Der Abschied naht

Josef Ostermann vom Förderverein zeigt traurig auf die Kirche St. Maria Königin, die zum Jahresende geschlossen wird.
Josef Ostermann vom Förderverein zeigt traurig auf die Kirche St. Maria Königin, die zum Jahresende geschlossen wird.
Foto: WAZ FotoPool
Zum Jahresende wird die katholische Kirche St. Maria Königin geschlossen. Der Förderverein hatte sich jahrelang für den Erhalt engagiert. Jetzt sucht das Bistum Investoren für das Gelände in der Ruhmbachsiedlung.

Haarzopf..  Dass der Zeitpunkt des Abschieds von der kleinen Kirche St. Maria Königin irgendwann kommen würde, war wohl allen Beteiligten klar. Dass er so bald kommt, schockiert die Haarzopfer Katholiken. Ende des Jahres wird das Gotteshaus an der Eststraße/Neulengrund geschlossen. Der Kirchenvorstand der Gemeinde Christus König, der St. Maria Königin angegliedert ist, setzt damit den Beschluss des Bistums um. Das Gotteshaus gehörte seit Jahren zu den „weiteren Kirchen“, für die keine Kirchensteuermittel mehr ausgegeben und die letztendlich geschlossen werden.

Besonders hart trifft das die Mitglieder des 2007 gegründeten Fördervereins, der seit Anfang 2009 jährlich 24 000 Euro an die Großpfarrei St. Ludgerus in Werden überwiesen hatte. Damit übernahmen die rund 150 Mitglieder sämtliche Unkosten für die „Kapelle“ und sicherten so vorerst ihren Fortbestand. Bis vor einem Jahr hatte der langjährige Geistliche, Pastor Hans Johanni, damals schon im Ruhestand, noch Messen dort gehalten. Später übernahm das Pastor Michael Niekämper von Christus König.

Mitten in der Ruhmbach-Siedlung

„Wir sind mehr als traurig“, sagt Josef Ostermann (77), zweiter Vorsitzender des Fördervereins. „Wir hatten gehofft, dass es länger dauert, dass man beim Bistum vielleicht noch mal die Meinung ändert. Eine Kirche abzureißen, ist ein komplett falsches Zeichen. Wenn wir hier Weihnachten oder Silvester die letzte Messe feiern, ist die Gemeinde tot.“ Die 1961 erbaute Kirche werde abgerissen, so Ostermann. Er vermutet, dass es dem verschuldeten Bistum um die Vermarktung des attraktiven Geländes mitten in der hufeisenförmig angelegten Ruhmbach-Siedlung in der Nähe des Flughafens Essen-Mülheim gehe.

Rund 600 Katholiken gehören zu St. Maria Königin. „Wir haben geholfen, die Kirche zu bauen, haben Zeit, Arbeitskraft und Geld investiert“, blickt Ostermann zurück. Nach und nach habe man die „Kapelle“ verschönert. Künstlerisch gestaltete farbige Fenster ersetzten die normalen Glasscheiben, die Gemeinde finanzierte einen Kreuzweg aus eigenen Mitteln. Zuletzt kam 2004 eine neue, gebrauchte Orgel als Ersatz für das marode alte Instrument dazu.

Ein kleines Fünkchen Hoffnung setzt Ostermann in die Idee, dass man die Kirche vielleicht unter Denkmalschutz stellen und so erhalten könne. Aber so recht scheint er daran selbst nicht zu glauben. Auch das ebenfalls in Eigenregie entstandene Diakoniehaus wird wohl abgerissen. Es sei nicht nur Treffpunkt der Gemeinde gewesen, sondern lange Zeit auch der einzige Saal im Stadtteil, den man für Familienfeiern und ähnliches mieten konnte.

„Die Seelsorge in St. Maria Königin war aufgrund der veränderten Situation nicht mehr sichergestellt“, erklärt Bistumssprecher Ulrich Lota. „Letztlich war es eine Frage der Zeit, auch wenn sich der Förderverein sich sehr engagiert für die Kirche eingesetzt hat.“

Ein solcher Kirchenabriss sei für alle Beteiligten schmerzhaft, versichert Pastor Niekämper. Die damalige Entscheidung von Bischof Felix Genn, angesichts des Priestermangels, sinkender Mitgliederzahlen und Kirchensteuereinnahmen Kirchen zu schließen, sei jedoch nachvollziehbar. Laut Niekämper wäre es für den Förderverein in den kommenden Jahren sowieso schwer geworden, die erforderlichen Mittel noch aufzubringen.

Jetzt gehe es nicht in erster Linie um eine gewinnbringende Vermarktung des Geländes, sondern um „eine sinnvolle Nutzung“. Deshalb habe man ein „Interessenbekundungsverfahren“ auf den Weg gebracht und möglichen Investoren bestimmte Kriterien an die Hand gegeben. „Wichtig ist der Erhalt der Kindertagesstätte, die stark renovierungsbedürftig ist und möglicherweise sogar neu gebaut wird. Angedacht ist eine Erweiterung von zwei auf drei Gruppen“, so Niekämper. In der Kita solle es einen Gemeinderaum geben, als Treffpunkt und für Gottesdienst.

Die künstlerisch wertvollen Fenster sollen laut Niekämper nicht weggeworfen werden. Sie wurden, wie auch die Lichtstreifen zu beiden Seiten der Eingangstür, nach Entwürfen von Hermann Gottfried geschaffen und zieren seit 1978 die Kirche. Eine Stiftung in Mönchengladbach, die sich mit Glaskunst beschäftigt, habe bereits Interesse angemeldet.

 
 

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