SPD und CDU wollen etwas mehr Nahverkehr in Essen

Marcus Schymiczek
Essens Einwohnerzahl wächst. Dem soll der Nahverkehrsplan Rechnung tragen – mit einem moderatem
Essens Einwohnerzahl wächst. Dem soll der Nahverkehrsplan Rechnung tragen – mit einem moderatem
Foto: WAZ
  • Angebot soll bis 2025 moderat ausgebaut werden
  • Voraussetzung: neue Strecke am Hbf
  • Sie würde den Tunnel entlasten

Essen. Der Nahverkehr in Essen soll in den kommenden Jahren maßvoll ausgebaut werden. Darauf haben sich CDU und SPD vor der Ratssitzung am Mittwoch, 28. September, verständigt, in der die Fortschreibung des Nahverkehrsplans zur Debatte steht. Vorgesehen sind kürzere Taktzeiten auf der Straßenbahnlinie 107 und auf diversen Buslinien. Einige nur wenig genutzte Buslinien sollen allerdings auch ersatzlos gestrichen werden.

Wünschenswert wäre noch mehr Nahverkehr, heißt es aus Koalitionskreisen. Doch nur für den Fall, dass die Finanzen es hergeben, wollen SPD und CDU die Handbremse weiter lösen. Den Ratsbeschluss zum Nahverkehrsplan will die Koalition deshalb um eine entsprechende Öffnungsklausel erweitern.

Einwohnerzuwachs von vier Prozent

Mit der Fortschreibung des Nahverkehrsplanes stellt der Rat die Weichen bis zum Jahr 2025. Den Empfehlungen des von der Stadt bestellten Gutachters liegt die Annahme zugrunde, dass Essens Einwohnerzahl in diesem Zeitraum um vier Prozent wachsen wird; in Huttrop, Frillendorf und in der Stadtmitte wird gar ein Anstieg um elf Prozent erwartet, in Altenessen, Karnap und Vogelheim um acht Prozent.

Massive Einschnitte in das Angebot soll es deshalb nicht geben. Andernfalls ließe sich die Nachfrage nicht mehr decken, heißt es. Mehr Kunden sind laut Verkehrsgutachter Mathias Schmechtig insbesondere auf den U-Stadtbahnlinien U 11 und U 17 zu erwarten wie auch auf der Straßenbahnlinie 107. Das Problem: Das Schienennetz stößt bereits heute an seine Grenzen, was insbesondere für den Tunnel unter dem Hauptbahnhof gilt. Der Bau einer neuen Strecke zwischen Steeler Straße und Frohnhauser Straße, der so genannten Bahnhofs-Tangente, ist nach Einschätzung des Gutachters alternativlos. Sie würde den Tunnel entlasten und es der Evag erlauben die Taktzeiten dort zu verdichten. Über diese Strecke soll die Linie 101 fahren. Auch das ist Bestandteil des Nahverkehrsplans. Der Gutachter spricht von einer „Bypasslösung“. Die Planungen für diese Tangente über die Holle- und die Hachestraße stehen allerdings noch am Anfang. Weder gibt es Schätzungen über Kosten, noch einen klaren Zeithorizont, wann gebaut werden könnte.

Abendverkehr nicht berücksichtigt

Bis die Straßenbahnlinie 101 von Steele nach Borbeck oberirdisch am Hauptbahnhof vorbei fährt, dürfte es also noch eine Weile dauern. Das aber wäre die Voraussetzung für den angestrebten Fünf-Minuten-Takt auf der Straßenbahnlinie 107 zwischen Hauptbahnhof und der Stadtgrenze zu Gelsenkirchen.

Mehr Nahverkehr gibt es indes nicht zum Nulltarif. Der Betriebskostenzuschuss an die Evag steigt nach Berechnungen des Gutachters um 1,3 Millionen Euro pro Jahr, obwohl der Verkehrsbetrieb mit etwa 10. 000 Fahrgästen neuen Fahrgästen rechnen darf.

Investitionskosten ins Netz sind im Nahverkehrsplan ebenso wenig berücksichtigt wie Betriebskosten für ein Mehr an Angebot nach 19 Uhr. Der Abendverkehr wurde bislang nicht berücksichtigt. Laut Kundenbefragung der Evag sehen Nutzer gerade hier Nachholdbedarf.

Vor einem Ausbau über das erklärte Maß hinaus, für den sich die Linke im Rat der Stadt stark macht, schrecken SPD und CDU zurück. Ein Fünf-Minuten-Takt auf der Linie U 11 wäre zwar ebenso wünschenswert wie kürzere Taktzeiten auf weiteren Linien, heißt es. Ein deutliche Kapazitätserweiterung würde laut Gutachten aber mit einem um jährlich 9,5 Millionen Euro höheren Betriebskostenzuschuss an die Evag zu Buche schlagen, die Stadt dann im Haushalt forschreiben müsste.

Das ist laut Nahverkehrsplan bis 2025 vorgesehen:

Die Linie 101 führt über die noch zu bauende Bahnhofstangente. Linie 107: 5-Minuten-Takt zw. Hbf und Gelsenkirchen.


  • Spurbus: 5-Minuten-Takt Hbf und Kray.

  • Buslinien 145/146, 164/184, 160/161: 10-Minuten-Takt.

  • Schnellbus SB 15: zwischen 9 und 13 Uhr im 20-Minuten-Takt. Die Buslinien 167, 176, 193 entfallen ersatzlos.

  • Buslinie 170 zwischen Borbeck und Kray im 7,5-Minuten-Takt, zwischen Kray und Steele im 15-Minuten-Takt.

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