Essen

Star-Autor Nick Hornby auf Zollverein: „Weiße, privilegierte Männer sollten mal aufhören, zu heulen“

Nick Hornby auf Zeche Zollverein in Essen: „Männer sind langweilig.“
Nick Hornby auf Zeche Zollverein in Essen: „Männer sind langweilig.“
Foto: Volker Hartmann / FUNKE Foto Services
  • Der britische Autor Nick Hornby war zu Gast bei der lit.RUHR in der Zeche Zollverein
  • Auf der Bühne erzählte er, warum er nicht mehr über Männer schreibt

Essen. „Es ist langweilig, über Männer zu schreiben“, sagt Nick Hornby. Der britische Roman- und Drehbuchautor („High Fidelity“, „Fever Pitch“, „A long way down“) sitzt lässig auf der Bühne. Es ist Donnerstagabend, Tag Zwei der ersten „lit.RUHR“, Halle 12 in der Zeche Zollverein.

Gerade hat Hornby seine letzte Lesung für den Abend beendet. Auf Englisch, selber vorgelesen, denn Joachim Król steckt nach Sturm Xavier in Berlin fest. Eigentlich hätte der deutsche Schauspieler Passagen aus Hornbys Romanen auf Deutsch lesen sollen.

Nick Hornby erklärt auf der lit.RUHR, warum Männer langweilig sind

Und nun sitzt der „Der Große Hornby“ dort vorne und erklärt dem Publikum, warum Männer eigentlich so furchtbar langweilig sind:

„All ihre Probleme und Ängste spielen sich in ihrem eigenen Kopf ab. Da fällt mir irgendwann nichts mehr zu ein. Jetzt mal ehrlich. Weiße, privilegierte Männer in der westlichen Welt müssen gegen nichts kämpfen. Denen will ich zurufen: ,Hört auf zu heulen und macht endlich, was ihr machen wollt! NICHTS hält euch davon ab!'“

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Hornby: „Frauen müssen gegen echte Probleme kämpfen“

Unter anderem deshalb schreibe er nur noch über Frauen. Denn die, so Hornby, müssten immerhin gegen echte Probleme kämpfen, ganz real, da draußen, in der Welt. Da gebe es viel zu erzählen.

Zweites Plus dieser Strategie: Für seine Drehbücher bekommt er die besten Schauspielerinnen - auch ohne gigantomanisches Hollywood-Budget. So spielte zum Beispiel Reese Witherspoon die Hauptrolle in „Wild - Der große Trip“ (2014). Nick Hornby schrieb den Roman von Cheryl Strayed in ein Drehbuch um.

Erstklassige Schauspielerinnen sagen zu

„Frauen werden in der Film-Branche viel schlechter bezahlt als Männer. Wenn man ihnen ein Drehbuch anbietet, in denen sie auf jeder Seite zu Wort kommen, nehmen auch erstklassige Schauspielerinnen die Rolle an“, sagt Hornby.

Hingegen: Ein Drehbuch zu schreiben, dass etwa auf Robert Downey Jr. zugeschnitten sei, wäre für Independent-Filme vergebene Liebesmüh: „Er sagt dann im besten Fall, dass die Rolle sehr schön sei, er für eine ähnlich schöne mal eben 50 Millionen Dollar statt einer bekommt.“

Hornby profitiert natürlich von einem ungerechten System, dessen ist er sich bewusst: „Es ist eine Schande für die Branche.“

Aufhören will er dennoch nicht - und beendet den Abend etwas kryptisch mit den Worten: „Ich bin noch lange nicht da angekommen, wo ich hin will.“

Das ist die lit.RUHR 2017:

Fünf Tage, neun Spielorte in vier Städten, 82 Veranstaltungen - und jede Menge Beststeller-Autoren. Vom 4. bis 8. Oktober steigt das Literaturfestival lit.Ruhr zum ersten Mal. HIER findest du alle Infos.

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