Essen

Essener von rechtsextremen „Steeler Jungs“ ins Gesicht geschlagen? Schwere Vorwürfe gegen Polizei

Polizeiaufgebot vor einigen Monaten in Essen-Steele: Regelmäßig marschieren die rechtsextremen "Steeler Jungs" durch den Stadtteil und begeben sich anschließend in eine Sportbar in der Westfalenstraße.
Polizeiaufgebot vor einigen Monaten in Essen-Steele: Regelmäßig marschieren die rechtsextremen "Steeler Jungs" durch den Stadtteil und begeben sich anschließend in eine Sportbar in der Westfalenstraße.
Foto: JB

Essen. Der Facebook-Post ist nicht weniger als ein Brandbrief, adressiert an die Essener Polizei. „Mut machen - Steele bleibt bunt“ heißt der Absender, eine Initiative, die sich als Gegenentwurf zu den rechtsextremen „Steeler Jungs“ versteht.

Deren Erscheinungsbild „ist martialisch und strahlt Gewaltbereitschaft aus“, schreiben die Initiatoren in dem offenen Brief über die selbst ernannte Bürgerwehr. Nach Einschätzung der Polizei stammen die Mitglieder der „Steeler Jungs“ vornehmlich aus rechtsextremen Kreisen und aus der Hooligan-Szene. Die Gruppierung verbreite durch ihr Auftreten Unsicherheit und Angst, heißt es in dem Facebook-Post von „Steele bleibt bunt“.

„Steeler Jungs“ schlugen angeblich Essener Bürger

„Wir wollen keine Bürgerwehr“, sagt Irene Wollenberg von der Initiative, bei der inzwischen rund 40 Steeler Bürger mitmachen. Jede Woche treffen sie sich auf dem Kaiser-Otto-Platz - dort, wo ebenfalls die „Steeler Jungs“ aufmarschieren: „Wir stehen auf der einen Seite, die auf der anderen.“

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So auch am 18. Oktober. Was laut der Intitative dann passierte, klingt in der Tat besorgniserregend: Demnach „lief eine Gruppe der selbst ernannten 'Steeler Jungs' auf einige Teilnehmer der Versammlung zu und pöbelte sie an. Diese zogen sich in Richtung der anwesenden Polizeibeamten zurück, um Schutz zu suchen. Im Vorbeilaufen schlug eine Person aus der Gruppe der selbst ernannten 'Steeler Jungs' einen Versammlungsteilnehmer ins Gesicht und boxte ihn in den Bauch, so dass er rücklings gegen eine Hecke fiel.“

„Staat gibt Gewaltmonopol in Hände von Hooligans“

Die Vorwürfe gegen die anwesenden Polizieibeamten, die dann folgen, sind schwer: „Obwohl die anwesenden Polizeibeamten (...) lautstark auf das Geschehen aufmerksam gemacht wurden, blickten sie weg, schritten nicht ein und behaupteten hinterher, nichts gesehen zu haben.“

Für die rechte Gruppe sei das ein Signal, „sich unter den Augen der Polizei mit Gewalt Raum im Stadtteil verschaffen zu können.“ Für alle anderen indes bedeute es, „dass die staatlichen Organe ihr Gewaltmonopol an eine Gruppe von Hooligans abgeben“. Harte Worte.

Essener Polizei: „Wir bereiten das auf“

Bei der Essener Polizei sind die Vorwürfe bekannt. „Wir haben das intern untersucht und können das, was die Initiative schildert, nicht bestätigen“, so eine Sprecherin der Essener Polizei gegenüber DER WESTEN.

Einer der Beamten habe tatsächlich gehört, dass ein Beteiligter gerufen habe, er sei von einem der „Steeler Jungs“ verletzt worden. „Die Kollegen haben aber keinen Angriff gesehen“, so die Polizieisprecherin weiter.

„Wir wollen diese Leute nicht mehr“

Man habe den mutmaßlich Geschädigten angesprochen, ihn gefragt, ob er Anzeige erstatten wolle. „Das hat er verneint, uns liegt keine Anzeige wegen Körperverletzung vor.“

Irene Wollenberg von der Initiative „Steele bleibt bunt“ bestätigt das. „Der Mann ist meines Wissens auch nicht ernsthaft verletzt worden“, sagt sie. Dennoch sei es eine bedrohliche Situation gewesen. „Wir wollen diese Leute nicht mehr in unserem Stadtteil“, sagt sie. „Die Geschichte hat uns gezeigt, was passiert, wenn solche Leute drohend durch die Straßen laufen und das Gewaltmonopol an sich reißen wollen.“ Und weiter: „Wir lassen uns nicht einschüchtern und werden uns weiterhin auf dem Kaiser-Otto-Platz treffen.“

 
 

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