Allbau baut Kita und Wohnungen in Bredeney

Allbau-Vorstand Dirk Miklikowski (2.v.l.), Bezirksbürgermeister Michael Bonmann (l.), Jürgen Schroer vom Kinderbüro  (r.) informierten Kaufinteressentin Gisela Wallbruch über das Bauvorhaben.
Allbau-Vorstand Dirk Miklikowski (2.v.l.), Bezirksbürgermeister Michael Bonmann (l.), Jürgen Schroer vom Kinderbüro (r.) informierten Kaufinteressentin Gisela Wallbruch über das Bauvorhaben.
Foto: Knut Vahlensieck
Die Allbau AG entwickelt ein ehemaliges Schulgelände in Bredeney für 6,6, Millionen Euro. Ursprünglich war dort ein Mehrgenerationenprojekt geplant.

Essen-Bredeney..  Mit dem Bau von zwei zusammenhängenden Mehrfamilienhäusern mit insgesamt 14 Eigentumswohnungen auf dem Grundstück der ehemaligen Volksschule an der Ecke Einigkeitstraße/Weidenbruch erschließt die Allbau AG ein neues Areal im Wohnstadtteil Bredeney. Für die städtische Wohnbaugesellschaft bedeutet dies auch so etwas wie eine Abkehr von alternativen Wohnformen, denn eigentlich war für die Fläche ein ganz anderes Konstrukt vorgesehen. Eine zusätzliche neue Kita, die für den Betreiber Arbeiterwohlfahrt (Awo) errichtet wird, hebt die Quote an Versorgungsplätzen im Umfeld.

„Wir rechnen mit der Fertigstellung der Gebäude im ersten Halbjahr 2018. Ich gehe davon aus, dass wir es auch bis Ende März schaffen können, dann muss aber alles glatt laufen“, kündigte Allbau-Chef Dirk Miklikowski anlässlich des Spatenstichs an der Einigkeitstraße an. Insgesamt investiere man dort 6,6 Millionen Euro. Freuen konnte er sich über eine recht ansehnliche Zahl von Besuchern. Über mangelndes Interesse für das für Allbau-Verhältnisse kleine, aber luxuriöse Projekt wird er sich nicht beklagen müssen.

50 neue Kita-Plätze werden in drei Gruppen geschaffen

Die Zahl der Eigentumswohnungen, sie beginnen bei einer Größe von knapp 80 Quadratmetern, ist gering. Errichtet werden sie im rückwärtigen, südlichen Teil der Fläche. An Ausstattung wird nicht gespart, großzügige Balkone gehören zum Standard. Die beiden Wohnungen im Penthouse-Stil im Staffel-Geschoss erhalten eine Dachterrasse. Als Nachbarn werden die Eigentümer den Allbau-Chef persönlich bekommen: Eine der beiden oberen Wohnungen wird Miklikowski selbst beziehen.

Damit hatte er vor rund einem Jahr wahrscheinlich noch nicht wirklich rechnen können. „Wir hatten eigentlich vor, das Grundstück anders zu nutzen“, erinnert Miklikowski an einen Vorstoß, der in seinem Hause – damals noch im alten Domizil am Kennedyplatz – sogar mit einem eigens eingerichteten Beratungsbüro seit 2011 begleitet worden war: der Förderung alternativer, generationenübergreifender Wohnformen.

„Essen ist kein geeignetes Pflaster für alternatives Wohnen“

Samuel Serifi, Prokurist beim Allbau, erläutert: „Wir haben den Prozess lange moderiert, letztlich konnte sich die Gruppe aber nicht festigen. Einige wollten kaufen, anderen war es zu teuer oder sie wollten nur zur Miete einziehen“, sagte er beim Spatenstich. Sein Chef sehe Essen für diese Art des Wohnens nicht als das geeignete Pflaster an und habe das Thema für die Stadt erstmal abgehakt. „In alternativ geprägten Städten wie Münster, in denen sich schon viele Personengruppen zu so einem Vorhaben zusammengeschlossen haben, funktioniert das. Hier aber ist es schwer, eine passende Gruppe zu finden. Sobald man sich auf ein gemeinschaftliches Verständnis festlegen muss, hakt es. Man darf auch nicht vergessen, dass solche Wohnformen teurer sind, weil man den zusätzlichen gemeinsamen Platz auch bezahlen muss“, so Miklikowski.

Nun soll eine Kita für einen kleinen Rest generationenübergreifendes Leben an der Einigkeitstraße sorgen. Errichtet wird der Bau, den die Awo im Laufe des Kindergartenjahres 2017/18 für mindestens 20 Jahre mit Leben füllen soll, in ökologischer Holzrahmenbauweise. Insgesamt 50 Plätze sollen in drei Gruppen geschaffen werden, 15 für Kinder unter drei Jahren, 35 für Mädchen und Jungen zwischen drei und sechs Jahren.

Bredeney hat dann eine überdurchschnittliche Versorgungsquote mit Kita-Plätzen

Für den Stadtteil und Bezirk bedeutet der Bau einer neuen Kindertagesstätte überdurchschnittlich hohe Versorgungsquoten. In Bredeney liegen sie dann bei unter Dreijährigen bei knapp 52 Prozent und bei Kindern ab drei Jahren bis zum Schuleintritt sogar bei 122 Prozent. Allerdings: Bredeney werde auch von vielen Eltern aus anderen Stadtteilen stark nachgefragt, heißt es seitens der Stadt. Auch Jürgen Schroer, Leiter des städtischen Kinderbüros, war zum Spatenstich des Allbau-Projekts gekommen. „Die Kita wird diesen Bereich beleben“, ist er überzeugt.

Ein weiteres Relikt aus der Vergangenheit des Stadtteils ist mit dem Allbau-Projekt Einigkeit-straße/Weidenbruch verschwunden: die ehemalige katholische Volksschule 3, errichtet im Jahr 1906, und im Volksmund „Prumendorfschule“ genannt.

Bürger benannten alte Schule wurde damals nach Pflaumenbäumen

Das Prumendorf, so halten die Ehrenamtlichen von „Bredeney aktiv“ fest, war eine Zechensiedlung der Steinkohlengesellschaft Langenbrahm. Nach der Überlieferung ist der Name inspiriert worden von zahlreichen Pflaumenbäumen, die im Garten des nahen Fendelkottens und wohl auch anderer Höfe wuchsen. Bis 2011 konnten Passanten noch ein Mosaik mit Pflaumenbäumen der Künstlerin Ursula Graeff-Hirsch an der Fassade des Eckhauses Einigkeitstraße/Frühlingstraße betrachten. Das ist mittlerweile durch eine Dämmschicht verdeckt.

Die Schule an der Einigkeitsstraße wurde jedoch nur bis etwa 1930 als Volksschule genutzt. Nach dem Krieg und bis in die 1970er-Jahre war sie eine Sonderschule für Lernbehinderte, danach Unterkunft für Aussiedler, Asylbewerber, Obdachlose. Aufgrund des hohen Bedarfes errichtete die Stadt zusätzlich 1990 einen Wohncontainer. Seit 2006 stand das Ensemble leer. „Die Gebäude waren geprägt vom langsamen Verfall“, so Allbau-Chef Dirk Miklikowski. Nach zehn Wochen Arbeit waren sie abgerissen.

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