Stadt Essen baut zwei mobile Flüchtlingsdörfer für 800 Menschen

Mit diesem Bild präsentierte die Essener Stadtspitze am Mittwochnachmittag die Pläne für die Flüchtlingsdörfer.
Mit diesem Bild präsentierte die Essener Stadtspitze am Mittwochnachmittag die Pläne für die Flüchtlingsdörfer.
Foto: Stadt Essen
Beim Ausbau von Asylunterkünften in Essen will die Stadt in den kommenden zwei Wochen auf Sportplätzen mobile Flüchtlingsdörfer errichten.

Essen. Die Stadt Essen wird in den kommenden Wochen zwei Flüchtlingsdörfer mit Platz für jeweils 400 Personen bauen. Das gaben Oberbürgermeister Reinhard Paß und Ordnungsdezernent Christian Kromberg am Mittwochnachmittag auf einer gemeinsamen Pressekonferenz bekannt. Kromberg, der qua Amt für die Abwendung von Obdachlosigkeit zuständig ist, hatte die Entscheidung im Zuge der Gefahrenabwehr getroffen. Die Ratsfraktionen waren zwar zuvor informiert worden, ein Ratsbeschluss ist aber nicht erforderlich. „Ich muss verhindern, dass in nächster Zeit hunderte Flüchtlinge vor unseren Einrichtungen campieren“, betonte der Dezernent.

Angesichts der rasant steigenden Asylbewerberzahlen müsse Essen im laufenden Jahr mit 3422 Neuankömmlingen rechnen. „Das sind noch einmal 557 mehr als nach unserer jüngsten Prognose. Unsere Planungen werden von der laufenden Entwicklung überrollt“, gab Paß zu. Tatsächlich hat die Stadt gerade erst 200 neue Plätze in der früheren Boeckerzentrale an der Hülsenbruchstraße in Altenessen geschaffen: Dort wurden am Mittwoch die ersten Flüchtlinge begrüßt. „Wenn sich die Entwicklung so fortsetzt, sind die 200 Plätze in der nächsten Woche vergeben – und dann haben wir keine Plätze mehr“, erklärte Kromberg.

Mögliche Standorte in Heidhausen, Holsterhausen und im Nordviertel

Die Hülsenbruchstraße gebe der Stadt lediglich einen Puffer, um in zwei bis drei Wochen die Flüchtlingsdörfer aufzubauen. Als Standorte sind ehemalige Sportplätze vorgesehen, weil sie neben der nötigen Mindestgröße von 6500 qm einen festen Untergrund, Starkstromanschlüsse und eine ausreichende Erschließung bieten. In Frage kommen nach einer Prüfung die Standorte: Volkswald in Heidhausen, Planckstraße in Holsterhausen und Altenbergstraße im Nordviertel. Als ungeeignet schied der Platz an der Hamburger Straße in Frohnhausen aus. (Die Präsentation der Stadt Essen vom 29. Juli mit allen Details finden Sie unter dem Artikel unter Downloads.)

„Die Situation hat sich in den vergangenen Wochen massiv zugespitzt“, betonte Kromberg. Darum habe man mit dem bislang üblichen Umbau von Bestandsgebäuden und der Vermittlung in Wohnungen der Situation nicht mehr Herr werden können. Beides werde aber fortgesetzt. „Wir haben auch alle Sportstätten und Kultureinrichtungen geprüft – selbst die Philharmonie.“ Seit seiner Rückkehr aus dem Urlaub vor anderthalb Wochen habe der von ihm geleitete Krisenstab täglich getagt. Mit den Flüchtlingsdörfern habe man nun eine menschenwürdige Alternative zu Turnhallen gefunden: Es gebe Container für die sanitären Anlagen; in weiteren Gebäudeteilen werden etwa Verwaltung und Essensausgabe untergebracht.

10 mal 25 Meter für jeweils 70 Bewohner

Jedes Dorf habe fünf bis sechs Schlafunterkünfte von 250 Quadratmetern Fläche, die sich immerhin je 70 Bewohner teilen müssen. Das Reizwort Zelte mochten Dezernent wie OB nicht verwenden. „Es sind mobile Bauten mit festen Wänden und Böden; das ist nicht das Pfadfinderzelt wie man es in anderen Städten sieht“, betonte Kromberg. Auch gebe es Klimaanlage und Heizung: „Hier kann der Winter gut überstanden werden.“ Und das wird vermutlich nötig sein: Mit einem baldigen Abbau der Dörfer ist nicht zu rechnen. Viel eher wird zeitnah noch ein drittes Dorf hinzukommen.

Betreut werden die neuen Unterkünfte vom Essener Unternehmen European Homecare (EHC). Für diesen Freitag hat die Stadt die Sozialverbände eingeladen, um eine soziale Betreuung zu organisieren.

Unterdessen sind Turnhallen als letzte Notlösung nicht vom Tisch, räumte Kromberg ein: „Wenn ein Ukas aus Düsseldorf kommt und wir in wenigen Stunden 150 Menschen unterbringen müssen, bleibt uns nicht anderes übrig.“

 
 

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