Das einstige Schmuckstück Bahnhof Süd verfällt weiter

Die Gebäude des Bahnhofs Süd verrotten immer mehr.
Die Gebäude des Bahnhofs Süd verrotten immer mehr.
Foto: Christian Stahl
Außer einer behelfsmäßigen Absperrung ist noch nichts passiert. Komplizierte Eigentumsverhältnisse erschweren Gespräche über Instandsetzung.

Essen-Rüttenscheid.  Mit dicken Brettern sind die Eingänge und Fenster verriegelt worden. Ein dünnes, rot-weißes Plastikkettchen sperrt den Zugang zum zunehmend verrottenden Gebäudeteil des Bahnhofs Süd dürftig ab. Schmierereien verunzieren die abbröckelnde Fassade. Selbst ein Laie würde dem Gebäude in seinem jetzigen Zustand wohl Abbruchreife attestieren.

Gut acht Monate sind vergangen, seit diese Zeitung über den zunehmenden Verfall des denkmalgeschützten Bahnhofs berichtete. Abgesehen von den eher behelfsmäßigen Sicherungsmaßnahmen und einem neuen Anstrich des als Gaststätte genutzten Hauptgebäudes ist seither nicht viel passiert. Dabei gilt das 1914 erbaute Ensemble als „best erhaltener Vorstadtbahnhof“ in Essen.

Der Deutschen Bahn, die Eigentümerin des verriegelten Gebäudeteils ist, scheint wenig an einer Wiederherstellung alter Glanzzeiten zu liegen. Auf Nachfrage dieser Zeitung im September bat die Bahn-Pressestelle in Düsseldorf um etwas Geduld. Im Laufe des Oktobers könne man berichten, wie es an dem S-Bahnhof weitergeht. Auf erneute Anfrage in der vergangenen Woche teilte ein Bahnsprecher schlicht in einem Satz mit, die zuständigen Kollegen könnten „keinen neuen Sachstand“ vermelden.

Untere Denkmalbehörde

Immerhin hat sich inzwischen herausgestellt, dass nicht - wie zunächst angenommen - die obere Denkmalbehörde in Düsseldorf, sondern das Amt in Essen für die Überprüfung des Denkmalschutzes zuständig ist. „Das Gebäude befindet sich im Eigentum einer privatrechtlichen Gesellschaft der DB AG, daher liegt die Zuständigkeit für bei der Unteren Denkmalbehörde der Stadt Essen. Insofern kann auch nur diese weitere Schritte veranlassen“, teilt eine Sprecherin der Bezirksregierung Düsseldorf mit.

Bei der Stadt Essen sei das Thema in der Bearbeitung, versichert Sprecherin Jasmin Trilling. Demnach habe das Institut für Denkmalschutz und Denkmalpflege im Sommer Kontakt zu der DB Netz AG als Teileigentümerin des Baudenkmals aufgenommen, um einen Ansprechpartner zu ermitteln. Nun sei geplant, im Herbst 2016 Gespräche mit allen Beteiligten zu führen, um die nächsten Schritte anzugehen. Ein konkreteres Datum konnte die Stadt nicht benennen. Ein Problem seien die zweigeteilten Eigentums- und Pachtverhältnisse mit vielen Beteiligten. Entsprechend sei bislang noch keine Lösung in Sicht. So gehört der ungenutzte Gebäudeteil der Deutschen Bahn, die Gaststätte dem Eigentümer Thomas Draheim, der diese wiederum verpachtet hat.

Laut der Stadt könne erst nach weiteren Gesprächen beurteilt werden, welche Maßnahmen zwingend erforderlich sind und „durch wen diese geplant und ausgeführt werden“. Dabei wäre die Denkmalbehörde auch berechtigt, eine Instandsetzung zu verfügen. Dies sei aber das „letzte Mittel“, betonte Jasmin Trilling, dass man zu allererst das Gespräch suchen wolle.

 
 

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