Stadt beobachtet Zuwanderung mit Sorge

Rumänische Tagelöhner protestierten 2007 vor dem Rathaus. Sie wurden beim Bau des Einkaufszentrums am Limbecker Platz erst mit Hungerlöhnen abgespeist und bekamen dann gar kein Geld mehr.
Rumänische Tagelöhner protestierten 2007 vor dem Rathaus. Sie wurden beim Bau des Einkaufszentrums am Limbecker Platz erst mit Hungerlöhnen abgespeist und bekamen dann gar kein Geld mehr.
Foto: NRZ

Essen. NRW-Arbeitsminister Guntram Schneider (SPD) warnt vor „Armutseinwanderung“, der Deutsche Städtetag sieht den sozialen Frieden gefährdet. Im Rathaus reagiert man noch zurückhaltend auf derlei öffentliche Äußerungen. Im Vergleich zu Duisburg oder Dortmund sei Essen „eine Insel der Glückseligen“, heißt es. Ob sich dies ändert, wenn ab 2014 die volle Arbeitnehmerfreizügigkeit für Bulgaren und Rumänien gilt?

419 Zuwanderer aus Rumänien zählte Essen im vergangenen Jahr, 191 aus Bulgarien. 1500 Rumänen und 1100 Bulgaren leben damit in dieser Stadt, viele davon schon seit Jahren, heißt es. Das sind wenige im Vergleich zu den beiden oben genannten Ruhrgebietsstädten. Dort sind es mehrere tausend, und die Zahl, so die Erwartung, dürfte ab dem kommenden Jahr weiter steigen, wenn die Zuwanderer Anspruch auf Sozialhilfe erhalten.

Zusätzliche Ausgaben in Millionenhöhe

Die Stadt Dortmund erwartet zusätzliche Ausgaben in Höhe von 18,7 Millionen Euro pro Jahr. Diese Zahl sei plausibel, heißt es in der hiesigen Sozialbehörde, wo man die Entwicklung sehr genau beobachtet. Noch gebe es nur vereinzelte Hinweise von Sozialen Diensten, vom Jugendamt oder vom Gesundheitsamt darauf, dass es Menschen in prekären Lebensverhältnissen sind, die sich in Essen niederlassen. Häufig seien es Mitglieder der Volksgruppe der Roma, die ohne Ausbildung auf dem Arbeitsmarkt kaum eine Chance haben und sich deshalb als Tagelöhner verdingen müssen.

Viele Familien lebten in Clan-Strukturen, heißt es. Auch deshalb suchten sie eher eine Bleibe in Dortmund oder Duisburg, wo Verwandte bereits untergekommen seien, als in Essen, wo der Leerstand an Wohnungen nicht so massiv sei und wo zwielichtige Hausbesitzer, die Matratzenlager vermieten, nicht aufgefallen seien.

716 Flüchtlinge in Asylunterkünften untergebracht

Dass man Essen auf dem Straßenstrich an der Gladbecker Straße gegen Prostituierte aus Bulgarien restriktiv vorgegangen ist, nachdem Dortmund den Sperrbezirk auf den gesamten Stadtbezirk ausgedehnt hat, hält man sich im Rathaus hinter vorgehaltener Hand zu Gute. So etwas wirke abschreckend.

Abschreckend wirken auch die Lebensumstände in ihren Heimatländern auf jene, die in Deutschland ihr Glück suchen. 716 Flüchtlinge sind derzeit in den städtischen Asylunterkünften untergebracht. Weil die Plätze ausgeschöpft sind, wird die Stadt Auf’m Bögel in Haarzopf in dieser Woche eine weitere Unterkunft für 40 Personen eröffnen. Auch unter den Flüchtlingen sind mehrheitlich Roma aus Mazedonien oder Serbien, die im Gegensatz zu Zuwanderern aus Rumänien oder Bulgarien ab 2014 keine Chance haben, sich hier niederzulassen.

 
 

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