Essen

„Spiegel TV“-Bericht: Versuchter Ehrenmord in Essen – Acht Syrer wollten Mohammad A. (19) töten

Die Polizei nahm im Verlauf der Ermittlungen acht Syrer fest.
Die Polizei nahm im Verlauf der Ermittlungen acht Syrer fest.
Foto: Lars Heidrich/Funke Foto Services

Essen. „Ich habe gedacht, das ist mein letzter Tag“, sagt Mohammad A. in die Kamera. Ein Team von Spiegel TV ist nach Essen gekommen, möchte nachzeichnen, was dem 19-Jährigen am 27. Juli zugestoßen ist. Blutüberströmt konnte die Polizei den jungen Mann vor dem sicheren Tod retten.

Warum stachen acht Syrer auf Mohammad in Essen ein, skalpierten ihn teils?

Er führte eine Liebesbeziehung mit der verheirateten Syrerin Sina (19). Ein Affront für ihre Familie. Sie entschlossen sich zu einem sogenannten Ehrenmord.

------------------------------------

• Mehr zum Thema:

Versuchter Ehrenmord in Essen – unfassbare Anklageschrift enthüllt: Killer-Kommando sollte Mohammad A. (19) foltern und töten

Versuchter Ehrenmord in Essen: Staatsanwaltschaft gibt neue Details bekannt

Versuchter Ehrenmord in Essen: So sind die Ermittler den Angreifern auf die Schliche gekommen

Versuchter Ehrenmord in Essen: Familie aus Syrien filmte brutalen Angriff auf Opfer (19)

• Top-News des Tages:

Mordfall Peggy (†9): Polizei nimmt Verdächtigen fest

19-Jährige denkt, sie hat Sex mit ihrem Freund – tatsächlich liegt jemand ganz anderes neben ihr

-------------------------------------

Versuchter Ehrenmord in Essen: Vater filmte die Tat

Kurz vor seiner Haustür lauert einer der Männer Mohammad auf, schlägt ihn unvermittelt ins Gesicht. Der 19-Jährige flieht. Acht Männer drängen ihn in einen Hinterhof an der Steeler Straße, stechen, schlagen und treten auf ihn ein.

Der Vater von Sina filmt die Tat. Immer wieder fordern die Männer, dass er „Mohammad ehrenlos“ sagt. In dem Beitrag erinnert er sich, zeigt auf eine Stelle an der Wand. Weiße Farbe überdeckt seine Blutspritzer. „Hier habe ich ein Messer in den Bauch bekommen“, schildert er.

Die Täter fliehen. Einer von ihnen wird kurze Zeit später in einem Rosengestrüpp aufgegriffen. Es ist Mustafa M., der extra aus Ostdeutschland angereist war. In die Zwischenzeit ist Mohammad auf dem Weg in Krankenhaus. Mit letzter Kraft schildert er, dass seine Freundin Sina ebenfalls in Gefahr sein könnte.

Heiratsurkunde aufgetaucht: Sina für 2500 Dollar verkauft

Ermittlungen der Polizei ergeben später: Mutter und Tante führten den Mordkomplott an. Ein Schriftstück hält fest: Für die damals 16-jährige Braut zahlte ihr Ehemann 2500 Dollar. Dass er selbst untreu war und fremd ging, spielt keine Rolle.

Trotz lebensgefährlicher Verletzungen überlebt Mohammad die Tat. Im Januar beginnt der Prozess in Essen gegen die acht Tatverdächtigen. Keiner von ihnen hat die Tat gestanden (hier mehr zu den Ermittlungen lesen).

Der Überlebende hegt keinen Groll gegen seine Angreifer: „Ich möchte der Familie nichts tun. Ich respektiere die Regeln in Deutschland.“ Lieber will er die Berufsschule zu Ende bringen, um eine Ausbildung als Fliesenleger zu beginnen.

 
 

EURE FAVORITEN