Stadt Essen plant Gründung einer Immobilien-Holding

Marcus Schymiczek
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Essen. Wenn zwei das Gleiche tun, ist das noch lange nicht dasselbe, sagt der Volksmund. Die Stadt Essen kommt da zu einem anderen Schluss, was das Verwalten und Bewirtschaften ihrer Immobilien angeht. Denn damit sind nicht nur zwei, sondern gleich mehrere Tochtergesellschaften befasst. Das ließe besser organisieren und wohl auch deutlicher günstiger dazu, heißt es im Rathaus, wo man die Gründung einer Immobilien-Holding ins Auge fasst.

Mit ersten Gedankenspielen der Verwaltung befasst sich derzeit die Politik. Sollte es zu der beabsichtigten Gründung einer Immobilien-Holding kommen, hätte dies Folgen nicht nur für das bestehende Geflecht aus Beteiligungsgesellschaften unter dem Dach der EVV, sondern auch für den ein oder anderen Volksvertreter im Rat. Denn manch lieb gewonnener Aufsichtsratsposten wäre dann wohl überflüssig.

Beim Allbau stoßen die Pläne auf uneingeschränkte Zustimmung

Beim städtisch beherrschten Allbau stoßen die Pläne auf uneingeschränkte Zustimmung. „Es ist der richtige Weg Kompetenzen und Ressourcen dort zu bündeln, wo sie vorhanden sind“, formuliert Dirk Miklikowski, Geschäftsführer der wirtschaftlich erfolgreichen Wohnungsgesellschaft, selbstbewusst. Rund 18.000 Immobilien bewirtschaftet der Allbau, in den zurückliegenden drei Jahren konnte die Wohnungsgesellschaft ihr wirtschaftliches Ergebnis jeweils steigern auf 39,5 Millionen Euro. Da liegt es wohl nahe, dem Allbau die Führung der geplanten Immobilien-Holding anzuvertrauen. Unter dem gemeinsamen Dach hinzu kämen die städtische Grundstückstochter GVE auch die Reinigungs- und Service-Gesellschaft RGE.

Die Gretchenfrage aber, was das Ganze der Stadt finanziell bringen würde, bleibt vorerst unbeantwortet. Nicht nur aus diesem Grund sieht die Politik noch Diskussionsbedarf. Denn über das geplante Konstrukt wird bereits hinaus gedacht. Miklikowski nennt es naheliegend, in einem zweiten Schritt auch die städtische Immobilienwirtschaft in die Holding zu integrieren. Die Immobilienwirtschaft verwaltet städtische Gebäude, dazu gehören auch Kindertagesstätten und Schulen, aber auch das Grillo und das Aalto-Theater.

Baudezernentin Simone Raskob ist zurückhaltend

Baudezernentin Simone Raskob, in deren Zuständigkeit die Immobilienwirtschaft fällt, äußert sich zurückhaltend zu einer Integration dieses Verwaltungsbereichs in eine Holdinggesellschaft. Bei der Vorhaltung von Gebäuden für Bildung und Kultur gehe es auch um Daseinsvorsorge, gibt Raskob zu bedenken und stellt die Frage, ob es sinnvoll sein, diese in die Hände einer Holding zu legen, die an letztlich an ihrem wirtschaftlichen Ergebnis, also am Gewinn gemessen wird.

Dass es um mehr als das geht, liegt auf der Hand - um Einfluss, um Macht, um persönliche wie politische. Letztere läge nicht länger in den Händen des Bauausschusses und des Rates, sondern wäre in einem Aufsichtsrat vertreten.

Nicht zu vernachlässigen sein dürfte aus Sicht der Entscheidungsträger, dass es am Ende auch um Arbeitsplätze geht. Wenn von „Synergieeffekten“ die Rede ist, die es zu heben gelte, heißt das nichts anderes, als dass es auch mit wenigen Köpfen geht. Auch deshalb wäre das Gleiche nicht dasselbe.