplätze. Im Mittelpunkt des gesamten Hauses soll die Begegnung zwischen den Generationen stehen, erklärt Stiftungsvorsitzender Günter Trutnau: „Unser Mehrgenerationenhaus richtet sich im Wesentlichen an drei Zielgruppen: junge Familien mit Kindern, ältere Mitbürger sowie alleinstehende Menschen; das können auch Studenten sein.“ Am Ende sei ein guter Altersmix entscheidend für das Wohnprojekt, das ähnlich wie frühere Großfamilien funktionieren soll, in denen jede Generation voneinander profitiert.

VKJ-Kita wird in den Alltag der Bewohner eingebunden

„Ich denke, dass diese Wohnform die Zukunft bestimmen wird. Gerade in Zeiten, in denen die Menschen immer älter werden und sich gleichzeitig noch aktiv einbringen möchten, werden solche Projekte immer wichtiger“, sagt Awo-Geschäftsführer Oliver Kern. Die Awo wird sich vor Ort zum einen um haushaltsnahe Dienste kümmern. Dazu zählen etwa ein Einkaufs- und Reinigungsservice sowie Pflegedienstleistungen, die die Awo auf Wunsch vermittelt. Welche der Angebote die Mieter in Anspruch nehmen, entscheiden sie selbst. Vertragliche Kooperationspartnerin ist die Awo auch für mindestens 24 Gemeinschaftsveranstaltungen im Jahr. „Das kann beispielsweise ein Adventssingen oder ein Sommerfest sein – in jedem Fall Aktionen, die die Hausgemeinschaft stärken“, sagt Oliver Kern.

Eine wichtige Rolle soll auch die vom VKJ betriebene Kita spielen. „Es ist geplant, dass sich die Bewohner, insbesondere die Senioren, mit eigenen Projekten in der Kita einbringen, zum Beispiel den Kindern vorlesen oder mit ihnen backen“, gibt Oliver Kern ein Beispiel. Außerdem können die Bewohner des Hauses bei Interesse den Mittagstisch der Kita nutzen. „Diese Form des Wohnens wird auch deswegen immer wichtiger, weil die Menschen nicht allein sein wollen im Alter. Der grassierenden Vereinsamung kann damit vorgebeugt werden“, sagt Oliver Kern.

Für das Projekt spricht nach Angaben der Anneliese-Brost-Stiftung allein der demografische Wandel: Schon jetzt liegt der Anteil der über 60-Jährigen in Essen bei fast 30 Prozent, Tendenz steigend. „Der Bedarf einer größeren Auswahl an Wohnmöglichkeiten für Menschen im Alter wird damit deutlich. Pflegeheime und betreutes Wohnen können nicht die einzigen Alternativen sein“, heißt es in dem Konzeptpapier für das Mehrgenerationenhaus, das sich die Stiftung rund sieben Millionen Euro kosten lässt. Die Fertigstellung ist für August 2017 geplant.

 
 

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