Stadion Essen kostet Stadttochter GVE 49 statt 31 Millionen Euro

Marcus Schymiczek
Das Stadion Essen im Bau. Nun geht es wieder die Kosten.
Das Stadion Essen im Bau. Nun geht es wieder die Kosten.
Foto: WAZ FotoPool
Mit offenen Karten wurde beim Neubaus des Stadions in der klammen Stadt Essen nicht gespielt. Es stehen Zahlen im Raum, die einen schwindelig werden lassen.

Essen. Der Bau des neuen Stadions an der Hafenstraße war für die klamme Stadt Essen von Beginn an auch ein politischer Kraftakt. Deshalb waren jene, die politisch Verantwortung tragen, durchaus erleichtert, als die schmucke Fußballarena im Juli 2012 zur allgemeinen Zufriedenheit feierlich eröffnet wurde und der Bauherr, die städtische Grundstücksverwaltung Essen (GVE), wissen ließ, bei den Baukosten sei man innerhalb des gesteckten Rahmens geblieben, was schon damals eine geschönte Wahrheit war.

59 Millionen Euro für das „Projekt Fußball“

Nun, wo die GVE in finanzielle Schieflage geraten ist, reiben sich selbst jene verwundert die Augen, die als Mitglieder des Aufsichtsrates eigentlich bestens im Bilde sein sollten. Stehen doch Zahlen im Raum, die einen schwindelig werden lassen. Sagenhafte 59 Millionen Euro hat das „Projekt Fußball“ die GVE gekostet, ließ Geschäftsführer Andreas Hillebrand jüngst den Aufsichtsrat mehr oder weniger en passant wissen.

9,7 Millionen für Rot-Weiss Essen

Als diese Zahl den Weg an die Presse fand, beeilte sich die Stadt offiziell zu erklären, dass es sich dabei nicht ausschließlich um Kosten für den Neubau handle. Vielmehr stünden 9,7 Millionen „im Zusammenhang mit dem Engagement bei Rot-Weiss Essen“. Zu dumm nur, dass die Öffentlichkeit auch von dieser Summe bislang nichts gehört hatte, wodurch sich der Eindruck, die ganze Wahrheit kommt wenn überhaupt nur schüppchenweise ans Licht, noch verfestigte.

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Ja, weder im Umgang mit Rot-Weiss Essen noch beim Bau des Stadions spielten Stadt und GVE mit offenen Karten. Denn augenscheinlich ist viel mehr Geld in den Verein geflossen als jene vier Millionen Euro, welche die GVE aufwenden musste, um RWE von der Schuldenlast, die sich durch das Engagement des Sportrechtehändlers Michael Kölmel aufgetürmt hatte, zu befreien. Vor dem Hintergrund des geplanten Stadionbaus galt es, eine Insolvenz des Vereins unbedingt zu vermeiden, bis Oberbürgermeister Reinhard Paß die Reißleine zog. Dass die Stadt trotz der Insolvenz von RWE am Stadionneubau festhielt, darf man auch im Nachhinein zumindest mutig nennen. Zu weit war das Projekt fortgeschritten, zu viele Anhänger hatte es in Politik und Verwaltung. Christian Hülsmann, damals Stadtdirektor, ist seit seinem Ausscheiden Aufsichtsratsvorsitzender des Traditionsvereins.

Kosten fallen höher aus als gedacht

Dass die Baukosten vor diesem Hintergrund von der GVE unbedingt einzuhalten waren, versteht sich fast von selbst. Schon die prognostizierten 31 Millionen Euro waren ein „politischer Preis“, erste Schätzungen waren noch von 40 Millionen Euro ausgegangen. Im Laufe des Projektes musste die GVE nachjustieren. Zusätzliche 3,9 Millionen flossen in den Ausbau von Businessbereich und Gästetribüne. Öffentlich wurde dies erst nach Recherchen der Presse. Ob die Verantwortlichen ein Veto der Kommunalaufsicht fürchteten oder die schlechte Presse, sei dahingestellt.

Heute werden rund 49 Millionen Euro an Kosten für das Stadion genannt. Das ist deutlich mehr als die zuletzt offiziell kommunizierten 42,5 Millionen Euro. Wie passt das zusammen? Die GVE nennt Planungskosten in Höhe von sieben Millionen Euro – doppelt so hoch wie veranschlagt – und erklärt diese a) mit Verzögerungen durch den zwischenzeitlichen Baustopp im Jahr 2010 und b) mit diversen Änderungen während der Bauarbeiten. Die eigentlichen Baukosten lägen um drei Prozent über dem ursprünglichen Ansatz. Zudem habe es diverse Nachbesserungen gegeben etwa bei der Ausstattung mit Funktechnik für Polizei und Feuerwehr.

Ob weitere Posten auftauchen, bleibt abzuwarten. Fest steht: Durch den Stadionbau ist die Stadt einmal mehr ins Gerede gekommen. Wie hoch der Imageschaden ist, lässt sich nicht beziffern.