Das Reich des Trödelfürsten in Essen-Holsterhausen

Markus Siepmann von „Rumpelstilzchen’s Trödelhalle“ hat nicht nur Nippes im Angebot, sondern auch eine über 300 Jahre alte Bibel: sein ältestes Stück.
Markus Siepmann von „Rumpelstilzchen’s Trödelhalle“ hat nicht nur Nippes im Angebot, sondern auch eine über 300 Jahre alte Bibel: sein ältestes Stück.
Foto: WAZ FotoPool
Markus Siepmann betreibt in Holsterhausen „Rumpelstilzchen’s Trödelhalle“ und hat so ziemlich alles im Angebot, was man aus den Wohnungen von Eltern und Großeltern noch kennt. Egal ob Schmuck, Antikwachs oder sonstiger Kleinkram – bei ihm findet sich wohl des kurioseste Sammelsurium der Stadt.

Essen-Holsterhausen.. Wenn man Markus Siepmann als unumstrittenen Trödelfürsten der Stadt bezeichnet, dann würde er wohl lautstark Einspruch erheben. Dabei findet man in seiner „Rumpelstilzchen’s Trödelhalle“ an der Kahrstraße mit Sicherheit eines der kuriosesten Sammelsurien in ganz Essen.

Schon beim Eintritt in das weitläufige Eckgeschäft weiß man nicht, wo man zuerst hinschauen soll. In Reih und Glied baumeln die Leuchter und Lampen von der Decke, Glasvitrinen mit Schmuck, Armbanduhren und Kleinkram umzingeln den Ankömmling, zahlreiche Schränke sind vollgestopft mit Nippes oder der 4711-Kollektion aus den 1970er Jahren, an den Wänden hängt ein geschmackloses Gemälde neben dem nächsten. Wer hier nicht etwas aus dem Haushalt der Eltern oder Großeltern wiedererkennt, hat nicht richtig geguckt.

Platz reicht nicht aus

„Zwei Wochen haben wir vor rund zweieinhalb Jahren für den Umzug von der Rüttenscheider Klarastraße benötigt. Das Dekorieren hat über einen Monat gedauert und ist streng genommen noch nicht fertig“, erzählt Markus Siepmann und muss zum x-ten Mal zum Telefonhörer greifen. Wenn er wollte, könnte er noch einmal 440 Quadratmeter füllen. „Die meisten Angebote muss ich ablehnen, der Platz reicht nicht. Von zehn Anrufern hat einer etwas, das wir suchen“, erzählt er später. Klar, wer fünf Kuckucksuhren hat, braucht keine sechste mehr. „Außer einer richtigen Schwarzwälder in gutem Zustand“, sagt er.

Auf solche wertvollen Topseller hatte er es ursprünglich abgesehen, und auch heute liegt ihm sein „Antiquitäten Rumpelstilzchen“ an der Rüttenscheider Eleonorastraße mächtig am Herzen. Denn von Kindesbeinen an wollte er Antiquitätenhändler werden. Nachdem er die Lehrjahre als Schreiner und Kaufmann Ende der 1980er-Jahre beendet hatte, zog es ihn nach ersten Gehversuchen im Nordviertel weiter nach Rüttenscheid.

Epi-Zentrum der Essener Antiquitäten-Szene

Hier befand sich das Epi-Zentrum der Essener Antiquitäten-Szene, an der Klarastraße. Mit der Ware kannte sich Siepmann durch die Mutter gut aus, die Großmutter schoss das Startkapital vor. „Nach dem Verkauf meines Käfer-Cabrios war das Geld zusammen“, erinnert er sich und muss schmunzeln.

Schnell stellte er seinerzeit fest, dass man sich nicht einfach die Rosinen aus dem Kuchen picken kann. „Die Leute wollen halt alles auf einmal loswerden“, erzählt der 48-Jährige, der in den vergangenen Jahrzehnten hunderte Tonnen von Möbeln, Porzellan, technischen Geräten und allem Möglichen durch die Gegend geschleppt hat. Zusätzlichen Platz fand er seinerzeit in der Halle einer Trödlergemeinschaft an der Münchner Straße. Der Betrieb wuchs, nach einigem Hin und Her in Rüttenscheid landeten die Antiquitäten schließlich an der Rüttenscheider Eleonorastraße, der Trödel in Holsterhausen.

„Wir leben vom Kleinkram“

Das hauptsächliche Geschäft wird nicht mit den Antiquitäten an der Eleonora-, sondern mit dem Trödel an der Kahr­straße gemacht. „Der Antiquitätenmarkt ist tot. Wir leben vom Kleinkram“, erzählt der Inhaber der „Antiquitäten Rumpelstilzchen“ und „Rumpelstilzchen’s Trödelhalle“ Markus Siepmann.

Wie bestellt legt ein Herr in mittleren Jahren ein paar Schraubenschlüssel auf die Theke, denn bei „Rumpelstilzchen’s“ gibt es in den hinteren Räumen tatsächlich alles, von der Schraubensammlung im Einmachglas über abgewetzte Pinsel bis zum Hochdruckreiniger. „Drei Euro, bitte“, verlangt Siepmann für die Schlüssel und kommentiert hinterher: „So ist das eben, Kleinvieh macht auch Mist.“

Antikwachs, Werkzeug, Kleinkram – bis zu zehn Euro kostet die Ware, die bei Markus Siepmann am häufigsten über die Theke wandert. Ein Nagel für einen Cent, eine Kiste mit Porzellan-Services für den Polterabend für 9,90 Euro, eine Bananenkiste voller Bücher für die Wohnzimmer-Deko für den gleichen Preis: Alles kein Problem bei „Rumpelstilzchen’s Trödelhalle“.

Trödelfürst Siepmann selbst mag es zu Hause nicht unbedingt antik: „Das ist so gemischt. Ich habe aber seit Jahrzehnten alte Sachen um mich herum, da muss das nicht unbedingt auch zu Hause so sein.“

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