Aktzeichnen als Königsdisziplin

Mit Pinsel und Stift zeichnen die Mitglieder der Gruppe die Modelle.
Mit Pinsel und Stift zeichnen die Mitglieder der Gruppe die Modelle.
Foto: WAZ Fotopool
Eine freie Aktmal-Gruppe trifft sich wöchentlich im Kunsthaus an der Rübezahlstraße. Neue Mitglieder sind jederzeit willkommen. Gute Beobachtungsgabe und Lust am kreativen Arbeiten sind Voraussetzung für die Teilnahme.

Rellinghausen..  „Figürliches Zeichnen ist die Königsdisziplin“, sagt Michael Ladenthin. Der 49-jährige gelernte Bankkaufmann ist hauptberuflicher Künstler und muss es wissen. Weil die Königsdisziplin Übung erfordert, trifft sich eine Gruppe Kreativer dienstags von 19 bis 21 Uhr zum Aktzeichnen im Kunsthaus an der Rübezahlstraße. Und das schon seit knapp 30 Jahren, denn die Gruppe entwickelte sich aus einem Kurs, den die Volkshochschule 1984 anbot.

„Jeder hat seine künstlerischen Projekte. Mit Aktmalerei trainiert man die Wahrnehmung, hält sich als Künstler fit“, weiß Paul Hammer. Der 68-jährige Autodidakt verdiente sein Geld als Bauingenieur. „Architektonisches Denken ist beim Zeichnen durchaus von Vorteil“, sagt Hammer, der sich in der Gruppe ums Finanzielle, also um Raummiete und Bezahlung der Modelle kümmert, während Ladenthin für die Pflege der Internet-Seite „staxart.de“ zuständig ist.

Zum harten Kern der Gruppe gehören sechs bis acht Mitglieder. Es findet kein Unterricht im eigentliche Sinne statt. „Aber natürlich lernen wir durch den gegenseitigen Austausch“, so Ladenthin. Mitmachen kann jeder, vom 18- bis zum 80-Jährigen. „Hauptsache, die Leute sind motiviert“, findet Hammer. Keiner erwarte ein fertiges Kunstwerk. Es gehe ums Experimentieren mit Techniken und Farben. „Wer mal einen 200-Blatt-Block vollgezeichnet hat und dann seine Werke vom Anfang betrachtet, wird sehen, wie rasant man sich verbessert.“ Hammer und seine Mitzeichner würden ihren Kreis gern vergrößern. Es gibt keine Vertragsbindung, die Teilnehmer zahlen pro Treffen, an dem sie teilnehmen, einen Unkostenbeitrag.

„Wir treffen uns wöchentlich, außer in den Ferien, und jedes Aktmodell wird nicht öfter als zwei- bis dreimal pro Jahr gebucht“, legt Michael Ladenthin großen Wert auf Vielfalt. „Wir zeichnen weibliche wie männliche Modelle, dicke und dünne, mit oder ohne Tattoos“, so der Künstler, dessen Lieblingsmodell eine sehr dicke Frau ist. Die Modelle müssen die jeweiligen Posen drei, fünf oder auch mal zehn Minuten halten - bis die Eieruhr das akustische Signal zum Lockern gibt. Je unerfahrener das Modell, desto einfacher die Position, die es einnehmen soll.

An Modellen bestehe derzeit kein Mangel, auch wenn sich früher oft wenig Männer gemeldet hätten. Ladenthin: „Manchmal zeichnen wir Tänzer der Folkwang-Hochschule, die wissen, wie sie posieren müssen. Manchmal bewerben sich auch Frauen, die stark abgenommen haben und so ihr neues Selbstbewusstsein zeigen.“

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