Spürhunde verfolgen Pierre Pahlkes Spur nach Amsterdam

Ralf Menkhorst, Chefermittler im Fall Pierre Pahlke, vertraut ihren außergewöhnlichen Fähigkeiten: „Wir sind uns sehr sicher, dass die Ergebnisse stimmen.“
Ralf Menkhorst, Chefermittler im Fall Pierre Pahlke, vertraut ihren außergewöhnlichen Fähigkeiten: „Wir sind uns sehr sicher, dass die Ergebnisse stimmen.“
Foto: Knut Vahlensieck
So genannte „Mantrailer“-Hunde haben die Fahnder Ende November etappenweise nach Amsterdam geführt. Die heiße Spur ins Rotlichtmilieu ist „ziemlich frisch“, sagte Chef-Ermittler Ralf Menkhorst am Freitag. Sie löst schaurigste Mutmaßungen aus, noch immer aber besteht ein Fünkchen Hoffnung.

Essen. Der „Fall Pierre“ zählt zu den außergewöhnlichsten Kriminalfällen der letzten Jahre. Seit über vier Monaten ist der geistig behinderte junge Mann (21), der in der „Heimstatt Engelbert“ lebte und den Entwicklungsstand eines kleinen Kindes hat, spurlos verschwunden. Jetzt hat die Polizei endlich eine heiße Spur. Eine, die mitten in das Amsterdamer Rotlichtmilieu führt. Und schaurigste Mutmaßungen auslöst.

„Diese Spur ist ziemlich frisch“, sagte der Chef-Ermittler, Kriminalhauptkomissar Ralf Menkhorst, am Freitag auf einer Pressekonferenz mit Staatsanwältin Elke Hinterberg. „Wir wissen nicht, wann und wo genau Pierre sich in Amsterdam aufgehalten hat, aber wir hoffen Zeugen zu finden, die ihn gesehen haben.“ Auf niederländischen Webseiten wie politie.nl und 112regio.nl sowie im Facebook-Suchportal „Zoek Je Mee?“ ist schon am Freitag über den Fall berichtet worden.

Nach wie vor bestehe ein Fünkchen Hoffnung, Pierre Pahlke noch lebend auffinden zu können. Doch wahrscheinlicher, so die Staatsanwältin, sei eine andere, traurige Annahme: dass Pierre „Opfer eines Kapitaldelikts“ geworden ist und wohl nicht mehr lebt.

So genannte „Mantrailer“-Hunde haben die Fahnder Ende November etappenweise nach Amsterdam geführt. Was die Vierbeiner mit der feinen Nase zu erschnüffeln vermögen, grenzt an ein kleines Wunder. Aber Ralf Menkhorst (47) vertraut ihren außergewöhnlichen Fähigkeiten: „Wir sind uns sehr sicher, dass die Ergebnisse stimmen.“

Von der „Heimstatt Engelbert“ an der Manderscheidtstraße in Frillendorf führten die „Mantrailer“ die Polizisten zunächst auf den Ruhrschnellweg. Immer wenn die Spürhunde ihre Nase auf den A40-Asphalt legten, musste die Verkehrsschlagader gesperrt werden. Von der A 40 ging’s übers Kreuz Kaiserberg auf die A 2 und dann auf die A 3 bis an den Grenzübergang Elten. Als auch die Niederländer den deutschen Fahndern grünes Licht gaben, tasteten sich die Hunde – von Abfahrt zu Abfahrt – nach Amsterdam vor, bis sich die Spur in dem Gewirr aus engen Gassen und Grachten wieder verlor. Wurde Pierre Pahlke, der lebensfrohe und sympathische Junge, von Sex-Gangstern verschleppt? Lebt er womöglich noch? Menkhorst sagt: „Es ist nicht auszuschließen, dass jemand Pierre in der Gewalt hat und nicht freilässt.“

Der zweite Ermittlungsstrang führt zur Hubertstraße, zur Wohnung eines polizeibekannten 56-Jährigen, der schon im Oktober vorübergehend festgenommen wurde. „Er bleibt ein Beschuldigter, aber wir können ihm nichts nachweisen.“ Auch nicht, dass sich Pierre jemals in seiner Wohnung aufgehalten hat. Seit dem Tag seines Verschwindens, dem 17. September, wühlt das Schicksal des verwundbaren Blondschopfs die Menschen auf. Zeitweilig verabredeten sich Menschen über Facebook, um auch in Bottrop oder Gladbeck zu suchen.

Seine verzweifelten Eltern haben in den ersten Wochen das getan, was alle Eltern in solch’ einer dramatischen Situation auch tun würden: Sie haben fast rund um die Uhr Tausende Zettel an Laternen, Straßenbäume und Fassaden geklebt und gesucht – bis sie erschöpft zusammensackten. „Jetzt haben sie eine Belohnung über 10 000 Euro ausgesetzt“, sagte Menkhorst. Und demnächst wollen sie wohl auch in Amsterdam wieder Fahndungszettel kleben. „Der Fall geht mir sehr nah“, gesteht der routinierte Chef-Ermittler, „selbst nach Dienstschluss muss ich dran denken.“

 
 

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