Der Hofschneider von Königin Elizabeth II. kommt aus Essen

Karl-Ludwig Rehse (l.), Hofschneider der Queen, traf in Essen seinen langjährigen Freund Peter Hohendahl.
Karl-Ludwig Rehse (l.), Hofschneider der Queen, traf in Essen seinen langjährigen Freund Peter Hohendahl.
Foto: Funke Foto Services
Karl-Ludwig Rehse hat nur noch eine Kundin: die Queen, die seit 27 Jahren seine Kreationen trägt. Jetzt besuchte er seinen alten Freund in Essen.

Essen.. Wann immer Karl-Ludwig Rehse nach Deutschland kommt, versucht er seinen alten Freund Peter Hohendahl aus Essen-Haarzopf zu treffen. Jetzt hat es wieder geklappt. Für einige Tage weilte Rehse in Essen, konnte mit seinem Freund etwas unternehmen. Viel Zeit hat Rehse meist nicht. 1937 in Essen geboren, ist er eigentlich längst im Rentenalter. Doch in seiner Wahlheimat London nimmt der gelernte Schneider immer noch Aufträge entgegen, allerdings nur von einer einzigen Kundin: Königin Elizabeth II.

„Peter und ich kennen uns quasi aus dem Kinderwagen, weil unsere Familien befreundet waren“, sagt Rehse, der in diesem Jahr den Victoria-Orden verliehen bekam und seitdem die Ordens-Abkürzung MVO hinter dem Namen tragen darf. Die Freundschaft zu Peter Hohendahl, Jahrgang 1938, hielt, obwohl die beiden ganz unterschiedliche berufliche Laufbahnen einschlugen. Hohendahl ist bis heute als Industriekaufmann selbstständig, Rehse lebt seit den 1960er-Jahren in London, stieg dort zum Hoflieferanten und Schneider der Queen auf.

Enger Kontakt zur Königin

Seit 27 Jahren ist die britische Königin seine Kundin, trug jüngst zur Geburt von Urenkelin Charlotte ein rosa Ensemble aus seinem Atelier. Mehrmals im Jahr melde sich der Buckingham-Palast und rufe ihn an den Hof. Nicht nur bei der Auswahl der Schnitte und Stoffe, auch bei der Anprobe habe er engen Kontakt zur Königin. „Natürlich sprechen wir da nicht über das Wetter“, sagt er und wahrt dabei strengste Diskretion. Ja, er sei aufgeregt, wenn er an den Hof und in die privaten Räume der Königin gerufen werde, „nicht mehr so wie früher, aber immer noch bis bisschen“, sagt Rehse mit charmantem englischen Akzent.

„Die Queen ist eine beeindruckende Persönlichkeit, die für ihren Humor bekannt ist. Und ich kann sagen, das stimmt“, schwingt schon ein bisschen Bewunderung mit, wenn Rehse erzählt. Sind die Hunde der Queen, die kurzbeinigen Corgis, bei der Anprobe dabei? „Ja, aber es sind nicht mehr so viele wie früher“, so Rehse. Ob die Vierbeiner beißen? Karl-Ludwig Rehse lächelt vielsagend und schweigt.

London ist seine Stadt

Der Hofschneider stammt ursprünglich aus dem Essener Moltkeviertel, seine Familie wohnte an der Wallotstraße. Während des Zweiten Weltkriegs verbrachte die Familie einige Zeit in Bayern, zog aber nach Essen zurück, wo Rehse in Bredeney eine Lehre zum Herrenschneider absolvierte. „Ich wollte Damenschneider werden, aber die Handwerkskammer meinte, als Mann ginge das nicht“, erinnert sich der Wahl-Londoner.

Seit ihn seine Großmutter zur Düsseldorfer Handwerksmesse mitgenommen hatte, war er vom Thema Mode elektrisiert. Nach der Gesellenprüfung arbeitete Rehse in einer Düsseldorfer Boutique, besuchte später die Modeschule in München, schneiderte dort schon für Adelige und Filmstars. „Eigentlich wollte ich in Paris arbeiten, aber dann wurde es London“, so der Schneidermeister. Nach einer Urlaubsreise in den 1960er-Jahren in die englische Hauptstadt war für ihn klar: Das ist meine Stadt, hier will ich arbeiten.

„Die Königin trägt Einzelstücke, die nur für sie gemacht sind“

1988 machte sich Karl-Ludwig Rehse dann gemeinsam mit einem Freund in London selbstständig. „Die Sommer-Kollektion 1988 war ein Riesenerfolg“, erinnert er sich. Nach der Präsentation kam der Anruf, der Rehses Leben veränderte: Er durfte seine Kollektion auf Schloss Windsor vorstellen. Das sollte der Beginn einer langjährigen Geschäftsbeziehung sein. Rehse darf offiziell das Wappen der Hoflieferanten auf seiner Visitenkarte führen.

„Die Königin trägt Einzelstücke, die nur für sie gemacht sind“, sagt Rehse. 2009 setzte er sich geschäftlich kleiner, hat nur noch eine langjährige, spanische Mitarbeiterin – und nur die Queen als Kundin. „Das will ich auf jeden Fall weitermachen, solange man mich lässt“, denkt Rehse noch nicht über den endgültigen Ruhestand nach.

 
 

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