Stadt Essen empfiehlt Homöopathie – und erntet Spott

Weil sie auf ihrer offiziellen Homepage jetzt Tipps für eine homöopathische Reiseapotheke gab, erntete die Stadt Essen jetzt Spott.
Weil sie auf ihrer offiziellen Homepage jetzt Tipps für eine homöopathische Reiseapotheke gab, erntete die Stadt Essen jetzt Spott.
Foto: dpa
Arsen, Brechnuss oder Sturmhut sollen die Essener in ihre Reiseapotheke packen. So steht’s auf der Homepage der Stadt. Und mancher Bürger wundert sich.

Essen. Spott bis Unmut hat eine „homöopathische Reiseapotheke“ ausgelöst, die sich auf der Homepage der Stadt findet. Die Top Ten der Naturheilkunde umfasst keine klassischen Arzneien, sondern so klangvolle Mittel wie Brechnuss, Spanische Fliege, Sturmhut – oder Arsen.

Er sei darauf schon angesprochen worden, sagt der Leiter des Gesundheitsamtes Dr. Rainer Kundt und stellt klar: „Das sind keine Empfehlungen des Amtsarztes.“ Er würde Aspirin oder Paracetamol einpacken, ein erprobtes Mittel gegen Übelkeit sowie ein leicht cortisonhaltiges Gel zur Behandlung von Sonnenbrand und Insektenstichen. Im übrigen rate er zum Gespräch mit Hausarzt oder Apotheker.

Tipps der Carstens-Stifung

Die naturheilkundlichen Tipps hatte die in Essen ansässige Carstens-Stiftung zusammengestellt, die auf Homöopathie spezialisiert ist. Auf Mittel, die „keine messbaren Inhaltsstoffe und auch keine Wirkung“ haben, wie der Blog „Die Ruhrbarone“ ätzt. Weil Essen die Ratschläge auf seiner offiziellen Homepage verbreitet, fragen die Blogger: „Die dümmste Stadt Deutschlands?“

Auf solche Kritik reagiert Kundt gelassen: „Wir haben Meinungsfreiheit.“ Er stehe der Naturheilkunde nicht so krass ablehnend gegenüber: „Ich nehme selbst ein Mittel, von dem ich als Wissenschaftler sagen muss, dass es so stark verdünnt ist, dass es eigentlich gar nicht wirken kann – aber es hilft!“ Weil solche Wirkungen jedoch nicht durch Studien belegt sind, möchte er nicht als amtlicher Kronzeuge der Naturheilkunde herhalten. Die Stadt müsse deutlich machen, dass die Carstens-Stiftung für die Tipps verantwortlich sei.

Hier werde man nachbessern, verspricht Stadtsprecherin Silke Lenz. Grundsätzlich halte sie die Reiseapotheke für einen guten Service: „Es gibt schließlich Essener, die sich für alternative Medizin interessieren.“

 
 

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