So gut sind die Essener Immobilien gedämmt

Thorsten Schabelon
So sieht das Aalto-Theater aus einem Thermobild aus.
So sieht das Aalto-Theater aus einem Thermobild aus.
Foto: Stadt
24.000 farbige Luftbilder dokumentieren die Wärmeausstrahlung von allen Gebäuden der Stadt. Das Projekt soll die energetische Erneuerung fördern

Essen. Wer sich mit der Wärmeausstrahlung von Essener Immobilien beschäftigt, der kommt mit einfacher Farbenlehre ziemlich gut weiter: Blau ist gut, weil energetisch gut gedämmt. Und Essen hat auf einer Thermalkarte viele blaue Flecken. Grün und gelb sind unbebaute Freiflächen. Und was rot strahlt ist vor allem die Ruhr. Die windet sich auf der großen Thermalkarte der Stadt wie eine rote Schlange durch den Essener Süden.

Kostenlose Fotos für die Bürger

Vor zwei Jahren hat Energie-Riese RWE mit dem Spezialflieger einer belgischen Firma deutsche Städte aus der Luft komplett abfotografieren lassen. Aus knapp 1000 Metern Höhe wurden Spezialaufnahmen erstellt, fast 100, 000 Wärmebilder kamen zusammen. Aus ihnen kann dank des Farbenspiels die Qualität die Wärmedämmung der Immobilien abgelesen werden. Der mit Abstand größte Anteil, 24. 000 Bilder, zeigt Essen, die einzige Großstadt unter den zehn abfotografierten Städten. „Wir haben jetzt ganz Essen im Rechner“, sagt Frank Knospe, Amtsleiter für Geoinformation, Vermessung und Kataster.

Als die große Datensammlung im Amt vorlag, wurde jedem der über 140. 000 Essener Immobilieneigentümer eine Einverständniserklärung zur Herstellung eines gebäudebezogenen Fußabdrucks zugesandt. Inzwischen hat die Stadt über 35 .000 unterschriebene Erklärungen zurückbekommen. Und es gibt weiter täglich Anfragen zu den Fotos. Die werden erst dann bearbeitet, wenn die verbindliche Erklärung des Immobilienbesitzers vorliegt. Der kostenlose Versand der Aufnahme läuft als Datei per E-Mail oder ausgedruckt per Post.

Wenig akuter Handlungsbedarf

Mit den Energie-Erkenntnissen, die bislang aus der aufwändigen Foto-Serie gewonnen werden konnten, ist Amtsleiter Frank Knospe durchaus zufrieden. „Der sogenannte akute Handlungsbedarf bei Gebäuden, die sehr viel Energie ausstrahlen, ist gering. Er liegt bei unter 25 Prozent.“ Das ist für Essen insofern interessant, als dass viele Gebäude von der Nachkriegszeit bis Ende der 1970er-Jahre errichtet wurden. „In diesen Jahrzehnten hatte man ein etwas anderes Verständnis von energetischer Bauweise als heute“, erklärt Frank Knospe und sagt weiter: „Als die erste Wärmeschutzverordnung kam und dann auch konsequent umgesetzt wurde, änderte sich das.“ Das war 1977.

„Ein Ziel des Projekts ist es natürlich, dass sich die Immobilienbesitzer um die energetische Erneuerung kümmern. Wir wollen sensibilisieren. Und es gibt genug Förderprogramme“, sagt Frank Knospe. Handlungsbedarf ist da – auch das zeigt der Blick auf die Essener Aufnahmen. Und weniger Energieverbrauch schont nicht nur die Umwelt, sondern auch den Geldbeutel der Bürger.