Steeler Weihnachtsmarkt startete mit 17 alten Holzbuden

Michael Heiße
Premiere auf dem Kaiser-Otto-Platz in Steele: So sah der erste Steeler Weihnachtsmarkt der Nachkriegsgeschichte aus.
Premiere auf dem Kaiser-Otto-Platz in Steele: So sah der erste Steeler Weihnachtsmarkt der Nachkriegsgeschichte aus.
Foto: Initiativkreis City Steele
  • Erfolgsgeschichte der wichtigsten Steeler Veranstaltung begann vor genau 40 Jahren
  • Stadtteilsanierung gilt als Initialzündung für die Gründung des Weihnachtsmarktes
  • Weihnachtsklassiker gilt als besonders attraktiv für KInder und lockte zur Eröffnung 100 000 Gäste an

Essen-Steele.  Vor 40 Jahren begann die Erfolgsgeschichte des Steeler Weihnachtsmarktes. An die Premiere im November 1977 können sich aber wohl nur noch alteingesessene Steelenser erinnern. Wie also war das damals, zu Zeiten der Stadtteilsanierung? Wir haben nachgefragt bei dem, der es wissen muss: Marktbegründer Léon Finger.

Steele in den 1970er-Jahren: Der Umbau des Stadtteils ist in vollem Gange. Viele alte Häuser fallen der oft rigiden Stadtplanung zum Opfer, die auch vor dem Kaiser-Otto-Platz nicht Halt macht. „Früher befand sich dort der Verkehrsplatz“, erinnert sich Léon Finger. „Doch als ich in Steele ankam, waren Bus und Bahn längst zum Steeler Bahnhof ausgelagert worden.“ Nur Autos verkehrten noch immer auf dem Platz, der lange Zeit als pulsierendes Herz des Stadtteils galt.

Wertheim als Kundenmagnet

Hier trafen sich viele Menschen. „Viele Umsteiger ließen sogar die Essener Innenstadt links liegen.“ Auch deshalb, weil Wertheim am Kaiser-Otto-Platz mächtig Kunden zog. Das Warenhaus hatte mit viel Tamtam im Jahr 1972 in Steele eröffnet, später legten die Investoren noch ein Parkhaus nach, dem weitere historische Bebauung an der Humannstraße zum Opfer fiel.

Vom damaligen Einkaufsboom profitierten natürlich auch die Einzelhändler, aber auch Banken und Apotheken rund um den Kaiser-Otto-Platz. Doch mit jedem Stein, der in Steele bewegt wurde, änderte sich dies. Dies merkte Léon Finger schnell. Der damals 29-jährige Jungunternehmer hatte das elterliche Herrenbekleidungsgeschäft an der Friedrich-Ebert-Straße in der Essener City verlassen, um auf eigenen Füßen zu stehen. „Doch mir war klar, dass wir die Steeler Mitte beleben mussten. Trotz der neuen Fußgängerzone Hansastraße.“

Händler beschenkten Kunden mit lebendigen Gänsen

Wie richtig Léon Finger damit lag, sollte sich bald erweisen. Wertheim gab im Februar 1979 auf – gescheitert an den zahlreichen Konkurrenten, die wie Pilze aus dem Boden schossen. Gut, dass Finger schon zwei Jahre zuvor einige Händler des Steeler Werberings und später die Steeler Bürgerschaft für seine Idee eines Weihnachtsmarktes begeistern konnte. „Bis zu diesem Zeitpunkt waren die Händler zur Weihnachtszeit mit einer Karre voller lebender Gänse durch das Quartier gezogen“, erinnert er sich. „Und die Kundschaft wurde in ausgesuchten Geschäften mit dem Federvieh beschenkt.“

Da verfolgte Finger ehrgeizigere Pläne. Aus 40 ausgedienten Buden des Essener Weihnachtsmarktes wurden in Windeseile und mit viel Schweiß 17 brauchbare Hütten zusammengezimmert. Dazu ein Fahrgeschäft für die Kinder, etwas lokale Musik – fertig war der erste Weihnachtsmarkt der Steeler Nachkriegsgeschichte.

Musikprogramm mit Schlagern kam erst Ende der 1980er-Jahre

Doch aller Anfang war schwer: Zwar wurde der Markt gut angenommen, doch um Strahlkraft über die Grenzen Steeles hinaus zu entwickeln, musste die Veranstaltung wachsen. „Die Frage war, wie wir gegen den Markt in der Essener City bestehen können“, sagt Finger und setzte auf die Karte Kinderfreundlichkeit. Die sticht bis heute: Mittlerweile zählt der Steeler Weihnachtsmarkt sechs Fahrgeschäfte und über 60 Aufbauten. Zum Jubiläumsstart kamen 100 000 Gäste.

Das opulente Musikprogramm folgte erst Ende der 1980er-Jahre, als Siggi Arden, damals Präsident des Berufsverbandes Discjockey, den Ton angab und Schlagerstars wie Jürgen Drews und Irene Sheer nach Steele lotste. Stadtobere wie Hanns Sobek (CDU) und OB Peter Reuschenbach (SPD) ließ Finger in der Pferdekutsche fahren. Reuschenbachs Nachfolgerin Annette Jäger kam mit dem Hundeschlitten. „Auf Kufen, ohne Schnee“, schmunzelt Finger. „Die Fahrt war sicher nicht sehr bequem.“

Nikolaus landete früher mit dem Helikopter auf dem Dreiringplatz

Der Nikolaus schwebte per Helikopter auf dem Dreiringplatz ein, was aus Sicherheitsgründen untersagt wurde. Nun landet er auf den Ruhrwiesen. Doch manches Projekt schlug fehl: „Die Weihnachtsgeschichte, die wir auf eine Hauswand projizierten, wurde kaum wahrgenommen. Aber wir lassen uns immer etwas Neues einfallen“, verspricht Léon Finger, der noch lange nicht ans Aufhören denkt.