100 Jahre Glaubensarbeit

Zum Jubiläum gab es einen Festgottesdienst in Rellinghausen.
Zum Jubiläum gab es einen Festgottesdienst in Rellinghausen.
Die neuapostolische Kirche in Rellinghausen feierte ihr 100-jähriges Bestehen und lud die Nachbarn zum Tag der offenen Tür ein. Die Gemeinde will sich künftig stärker öffnen.

Rellinghausen.  Vor genau 100 Jahren hat sich die neuapostolische Kirche (NAK) in Rellinghausen gegründet. Doch was sie genau ausmacht, Neuap das wissen außerhalb der eigenen Gemeinde nur wenige. Grund genug also, nicht nur das Jubiläum zu feiern, sondern auch die Nachbarn zu einem Tag der offenen Tür zum Riesweg einzuladen.

„Wir möchten das Bild einer abgekapselten Gemeinschaft geraderücken, das in den letzten Jahrzehnten entstanden ist“, sagt Gemeindevorsteher Ladislaus Schrempf. Und so warten nicht nur Würstchen, Waffeln und Kinderspiele, sondern auch eine Fotoausstellung und jede Menge Literatur auf die Besucher. Knapp 200 Mitglieder zählt die NAK mittlerweile in Rellinghausen. Dass fast die Hälfte von ihnen jeden Sonntag im Gottesdienst sitzt, macht Schrempf stolz: „Dieser hohe Anteil zeigt, wie gut das Zusammenleben hier in unserer Gemeinde funktioniert.“ So beginne die seelsorgerische Betreuung schon bei den Grundschülern und setze sich bis ins hohe Alter fort. Außerdem träfen sich Kinder, Jugendliche und Senioren regelmäßig zu gemeinsamen Unternehmungen.

Doch auch die Neuapostolische Kirche muss sich mit schwindenden Mitgliederzahlen auseinandersetzen. In ihrer Blütezeit Ende der 1940er Jahre war die Gemeinde fast dreimal so groß wie heute. „Nach der Gründung im Jahr 1912 gab es einen rasanten Zuwachs an Mitgliedern“, erklärt Schrempf. „Das lag vor allem daran, dass viele Leute wegen des Bergbaus hierhin gezogen sind. Als die Zechen dann dicht gemacht haben, sind sie wieder weggegangen.“ Martin Hoyer, der Leiter des NAK-Bezirks Essen, nickt: „Wir hatten einen Aderlass, das kann man nicht wegdiskutieren. Noch vor sechs Jahren hatten wir 20 Gemeinden in der Stadt, nach Zusammenlegungen sind es jetzt noch zwölf.“

Umso wichtiger sei der rege Austausch innerhalb der Gemeinden. Und nicht nur das: „Wir haben auch die Vertreter der evangelischen und katholischen Kirche zu unserem Fest eingeladen“, berichtet Schrempf. „Natürlich gibt es Unterschiede“, räumt er ein. „Doch es gibt auch viele Gemeinsamkeiten“, betont er, „die Basis ist Jesus Christus.“ Gegenseitige Akzeptanz statt Abgrenzung, das sei sein Verständnis von Ökumene, so Schrempf. Sein Appell scheint Gehör gefunden zu haben: Pastor Hermann Josef Kurzenacker von der katholischen Pfarrei St. Lambertus ist vorbeigekommen, der sogleich Pfarrer Olaf Deppe entschuldigt: Er sei im Urlaub. „Wir waren etwas überrascht über die Einladung der Neuapostolischen Kirche“, sagt Kurzenacker. Bisher hätten die Gemeinden praktisch ohne Kontakt nebeneinander her gelebt.

Die Neuapostolische Kirche ist die viertgrößte christliche Glaubensgemeinschaft in Deutschland. Sie zählt nach eigenen Angaben 360 000 Mitglieder, von denen mehr als 87 000 in NRW leben. Die zwölf Essener Gemeinden haben insgesamt 3500 Mitglieder. Ihren Ursprung hat die NAK in den Erweckungsbewegungen zu Beginn des 19. Jahrhunderts in England und Schottland: Aus Gebets- und Bibelkreisen entstand die „Allgemeine christlich apostolische Mission“, die später „Neuapostolische Gemeinde“ hieß und seit 1930 den heutigen Namen „Neuapostolische Kirche“ trägt.

Bisher hatte die NAK in Rellinghausen wenig Kontakt mit anderen Gemeinden vor Ort. „Deswegen wollte ich mir mal ein Bild machen, was hier los ist“, sagt Pastor Hermann Josef Kurzenacker von der katholischen Pfarrei St. Lambertus. Im Grunde wisse er nämlich so gut wie gar nichts über seine Nachbarn.

Dabei gibt es zum Beispiel beim Thema Jugendarbeit durchaus Gemeinsamkeiten. „Unsere Bespaßungskonzepte sind gnadenlos gescheitert“, so NAK- Bezirksleiter Martin Hoyer. „Wenn Jugendliche in die Kirche gehen, möchten sie dort über ernsthafte, aktuelle Glaubensfragen diskutieren, wie etwa Sterbehilfe oder künstliche Befruchtung.“ Kurzenacker nickt. „So ist das auch bei uns.“

 
 

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