Stephanie Schönfeld liebt das Spiel auf Augenhöhe

Intensiver Blick, eindringliche Stimme: Stephanie Schönfeld, das neue Ensemblemitglied am Schauspiel Essen, erarbeitet sich „Verbrennungen“.Foto:Jörg Schimmel
Intensiver Blick, eindringliche Stimme: Stephanie Schönfeld, das neue Ensemblemitglied am Schauspiel Essen, erarbeitet sich „Verbrennungen“.Foto:Jörg Schimmel
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Ihr Gesicht ist bekannt aus dem Filmhit „Sommer vorm Balkon“. Derzeit probt die neue Grillo-Schauspielerin Stephanie Schönfeld für „Verbrennungen“.

Essen.. Was sie als Schauspielerin erreichen möchte, hat sich Stephanie Schönfeld anfangs nicht gefragt. Sie wollte es nur werden. Die familiäre Prägung von Tante Swetlana Schönfeld, die heute zum Berliner Ensemble gehört, setzte sich nach und nach durch. „Es wurde zu einem Lebenszustand, mich mit der Welt und Menschen auseinanderzusetzen“, sagt die gebürtige Berlinerin. Theater-AG im DDR-Schulsystem, freie Gruppe in Kreuzberg und zur Ausbildung landete sie an der renommierten Ernst-Busch-Hochschule.

Die erste Verpflichtung in Cottbus bescherte ihr zugleich den Zugang zu Film und Fernsehen. Entdeckt von Andreas Dresens Mutter, Barbara Bachmann, erhielt sie die Rolle der Kneipenbedienung Tina in dessen erfolgreicher Komödie „Sommer vorm Balkon“. Damit lernte sie nicht nur Dresens präzise Arbeitsweise kennen. „Das war der Türöffner in die Branche“, so die 36-Jährige, die neben den Engagements kontinuierlich vor der Kamera stand - als Geliebte in „Haus und Kind“ von Andreas Kleinert, als Soldatin im „Polizeiruf 110 - Zapfenstreich“ von Christoph Stark oder als Rechtsmedizinerin im Leipziger „Tatort“. Studentenfilme wie „Narrenspiel“ und „Teenage Angst“ streicht sie gerne heraus, „weil man Zeit hat, die Stoffe zu entwickeln“. Meist sei es jedoch ein flüchtiges Geschäft.

"Es ist toll, miteinander einen Weg zu gehen"

Deshalb liegt ihr die Bühne so am Herzen und selbst ein Jahr ohne Drehtag macht ihr keine Angst. „Der Beruf bietet genug andere Herausforderungen.“ In Leipzig war es mit der Elisabeth in Wolfgang Engels „Don Karlos“ eine politisch denkende Frau, in Stuttgart die beeindruckende Begegnung mit Autor und Regisseur Jan Neumann bei „Fundament“, in Freiburg „Daniel Stein“ in der Inszenierung von Thomas Krupa, der ihr zeigte, wie man als Gruppe eine Geschichte erzählt. „Wenn ein Ensemble zueinanderfindet, kann man sehr viel erreichen“, erklärt die Schauspielerin und dass sie nicht mehr in Haupt- und Nebenrollen denke.

Die ihr vertrauten Regisseure Krupa, Engel, Lauterbach und Lösch haben sie an das Schauspiel Essen geführt. „Es ist toll, miteinander einen Weg zu gehen“, lautet denn auch die Begründung ihrer künstlerische Entscheidung, für die sie nun zum Herzallerliebsten nach Freiburg pendeln muss. Zum Auftakt blieb sie in „Die Odyssee“ und „Die lächerliche Finsternis“ noch unauffällig. Aber eine präsentere Aufgabe pro Spielzeit erhofft sie sich schon. „Verbrennungen“ könnte das sein: „Da habe ich die Möglichkeit, etwas mehr von mir zeigen.“

Folter und Krieg

Stephanie Schönfeld verkörpert in Wajdi Mouawads komplexem Stück neben Ines Krug das Bürgerkriegsopfer Nawal, das durch Gewaltexzesse eine Tragödie antiken Ausmaßes erlebt und ihre Kinder auf die Suche nach ihrer Vergangenheit schickt. „Ich spiele Nawal als junge Frau und politische Aktivistin, die mit einem humanitären Ansatz kämpft, bis sie ins Gefängnis kommt. Es ist eine unglaublich facettenreiche Figur“, berichtet sie.

Sehr ausführlich habe sie sich darauf vorbereitet - mit Werken über Folter und Krieg wie Jean Genets „Vier Tage in Chatila“ oder Joshua Oppenheimers Film „The Act of Killing“. Was sie damit erreichen möchte, weiß sie genau: „Ich will nicht weniger wissen als der Regisseur und ihm auf Augenhöhe begegnen können.“

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