Stadtkirchentag mit aufwändigem Programm trotz Sparzwang - Interview mit Superintendent in Essen

Superintendent Irmenfried Mundt.
Superintendent Irmenfried Mundt.
Foto: WAZ FotoPool
Superintendent Irmenfried Mundt erklärt, warum die Evangelische Kirche am Wochenende trotz Sparzwangs ein aufwändiges Fest auf dem Kennedyplatz feiert. Zu Gast sind unter anderem Ex-Tresenleser Jochen Malmsheimer und Ruhrpott-Rocker Stefan Stoppk.

Essen.. Herr Mundt, die evangelische Kirche veranstaltet am Wochenende einen Stadtkirchentag, zu dem sogar die frühere EKD-Vorsitzende Margot Käßmann erwartet wird. Warum diese aufwändige Veranstaltung?

Irmenfried Mundt: Wir möchten mit dieser Veranstaltung den Bürgern zeigen, dass die Evangelische Kirche in Essen weiter eine gesellschaftlich relevante Größe ist. Es ist ein Fest für die Menschen, so wie unsere Kirche eine Kirche für die Menschen ist.

Muss man das heutzutage extra betonen?

Mundt: Die Zahlen sind deutlich. Derzeit hat die evangelische Kirche in Essen 148 000 Gemeindeglieder. In den Sechziger Jahren, das muss man sich klarmachen, waren es doppelt so viele. Wir verlieren derzeit rund 2500 Gemeindeglieder im Jahr.

Wie können Sie dann sicher sein, dass die Kirche noch relevant für die Menschen ist?

Mundt: Weil wir eine Menge zu bieten haben. Das wird unser Stadtkirchentag auf dem Kennedyplatz eindrucksvoll unter Beweis stellen. Die über 100 Pfarrer in unseren Gemeinden und Diensten des Kirchenkreises leisten täglich Seelsorge – und nicht nur sie. Denken Sie an die vielen sozialen Einrichtungen der Diakonie. Denken Sie an die kulturelle Arbeit, die geleistet wird. Und wir stehen für christliche Erziehung in 56 evangelischen Kindergärten. Ohne die gut 6000 Ehrenamtlichen wäre die Kirche nicht vorstellbar. Auch für sie, und für die Hauptamtlichen, ist der Stadtkirchentag gedacht.

Als Betriebsfest?

Mundt: Nein, aber wir wollen dokumentieren, dass wir gut zusammengewachsen sind. 2008 haben sich die Kirchenkreise Mitte, Nord und Süd sowie der Stadtkirchenverband als organisatorisches Dach zusammengeschlossen – zu einer einzigen Organisation. Ich glaube, wir können heute behaupten, dass wir die Ängste der Gemeinden, in einer Art Zentralismus unterzugehen, weitgehend entkräften konnten.

Warum?

Mundt: Weil der Süden vom Norden gelernt hat und umgekehrt. Wir können uns heute besser wahrnehmen als früher. Es ist zum Beispiel eine Art Jugendaustausch entstanden, bei der – ganz bewusst – Jugendliche aus Karnap und Bredeney gemeinsame Freizeiten unternehmen.

Bei der sozialen Asymmetrie der Stadt – besteht da nicht die Gefahr, dass sich der Norden grundsätzlich als zu kurz gekommen vorkommt?

Mundt: Das kann passieren, ja. Gerade in Katernberg mussten wir in der Vergangenheit zwei Gottesdienststätten schließen. Doch auch in Bredeney geben wir bald eine Kirche auf, und viele aus dem Süden haben entdeckt, welch wertvolle Arbeit die Gemeinden im Norden dort leisten, gerade dort, wo Christen heute in der Minderheit sind. Was für hervorragende Kooperationsprojekte und Runde Tische es dort mit Moscheevereinen gibt.

Die Zahl der Gemeindeglieder wird weiter zurückgehen. Worauf müssen sich die Menschen einstellen?

Mundt: Die Kirchensteuer-Erträge sind derzeit noch recht stabil. Da sind wir von der Konjunktur abhängig. Das schafft Spielräume. Derzeit stehen uns 63,50 € pro Gemeindeglied und Jahr zur Verfügung.

Was muss von diesem Geld bezahlt werden?

Mundt: Alles, außer den Pfarrer-Besoldungen, die sind davon abgezogen.

Werden außer in Bredeney noch weitere Kirchen schließen?

Mundt: Daran denken wir im Moment nicht. Fest steht aber, dass künftig nicht mehr jede Gemeinde ein eigenes Gemeindeamt unterhalten kann. In vielen Teilen der Stadt gibt es bereits Gemeindeämter, die die gesamte Verwaltung für mehrere Gemeinden erledigen, zum Beispiel im Essener Westen. Dieses Modell wird weiter fortgeführt werden, daran führt kein Weg vorbei. Das ist übrigens auch von der Landeskirche so gewollt: Effizienz.

Wenn alle Zeichen auf Sparen hindeuten – wie können Sie dann auf dem Kennedyplatz fröhlich feiern?

Mundt: Es ist nicht gut, wenn man sparen muss. Doch die Bedingungen sind so, dass wir uns auf unsere Stärken besinnen müssen – auf das, was uns gemeinsam ausmacht. Die Betonung liegt auf: gemeinsam.

Wie passt dazu ein finanzielles Wagnis wie die „Zukunftsschule“, die Sie planen?

Mundt: Wir wollen diese Schule, weil wir in Bildung und unsere Jugend investieren wollen. Wir sind sicher, mit einer inklusiven Schule ab Klasse fünf, die alle Abschlüsse anbietet, genau das richtige Angebot in dieser Stadt machen zu können. Die Synode Mitte Juni wird darüber befinden, ob wir bei der Planung ein weiteres Jahr Zeit bekommen und dann ab 2014 definitiv starten. Ich wünsche mir, dass ein eindeutig positives Signal herauskommt.

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