Studierende und Senioren entwickeln Technik für Opa und Oma

Andrea Böhnke
Studentin Lena Sieger (Mitte) erklärt Dorit Lentföhr (links) und Arno Offermann (rechts) das von ihr entwickelte Projekt Meco.
Studentin Lena Sieger (Mitte) erklärt Dorit Lentföhr (links) und Arno Offermann (rechts) das von ihr entwickelte Projekt Meco.
Foto: Essen
Studierende der Folkwang Universität haben mit Senioren Produkte entwickelt, mit denen auch die Generation 70 Plus etwas anfangen kann.

Essen. Computer, Smartphone, Tablet – für viele heute ganz normal. Für die Generation 70 Plus sind diese technischen Geräte oft jedoch eher eine Hürde als eine Hilfe. „Das Ruhrgebiet altert. Gleichzeitig werden die Produkte immer jünger und flippiger – das harmoniert nicht“, sagt Carolin Schreiber, Professorin an der Folkwang Universität. Es brauche Produkte, die wirklich für Ältere gemacht sind.

Im vergangenen Sommersemester hat Schreiber die Studierenden des Industrial Designs damit beauftragt, solche Produkte zu entwickeln. „Wir haben verschiedene Orte festgelegt: Küche, Wohnzimmer, Arbeitszimmer, Auto. Zu den einzelnen Themen haben sich dann Gruppen gebildet“, erklärt Schreiber. Wichtig war ihr, dass die Zielgruppe – die Senioren – einbezogen werden. Jeder Studierende hat daher mit einem Senioren zusammengearbeitet. „Das Projekt sollte unbedingt partizipativ sein“, so Schreiber. „Die Senioren sollten die Produkte aktiv mitgestalten dürfen. Sie sollten nicht nur beratend tätig werden, sondern echte Co-Designer sein.“ Die Ergebnisse haben die Studierenden nun in einer Ausstellung im Sanaa-Gebäude auf Zollverein präsentiert.

Minidrucker im Retrodesign

Eine von ihnen ist Lena Sieger. Für ihr Projekt wählte sie den Ort Küche. „Weil die Küche ein wichtiger Ort im eigenen Zuhause ist“, erklärte die junge Studentin während ihrer Präsentation. Die Senioren sehen das ähnlich, wie Lena Sieger im Gespräch mit der 74-jährigen Dorit Lentföhr herausfand. „Die Küche ist auf jeden Fall unser Kommunikationszentrum“, sagte Lentföhr in einem Workshop. In einem nächsten Schritt teilte Sieger die Küche in drei verschiedene Bereiche ein: Wohlfühlen, Ordnung, Kommunikation. „Die Idee war, eine Pinnwand zu entwickeln, auf der Nachrichten, Infos, Bilder, Notizen und Termine Platz haben.“

Herausgekommen ist „Meco“: eine Wortkombination aus Memo (also Merkzettel) und Communication (Kommunikation). Meco ist ein Minidrucker, der Infos in Form von Daten empfängt und diese auf Papier bringt. Die Daten – das können etwa Fotos oder Kurznachrichten von Familienmitgliedern sein, die diese über eine App an den Drucker schicken. Der Minidrucker im Retrodesign spuckt diese aus und Oma und Opa können sie in Form von kleinen Zetteln an ihre Pinnwand heften. Das ist dann wieder ein bisschen früher.

Folkwang Universität lädt alle Erstsemester zum „Kick Off“

Die junge Frau wollte etwas entwickeln, das die Senioren technisch nicht überfordere. Gleichzeitig sollten es die bedienen können, die sich damit auskennen: Tochter, Sohn, Enkel. „Es sollte auch auf jeden Fall auch etwas Haptisches sein“, sagt Sieger. Was die Senioren anfassen könnten, löse Emotionen aus.

Der Fachbereich Gestaltung der Folkwang Universität lädt alle Erstsemester zum „Kick Off“ am Dienstag, 20. Oktober. Bachelor-Studenten werden um 10, Master-Studenten um 11 Uhr begrüßt (Uni Duisburg-Essen). Ab 14 Uhr gibt es ein Speed-Dating mit allen Professoren im Saana-Gebäude auf dem Gelände von Zeche Zollverein.