Stadt Essen will am Baldeneysee einen See-Manager einstellen

Frank Stenglein
Potenziell reizvoll: Die Allee am Seaside Beach soll bald zu einem neuen Anleger der Weißen Flotte führen.
Potenziell reizvoll: Die Allee am Seaside Beach soll bald zu einem neuen Anleger der Weißen Flotte führen.
Foto: Kerstin Kokoska
  • See-Manager soll die verschiedenen Interessen ausgleichen und Verbesserungen vorantreiben
  • Ausgangspunkt waren Klagen über Vernachlässigungen und baulichen Wildwuchs an den Ufern
  • Die Stelle soll unter dem Dach der Weiße Flotte GmbH entstehen, deren Position so gestärkt wird

Essen. Ein langgehegter Plan wird konkret: Der Baldeneysee erhält einen See-Manager, der die Entwicklung des Freizeitgewässers vorantreiben und die verschiedenen Interessen und Nutzergruppen koordinieren soll. Das geht aus einem Beschlussvorschlag der Stadtverwaltung hervor, den der Rat demnächst zur Entscheidung vorgelegt bekommt.

Der See-Manager soll unter dem Dach der „Weiße Flotte GmbH“ angesiedelt werden, die Stadttochter hatte sich in den letzten Jahren neben dem Schiffsbetrieb mit einigem Erfolg um die Aufwertung der Ufer gekümmert. „Wir freuen uns, dass es jetzt einen großen Schritt vorangeht“, sagt Franz-Josef Evers, Geschäftsführer der Weißen Flotte.

Ufer leiden an Vernachlässigung und baulichem Wildwuchs

Ausgangspunkt der Überlegungen war die Erkenntnis, dass das Baldeneyseeufer bei aller Attraktivität unter Vernachlässigung und baulichem Wildwuchs leidet. Besonders drastisch ist dies rund ums Schloss Baldeney, aber auch an der lieblosen Gestaltung und Aufenthaltsqualität fast aller Anlegestellen zu sehen. Mit der Pflanzen-Plage, die im vergangenen Sommer den Wassersport umfassend wie nie gefährdete, ist eine weitere Herausforderung hinzukommen. Oberbürgermeister Thomas Kufen hatte die Entwicklung des Sees schon als CDU-Fraktionschef kritisch begleitet und hat nun auch die Idee eines See-Managements vorangetrieben.

Nun wird ein See-Manager weder an den verzwickten Besitzverhältnissen etwas ändern noch die Egoismen im Handumdrehen bändigen können. Evers setzt aber auf das Moderatoren- und Motivationsgeschick des Kandidaten, der derzeit noch gesucht wird. Eine Konzession an den Norden macht die Aufgabe nicht einfacher: Auch um den Freizeitwert des eher kleinen Essener Teilstücks des Rhein-Herne-Kanals soll sich der See- Manager kümmern. Den Personalaufwand für die dauerhaft einzurichtende Stelle beziffert die Stadt mit 90 000 Euro.

Geld ist im Grüne Hauptstadt-Jahr da - eher fehlt es an umsetzbaren Ideen

Geld für einzelne Projekte zu bekommen, ist übrigens im Grüne-Hauptstadt-Jahr nicht das große Problem. Eher, so heißt es, mangele es an guten Ideen und an der pünktlichen Durchsetzbarkeit der Vorhaben. Immerhin: Nachdem die Weiße Flotte am Anleger Lanfermannfähre in Heisingen einen Qualitätssprung schaffte, geht es nun am Seaside Beach weiter. Dort starteten jüngst die Bauarbeiten für einen neuen Anleger, der endlich eine Lücke schließt. Denn der alte Anleger einige hundert Meter weiter östlich am Schloss Baldeney wurde vor vielen Jahren ersatzlos geschlossen.

Einbezogen wird beim neuen Projekt die potenziell reizvolle Allee am Ende der Freiherr vom Stein-Straße, die Fußgänger zum Ufer leiten soll. Um den nötigen Platz zu schaffen, wurde mit dem Bereinigen der Gerümpelfläche zwischen dem Seaside Beach und einem Seerestaurant begonnen. Im Frühjahr 2017 soll alles fertig sein – knapp vor der Eröffnung des Seeschwimmbads auf dem Seaside-Gelände, das durch die neue Haltestelle der Weißen Flotte weiter aufgewertet wird.

Auch ein Baldeneysee-Steig steht auf der Agenda

Am Haus Scheppen am Ufer gegenüber, wo auch einiges im Argen liegt, soll es dann rasch weitergehen mit den Sanierungsarbeiten. Es gelte, den Schwung und den Geldsegen der Grünen Hauptstadt zu nutzen, heißt es bei der Weißen Flotte GmbH. Realität werden soll im Zuge der „Green Capitol“ vielleicht auch eine Idee, die vor einiger Zeit in dieser Zeitung vorgestellt wurde: ein durchgehender, gut beschilderter Wanderweg Baldeneysee-Steig, der über die Ruhrhöhen neue Wandererlebnisse ermöglicht.