Stiller Abschied vom Schubertbund

Über 100 Männerstimmen umfasste der Schubertbund 1965, der sich bei einer Konzertreise vor dem Capitol in Washington fotografieren ließ. Zuletzt hatte der Spitzenchor nur noch 38 Mitglieder.
Über 100 Männerstimmen umfasste der Schubertbund 1965, der sich bei einer Konzertreise vor dem Capitol in Washington fotografieren ließ. Zuletzt hatte der Spitzenchor nur noch 38 Mitglieder.
Foto: WAZ
Der deutschlandweit bekannte Männerchor löst sich im 90. Jahr seines Bestehens sang- undklanglos auf. Alle Bemühungen, neue starke Stimmen zu gewinnen, scheiterten

Seine Konzertreisen führten bis nach Ägypten, Philippinen, Amerika, Japan und Usbekistan, er erhielt internationale Preise und Auszeichnungen, füllte Jahrzehnte lang die Konzertsäle in ganz Europa und in der Stadt: Der Schubertbund gehört sicherlich zu den renommiertesten Männerchören Deutschlands. Jetzt löst sich der Chor im 90. Jahr seines Bestehens auf.

„Die Mehrheit der Mitglieder hat sich dafür entschieden, den Schubertbund (...) ohne ein weiteres Konzert aufzulösen“, heißt es auf der Homepage des Chores lapidar. „Uns ist es einfach nicht gelungen, neue Stimmen zu werben“, sagt Geschäftsführer Norbert Stevens, „und wir hatten einfach auch zu viele altersbedingte Abgänge“. Besonders der 1. Tenor sei zuletzt so schwach besetzt gewesen, dass kein guter Chorklang mehr zustande kommen konnte. Selbst mit Gastsängern war die Lücke nicht mehr zu schließen. „Wir konnten unsere eigenen, hohen Ansprüche nicht mehr erfüllen.“ Und so blieb nur noch der Abschied. Ein Abschied auf Raten, der sich schon länger anbahnte.

Denn in dem Maße, wie die aktiven Sänger weniger geworden sind, sei auch das Publikum des Schu-bertbundes geschrumpft. Konnte der Männerchor noch im April 2008 mit einem Opernkonzert die Philharmonie füllen, brachen in den Jahren danach die Besucherzahlen drastisch ein. „Früher konnten wir uns von den Einnahmen unseres Hauptkonzertes im Saalbau, später Philharmonie, ein ganzes Jahr lang finanzieren.“

Der Sängerschwund sei auch der hohen Qualität geschuldet, der sich der Schubertbund verpflichtet fühlte. „Wir sind eben kein Allerwelts-Männerchor.“ So sei die Hemmschwelle für potenzielle Einsteiger sehr groß, „viele denken, der Schu-bertbund ist zu gut, da trau ich mich nicht rein“. Auch der Versuch vor knapp fünf Jahren, einen Knabenchor zu gründen, um den eigenen Nachwuchs auszubilden, scheiterte. Einzelne Vorschläge aus den Reihen der Sänger, das Repertoire radikal zu erneuern, um junge Mitglieder zu gewinnen, wurden von der Mehrheit des Konzertchores nicht gebilligt. „Wir wollten eben nicht einer unter vielen Männerchören sein.“ Und so wurde auch der Gedanke, vielleicht in kleinerer Besetzung mit einem anderen Chorleiter weiterzumachen, schnell verworfen.

Was bleibt? Erinnerungen an einen außergewöhnlichen Traditionschor, der das Kulturleben der Stadt über Jahrzehnte bereicherte. Und dessen sang- und klangloser Abschied viele treue Freunde des Schubertbundes ratlos und traurig zurücklässt.

 
 

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