Charme der 60er Jahre hat ausgedient

Die Stadtteil-Bibliothek Stadtwald soll renoviert werden. Foto Walter Buchholz/WAZ FotoPool
Die Stadtteil-Bibliothek Stadtwald soll renoviert werden. Foto Walter Buchholz/WAZ FotoPool
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Seit 1961 befindet sich die Stadtteil-Bibliothek Stadtwald in den aktuellen Räumen an der Frankenstraße 185. Der verblasste Charme der 1960er Jahre ist nicht zu übersehen. Jetzt sollen die Räumlichkeiten für 8000 Euro renoviert werden.

Stadtwald.  Wer die Stadtteil-Bibliothek Stadtwald an der Frankenstraße 185 betritt, fühlt sich unweigerlich in die 1960er Jahre versetzt - falls er die denn erlebt hat. Braun gestrichene Wände, beigefarbene Vorhänge an den Fenstern, die ihre beste Zeit schon hinter sich haben, eine Aufstellungstafel der Bücher, auf der das Fachgebiet „Pädagogik“ noch „Erziehung und Bildung“ heißt - all das versprüht den Charme der Vergangenheit. Kein Wunder: Die 1943 gegründete Stadtteil-Bibliothek bezog die aktuellen Räume 1961. Seitdem hat sich dort wenig getan, abgesehen von Maßnahmen zur Energie-Einsparung und der Umsortierung der Bücher nach Interessensgebieten.

Das soll sich ändern. „Es gibt keinen offiziellen Topf, aus dem Renovierungen von Stadtteil-Bibliotheken bezahlt werden. Trotzdem planen wir für Anfang des neuen Jahres hier Verschönerungsmaßnahmen“, sagt Klaus-Peter Böttger, Leiter der Stadtbibliothek Essen. Rund 8000 Euro stehen dafür aus Mitteln der Sparkasse, des Vereins der Freunde und Förderer der Stadtbibliothek, der jedes Jahr Geld für eine andere Stadtteil-Bibliothek gibt, aus dem eigenen Möbel-Etat und Stiftungsgeldern zur Verfügung. Einige Sachspenden wie Möbel und ein PC seien bereits eingetroffen.

Ein Problem beschäftigt Böttger und sein Team: Die Wände der Bibliothek ziert derzeit ein - nicht mehr ganz zeitgemäßes - Kunstwerk aus den 1960er Jahren. „Die Künstlerin, die das damals geschaffen hat, besitzt natürlich Rechte daran. Leider konnten wir sie noch nicht ausfindig machen und fragen, was mit den Objekten geschehen soll“, so Böttger. Die Sachgruppen-Symbole stammen wohl von einer Bildhauerin, die Johanna Wagner oder Johanna Engel hieß. „Ob das eine vielleicht ihr Geburtsname und das andere der Name nach der Heirat ist und ob sie aus Essen kommt, konnten wir nicht ermitteln“, bedauert Böttger. Die Künstlerin, die vor etwa zehn Jahren einmal die Bibliothek besuchte, müsse inzwischen eine alte Dame sein, vielleicht lebe sie gar nicht mehr. Böttger hofft, dass die Bürger vielleicht Hinweise auf die Künstlerin geben können und sich unter 88-42 000 oder unter der E-Mail-Adresse Klaus-Peter.Boettger@stadtbibliothek.essen.de melden.

Nach der Umgestaltung der Bibliothek, die - abhängig von Lieferterminen - rund zwei Monate dauern soll und bei laufendem Betrieb vorgenommen wird, soll eine Ausstellungsgalerie mit durchgehenden Leisten die Räume zieren. „Da können wir dann neue Bilder aufhängen und auch gelegentlich wechseln“, so Böttger. Vielleicht könne man auch Bilder zugunsten der Einrichtung versteigern.

Allzu gravierende Veränderungen wolle man gar nicht vornehmen. „Man braucht einen gewissen Wiedererkennungswert. die Kunden sollen sich hier ja heimisch fühlen“, erklärt Einrichtungsleiterin Carola Dringenberg. Aber hell und freundlich solle es werden. Und vernünftige Vorhänge brauche man, allein schon für Veranstaltungen wie die Märchenwoche, für die man die Räume abdunkeln müsse. Wenn das Medienzentrum der Stadt - wie geplant - in das Gebäude ziehe, werde man auf jeden Fall Gespräche zwecks einer Kooperation führen, versichert Carola Dringenberg. Sie pflegt zudem enge Kontakte zu den Schulen und Kindergärten der Umgebung.

 
 

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