Sinfoniekonzert mit musikalischem Kontrast

Wenn Sofia Gubaidulina und Johannes Brahms im 2. Sinfoniekonzert der Essener Philharmoniker aufeinandertreffen, liegt der Berührungspunkt in der biblischen Verwurzelung. Beim „Deutschen Requiem“ erstaunt das nicht, doch das Doppelkonzert für zwei Bratschen und Orchester hat die so oft religiös inspirierte Grande Dame der russischen Modernen den ungleichen Schwestern Maria und Martha gewidmet.

Man muss freilich deren Geschichte und Begegnung mit Jesus nicht unbedingt kennen, um „Two Paths“ musikalisch zu entdecken. Zwei Wege, das sind die zwei Solisten vor dem Hintergrund des farbenreichen, gleißend hellen und motorisch antreibenden Großorchesters. Und die kamen mit Niklas Schwarz und Sebastian Bürger höchst kompetent aus den eigenen Reihen der Philharmoniker. Sie driften auseinander und reiben sich aneinander, suchen und imitieren sich und erschließen dabei extreme Tonräume, um im seligen Pianissimo zu entschweben.


Nach dieser halbstündigen atonalen Herausforderung versöhnte Generalmusikdirektor Tomáš Netopil das Publikum mit einem in schmelzenden Wohlklang getauchten Brahms-Requiem. Da bestach die ausgefeilte Kunst der Übergänge und ein nach innen gekehrter Musizierstil, der weder Effekte noch opernhafte Dramatisierung im Trauermarsch oder dem Jüngsten Gericht bemühte. Der Philharmonische Chor Essen war von Patrick Jaskolka solide und ausbalanciert vorbereitet worden. Dem kernigen Bariton von Heiko Trinsinger stellte Jessica Muirhead einen anrührend wärmenden Sopran zur Seite. Worte der wahren Tröstung – man nahm sie ihr ab.