Spurbusstrecke im Essener Süden ist bald Geschichte

Marcus Schymiczek
Dieter Schmitz vom Amt für Straßen und Verkehr, Baudezernentin Simone Raskob, Projektleiter Dirk Heidler und Christoph Lademann, Leiter des Evag-Verkehrsmanagements (v.l.) gaben den Startschuss für den Rückbau.
Dieter Schmitz vom Amt für Straßen und Verkehr, Baudezernentin Simone Raskob, Projektleiter Dirk Heidler und Christoph Lademann, Leiter des Evag-Verkehrsmanagements (v.l.) gaben den Startschuss für den Rückbau.
Foto: FUNKE Foto Services
Evag und Stadt haben den Startschuss für den Rückbau der Spurbusstrecke auf der Wittenbergstraße gegeben. Die Trasse wird mit 50 Bäumen begrünt.

Essen-Rüttenscheid/Stadtwald. Sie ist in Beton gegossene Nahverkehrsgeschichte. Nun sind ihre Tage gezählt: Die Essener Verkehrs-AG (Evag) hat auf der Wittenbergstraße mit dem Abriss der Spurbusstrecke begonnen. Die 900 Meter lange Trasse wird zurückgebaut und begrünt. Übrig bleiben wird eine knapp 300 Meter lange Busspur vor dem Stadtwaldplatz, auf der dann aber ganz gewöhnliche Evag-Busse fahren werden. Im Januar kommenden Jahres soll es soweit sein.

Mit dem gestrigen offiziellen Baustart setzen Stadt und Evag einen Schlusspunkt hinter ein Projekt, in das nicht nur Essens Nahverkehrbetrieb einst große Hoffnungen setzte. 1983 eröffnete die Evag die Spurbusstrecke auf der Wittenbergstraße, nach der Strecke auf der Fulerumer Straße war es die zweite ihrer Art. Seinerzeit förderte der Bund die neuen Technologien für den Nahverkehr in einem dafür aufgelegten Forschungsprogramm. Die Idee: Omnibusse sollten unabhängig vom übrigen Verkehr auf eigenen Gleiskörpern fahren, dafür genutzt wurden ehemalige Straßenbahntrassen. Durchgesetzt hat sich die Technik aber nie. Im Gegenteil: Die mit speziellen Führungsrollen ausgestatteten Fahrzeuge erwiesen sich als extrem anfällig. Ersatzteile lassen sich inzwischen kaum noch beschaffen.

1,1 Millionen Euro Kosten

Die Spurbusstrecke hat mit der Zeit zudem erheblich gelitten. Eine Sanierung wäre aufwendig und teuer. Christoph Lademann von der Evag bringt es auf den kurzen Nenner: „Wir brauchen sie nicht mehr.“ Aufwendig und kostspielig ist auch der Abriss, denn die Fundamente sind tief im Boden verankert. 1,1 Millionen Euro steckt die Evag in Rückbau und Neugestaltung der Spurbusstrecke, ist aber überzeugt davon, dass sich die Investition bezahlt macht. Denn das Unternehmen kann die Zahl seiner Spurbusse erheblich reduzieren. Bei elf der 31 Gelenkbusse und bei sämtlichen 16 Solobussen kann die Evag auf Rollen verzichten, welche sie in der Spur halten. Dass die Evag vor der Entscheidung stand, welche Fahrzeuge sie demnächst anschaffen wird, hat die Entscheidung, die Spurbusstrecke aufzugeben, beschleunigt.

Auf der Wittenbergstraße hat der Rückbau der Spurbusstrecke mit dem Neubau der gleichnamigen Haltestelle begonnen. Mit der Trasse verschwindet die Haltestelle in der Straßenmitte, zu beiden Seiten werden Bushaltestellen gebaut. Die werden barrierefrei sein, wie Baudezernentin Simone Raskob betont, bringen aber den Nachteil mit sich, dass Busse demnächst auf der Wittenbergstraße halten und beim Stopp eine von zwei Fahrspuren blockieren.

Für Radfahrer bleibt es auf beiden Seiten bei eigenen Fahrstreifen. Die Spurbustrasse wird auf einer Länge von 600 Metern begrünt. 50 Bäume werden dafür im Frühjahr gepflanzt und sollen der Straße den Charakter einer Allee verleihen. In Fahrtrichtung Stadtwaldplatz wird es ab Höhe Schillerwiese eine dritte Fahrspur geben, auf der Linienbusse am Stau, der sich hier nachmittags bildet, vorbei fahren. Denn wenigstens in dieser Hinsicht hatte der Spurbus sich bezahlt gemacht.