„Stopp des Personalabbaus. Jetzt!“

Marcus Schymiczek

Eine Grugahalle voll bis unters Dach - das gab’s bei Herbert Grönemeyer und bei Deep Purple. Gestern sorgten die Beschäftigten der Stadt und ihrer Töchter für ein fast volles Haus. Auch wenn einige Stühle leer blieben, war diese erste konzernübergreifende Beschäftigtenversammlung das Signal, das sich die Personalvertretung davon erhofft hatte. Eine Versammlung, an deren Ende eine Resolution stand: „Stopp des Personalabbaus in Essen und anderen Kommunen. Jetzt!“

Der eingeschlagene Sparkurs hinterlässt Spuren. 690 Vollzeitstellen in der Verwaltung sollen bis Ende 2015 abgebaut werden; jede zweite freiwerdende Stelle wird nicht mehr besetzt. Der Arbeitsdruck steigt. Dass der Krankenstand in der Kernverwaltung bei knapp zehn Prozent liegt, kommt aus Sicht der Personalvertretung nicht von Ungefähr.

Da mag es der ein oder andere als enttäuschend empfunden haben, dass Oberbürgermeister Reinhard Paß, wie Teilnehmer berichten, nicht in die Rolle des fürsorglichen Dienststellenleiters schlüpfte. Paß, in seinem früheren Arbeitsleben lange Jahre selbst Betriebsrat bei der DMT, ließ in seinem Grußwort vielmehr keinen Zweifel daran, dass es zum Sparkurs keine Alternative gebe, wolle die Stadt ihre Selbstverwaltung bewahren. Paß hielt es sich zugute, den Ratsbeschluss gar 1000 Stellen abzubauen, nicht umgesetzt zu haben - was auch nicht erforderlich war, weil der einzusparende Betrag von rund 32 Millionen Euro erreicht ist. Aber Klappern gehört auch für einen OB zum Handwerk.

Paß erinnerte auch an die Zusage, wonach betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen sind. Im selben Atemzug forderte der OB von den Beschäftigten der Verwaltung und der städtischen Gesellschaften erhöhte Flexibilität ein. Diese dürfte vonnöten sein, sollte sich der Personalstand so entwickeln, wie es sich durch die demografische Entwicklung abzeichnet. Bis zum Jahr 2020 wird jeder dritte Stadtbeschäftigte aus Altersgründen ausscheiden. Für Gastredner Frank Bsirske, Bundesvorsitzender der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, ist es deshalb für die Stadt angezeigt, Personal einzustellen statt abzubauen. Immerhin: Im Vergleich zu 2011 wird die Stadt die Zahl der Auszubildenden zumindest in der Verwaltung mehr als verdoppeln.

Was die Sparbemühungen angeht: Aus eigener Kraft wird es die Stadt nicht schaffen, von dem Schuldenberg in Milliardenhöhe herunter zu kommen. Bsirske nahm Land und Bund in die Pflicht und forderte höhere Steuern für Superreiche. Ob der Appell fruchtet? Nach zwei Stunden blieb für die Mitarbeiter zumindest das gute Gefühl, nicht alleine gelassen zu werden mit den eigenen Sorgen.