Staub und Zuversicht auf der Zeche Carl

Jennifer Schumacher
Freut sich auf den Abschluss der Bauarbeiten im Casinogebäude: Kornelia Vossebein, Geschäftsführerin der Auf Carl gGmbH. Mitte des Jahres soll die Sanierung abgeschlossen  sein.
Freut sich auf den Abschluss der Bauarbeiten im Casinogebäude: Kornelia Vossebein, Geschäftsführerin der Auf Carl gGmbH. Mitte des Jahres soll die Sanierung abgeschlossen sein.
Foto: WAZ FotoPool
Die umfangreichen Sanierungsmaßnahmen im Casino-Gebäude stellen die noch junge Auf Carl gGmbh vor große Herausforderungen. Durch den Bau mussten viele Kurse abgesagt werden, das Restaurant ist seit August geschlossen. Die Arbeiten sollen Mitte des Jahres abgeschlossen sein.

Essen. Man könnte fast den Eindruck gewinnen, Geschäftsführerin Kornelia Vossebein sei die geborene Bauleiterin, wenn sie durch Unmengen an Staub spaziert und dabei über ein komplett saniertes Stromnetz, die neue Versammlungsstätten-Verordnung, doppelt verglaste Fenster und den Denkmalschutz plaudert. Dabei stellen die Bauarbeiten Kornelia Vossebein und ihr Team der noch jungen Auf Carl gGmbH seit gut einem Jahr vor große Herausforderungen.

Ihre Büros haben sie übergangsweise im benachbarten Badehaus bezogen, während im Casino-Gebäude nebenan kein Stein auf dem anderen bleibt. Bildlich gesprochen – denn angefangen bei den typisch gelben Kacheln an den Wänden über das original Fischgrät-Eichenparkett der ehemaligen Turnhalle bis hin zu den – leider einfach verglasten -- Fenstern: Der Denkmalschutz steckt in der Zeche Carl im Detail.

Restaurant Malakow auf Zeche Carl musste geschlossen werden

„Bauen im laufenden Betrieb. Das müsste bei uns umgekehrt heißen“, sagt Vossebein und lacht. Danach war ihr in den vergangenen Monaten nicht immer zu Mute. Viele Kurse mussten wegen der massiven Sanierung abgesagt werden. Eine doppelte Belegung mit zugkräftigen Künstlern war ebenfalls kaum drin. Als letztes musste das Restaurant Malakow, an dem die Zeche Carl durch umsatzgebundene Pachteinnahmen mitverdient, im August für den Umbau geschlossen werden.

Dort blitzt dem Besucher in der Küche mittlerweile blank polierter Edelstahl entgegen. Anfang Februar, so die bisherige Planung, soll zumindest der Schankbereich wieder öffnen, wenig später geht es auch am Herd wieder heiß her.

Sorgen hatte den Planern anfangs vor allem das Dach des Casino-Gebäudes bereitet. Auch die Stahlträger wurden bemängelt, mussten zu rund 80 Prozent verstärkt oder ganz ausgetauscht werden. Besondere Schwierigkeit: „Eine Million Euro hat die Stadt für den Umbau aus Mitteln des Konjunkturpakets II bereit gestellt.

Baukosten liegen noch im abgestecken Rahmen

Das Dach musste also zwingend in 2011 fertig gestellt werden - und zwar vor dem ersten anzunehmenden Schneefall. Sonst hätten wir den Laden erstmal dicht machen können“, sagt Kornelia Vossebein. Bislang liegen die Baukosten – und das ist für eine Sanierung ungewöhnlich -- im vorher abgesteckten Rahmen von 3,8 Millionen Euro. Die Bauzeit wird nach jetzigem Stand sogar unterschritten. „Mitte des Jahres“, so die vage Schätzung, könnte die Sanierung abgeschlossen sein.

Bauträger ist die Stadt -- sie war es schließlich auch, die nach der Insolvenz des Trägervereins mit Gründung der gGmbH einen Neustart ermöglichte. Der kann nur gelingen, wenn das soziokulturelle Zentrum allen baulichen Anforderungen gerecht wird. Wieviel zu tun war und ist, zeigt ein Blick in die Künstlergarderobe. Dort wurden Toilette und Dusche installiert – bislang hatten die Musiker immer das stille und sehr kleine Örtchen der benachbarten Hausaufgaben-Betreuungsräume nutzen müssen.

Casino-Gebäude wird komplett neu verkabelt

Eine der Mammutaufgaben ist die komplett neue Verkabelung des Gebäudes. An einigen Ecken lugt das Kabelwirrwarr aus ungezählten Jahrzehnten noch aus den Decken und ist selbst dem Laienauge schon nicht ganz koscher. „Brandschutzauflagen und Sicherheit, etwa bei den Notausgängen, haben die umfassende Sanierung nötig gemacht“, sagt Vossebein. Die Büro- und Tagungsräume erstrahlen bereits in frischem Weiß. Die Zwischendecke, in der bislang das Archiv untergebracht war, wurde herausgenommen und lässt so mehr Licht in die oberste Etage, die schon jetzt modernen Industrie-Charme versprüht.

Genauso wie die Besucher muss sich auch Kornelia Vossebein noch auf ein paar Wochen Staub und Baulärm einstellen. Denn die gebuchten Veranstaltungen – wie etwa das Comedy-Programm von Mark Britton am 20. Januar – gehen natürlich weiter über die Bühne. „Wir sind auf einem guten Weg und konnten unsere Besucherzahlen trotz des Umbaus steigern“, ist Vossebein zuversichtlich. Für Sänger Thees Uhlmann läuft der Vorverkauf bereits so gut, dass der Auftritt am 18. März in die Weststadthalle verlegt wurde.

Als nächste Baustellen werden die Kaue und die Turnhalle, die mittlerweile Festhalle heißt, in Angriff genommen. Bis auf einen neuen Anstrich und eine neue Elektrik muss dort aber nicht viel gemacht werden -- ihren Charme sollen die Herzstücke der Zeche Carl schließlich behalten.