„Ackerhelden“ - Junges Gemüse auf dem Bio-Markt

Jung-Unternehmer trifft junges Gemüse: Tobias Paulert (l.) und Birger Brock mit Bio-Zwiebeln, die bald in Mönchengladbach gedeihen.
Jung-Unternehmer trifft junges Gemüse: Tobias Paulert (l.) und Birger Brock mit Bio-Zwiebeln, die bald in Mönchengladbach gedeihen.
Foto: WAZ FotoPool
Mit „Ackerhelden“ wollen die Neugründer Birger Brock und Tobias Paulert den Bio-Anbau von Rüttenscheid aus bundesweit für jeden ermöglichen. Um ihr grünes Hobby zum Beruf zu machen haben die beiden 37-Jährigen aus Rüttenscheid und dem Südviertel ihre bisherigen Karrieren an den Nagel gehangen.

Essen-Rüttenscheid.  Mit einer Tüte Bio-Milch und Öko-Keksen unterm Arm öffnet Birger Brock die schwere Holzpforte an der Kunigunda­straße. Dahinter verbirgt sich die Keimzelle des von ihm und Kumpel Tobias Paulert gegründeten Start-Up-Unternehmens „Ackerhelden“ – wobei Keimzelle wörtlich zu verstehen ist. Unzählige Kisten junger Bio-Zwiebeln warten im Eingang darauf, demnächst in Mönchengladbacher Boden gepflanzt zu werden. Im Juni beginnt die Saison des jungen Unternehmens, das mitten aus dem Ruhrgebiet heraus den Bio-Anbau deutschlandweit für jedermann ermöglichen will.

Bezug zu Lebensmitteln verbessern

Mit ihrer Idee, im gesamten Bundesgebiet zertifizierte Bio-Äcker von Bauern zu pachten und teils vorbepflanzt an Hobbygärtner weiter zu vermitteln, wollen die beiden 37-Jährigen auf den grünen Ast aufspringen, der in immer mehr deutschen Küchen an Bedeutung gewinnt. „Wir möchten wieder den emotionalen Bezug zu regionalen und saisonalen Lebensmitteln herstellen. Zudem ist die Eigenernte natürlich ein Zeichen gegen die Massenproduktion, bei der man nicht mehr genau weiß, was eigentlich drin ist“, fasst Tobias Paulert die Idee zusammen.

Saisonstart ist auf drei Ackerflächen in Berlin, Bremerhaven und Mönchengladbach, ab 2014 sollen Essen und weitere Standorte von Kiel bis nach Freiburg hinzu kommen. Auch Neueinsteigern soll die Eigenernte erleichtert werden: Saatgut, Gartengeräte, Bewässerung, Rezept- und Pflegetipps sowie einen Kräutergarten, aus dem sich alle „Ackerhelden“ bedienen können, kaufen Interessenten mit, wenn sie sich für 248 Euro pro Saison eine 40 Quadratmeter große Parzelle mieten. Mit dem Ertrag komme eine drei- bis vierköpfige Familie locker aus, schätzt Brock. Bei mehr hungrigen Mäulern wird die Parzelle noch in doppelter Größe angeboten.

„Gerade hier hat die Selbstversorgung immer eine große Rolle gespielt“

Die nötige Expertise wollen Paulert und Brock neben der eigenen Erfahrung im Hobby-Gärtnern auch durch eine Kooperation mit dem Fachbereich ökologischer Landbau der Uni Kassel sicherstellen, der die „Ackerhelden“ und ihre Kunden begleitet. Dass ausgerechnet das industriell geprägte Ruhrgebiet ein guter Standort für ihr Unternehmen ist, davon sind die Jung-Unternehmer, die in Rüttenscheid und dem Südviertel wohnen, überzeugt: „Gerade hier hat die Selbstversorgung immer eine große Rolle gespielt. Früher hatten die Arbeiter fast alle einen eigenen Garten, aus dem sie ihre Familie nahezu komplett versorgt haben“, sagt Tobias Paulert.

Seinen Geschäftspartner kennt er schon seit der Schulzeit am Gymnasium Überruhr. Dort pflegten sie gemeinsam den Schulgarten mit 70 Obstbäumen. „Den grünen Daumen hatten wir immer. Ihn auch beruflich zu nutzen, ist uns erst später in den Sinn gekommen“, sagt Brock, der vor Unternehmensgründung Ende 2012 im Marketing bei den Stadtwerken Duisburg arbeitete. Tobias Paulert zog für die „Ackerhelden“ einen Schlussstrich unter seine Karriere als Ausbildungsleiter bei Runners­Point. „Wir wollten immer gemeinsam etwas auf die Beine stellen“, sagt Brock, der seit 2006 mit seiner Familie eine Gartenparzelle auf dem Bio-Hof von Günter Maas in Fischlaken bewirtschaftet.

Bei all der grünen Leidenschaft räumt Paulert mit einem Klischee auf: „Ökos im klassische Sinne sind wir nicht - dagegen spricht schon, dass wir beide ein iPhone besitzen. Wichtig ist, mit kleinen Schritten etwas zu bewegen.“

 
 

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