Essen

Silvester-Randale in Essen: Auto fährt durch Schlachtfeld, plötzlich löst der Airbag aus

In Essen stoppte ein größeres Polizei-Aufgebot eine aggressive Gruppe auf ihrer Zerstörungstour.
In Essen stoppte ein größeres Polizei-Aufgebot eine aggressive Gruppe auf ihrer Zerstörungstour.
Foto: WTVnews

Essen. In Essen dauert die Aufarbeitung der Silvester-Randalen in Altenessen und dem Südostviertei an.

Die Polizei hat eine Ermittlungskommission eingerichtet, die Stadt beriet am Montag erneut über Maßnahmen nach den Vorfällen. Unterdessen kommen neue Details über die Ausmaße der Randale ans Tageslicht.

Essen: Polizei gründet Ermittlungskommission nach Silvester-Randale

Die Polizei Essen sucht weiter nach Videomaterial und Zeugenhinweisen zu den Vorfällen am Altenessener Markt.

Rund 25 Jugendliche zogen gegen 0:45 Uhr in blinder Zerstörungswut über den Altenessener Markt. Mülleimer, Werbetafeln, Fahrplan-Aushänge und am übelsten die Bushaltestelle Altenessen-Mitte wurden zerlegt.

Ein Video der Taten kursierte wenig später bei „TikTok“ - unterlegt mit amerikanischen Gangster-Rap sieht man die Gruppe Jugendlicher, wie sie Mülleimer in Brand stecken, die Bushaltestelle mit einem Vorschlaghammer einschlagen und Böller in die U-Bahnstation feuern.

„Das hatte etwas von einer geplanten und gezielten Geschichte“, so Polizeisprecher Christoph Wickhorst gegenüber DER WESTEN. Seine Kollegen seien schnell vor Ort gewesen und hätten so womöglich Schlimmeres verhindert. Vier Personalien wurden aufgenommen, Festnahmen gab es keine.

Gegen die Silvester-Chaoten wird wegen Landfriedensbruch, gemeinschädliche Sachbeschädigung und Sachbeschädigung durch Feuer und Verstößen gegen das Infektionsschutzgesetz ermittelt.

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Das ist Altenessen:

  • Altenessen ist ein nördlicher Stadtteil Essens.
  • seit seiner Eingemeindung ist aufgrund der Größe amtlich in die beiden Stadtteile Altenessen-Süd und Altenessen-Nord unterteilt.
  • Zusammengenommen lebten 2020 44.203 Einwohner in Altenessen.
  • Der Anteil der ausländischen Bevölkerung und der unter 18-Jährigen ist in Altenessen höher als im Stadtvergleich.

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Silvesternacht in Essen: „Täter sollten sich nicht zu sicher sein“

„Wir gehen davon aus, dass es sich um Stadtteilbewohner, womöglich sogar Anwohner aus der Straße handelt. Wir hoffen, dass Zeugenhinweise kommen“, so Wickhorst. „Die Täter sollten sich nicht zu sicher sein.“

Die Beamten der Ermittlungskommission würden nun Videomaterial auswerten und Anwohner befragen. Anders als in Hagen, wo der Polizeidirektor vor der Silvesternacht von einer „Kriegserklärung“ an die Polizei gewarnt hatte, habe es keine Hinweise daraufgegeben, dass Jugendliche den Altenessener Markt auseinander nehmen würden.

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OB Kufen besucht Altenessen

Schon unmittelbar nach den Vorfällen war Oberbürgermeister Thomas Kufen am Wochenende bereits nach Altenessen gefahren, um sich mit Ordnungsdezernent Christian Kromberg sowie Vertreter der Bezirkspolitik, der Altenessenkonferenz und der Arbeiterwohlfahrt über Maßnahmen auszutauschen. Eine erste Maßnahme: die Präsenz von Kommunalem Ordnungsdienst und Polizei als Doppelstreife im Stadtteil wurde erhöht.

Eine Ordnungspartnerschaft zwischen Ordnungsamt und Polizei, mit der die Beteiligten in der Innenstadt bereits gut Erfahrungen gemacht haben, könnte laut DER WESTEN-Informationen in Zukunft in Altenessen folgen. Dabei bestreifen Polizei und Ordnungsamt gemeinsam den Stadtteil.

Als weitere kurzfristige Maßnahme werde ein Team des City Service Teams von der Innenstadt nach Altenessen verlagert, erklärte Stadtsprecherin Silke Lenz gegenüber DER WESTEN.

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Straftaten nahezu halbiert

Beim Treffen von Vertretern der Polizei, Oberbürgermeister Thomas Kufen, Sozialdezernent Peter Renzel, Jugenddezernent Muchtar Al Ghusain sowie weitere Vertreterinnen und Vertreter der Stadtverwaltung wurde am Montag nochmal das Geschehen der Silvesternacht ausgewertet und die Weichen für die Zukunft gestellt.

Die Polizei betonte, dass es sich aus ihrer Sicht um ein singuläres Ereignis in Altenessen handelt, was in der Form noch nicht vorgekommen sei. Ingesamt, so betonten die Polizeivertreter anhand von Zahlenmaterial, habe sich die Entwicklung an Straftaten im Bereich der zuständigen Polizeininspektion Nord seit 2015 fast halbiert. (19.000 auf 10.000)

„Sobald die Ermittlungsergebnisse zu Tätern vorliegen, werden wir als Verwaltung in Fallkonferenzen zusammenkommen und die Personen und das familiäre Umfeld genau ansehen. Die Bereiche Jugendamt, Integrationsmanagement, Allgemeiner Sozialer Dienst, aber auch Jugendgerichtshilfe und Sozialamt werden dann über weitere Maßnahmen beraten“, so Sprecherin Lenz.

Essen: Böllerexplosion löst Seitenairbag aus

Doch nicht nur Altenessen machte Schlagzeilen in der Silvesternacht. Ein zweiter Brennpunkt war das Südostviertel. Hier zündeten eine Gruppe von etwa 30 Jugendlichen Mülleimer an. Als Polizei und Feuerwehr eintrafen, wurden sie augenblicklich aus der Gruppe heraus mit Feuerwerkskörpern angegriffen.

Laut Polizei handelte es sich bei den geworfenen Feuerwerkskörpern um welche der Kategorie 4 Feuerwerk, das zum professionellen Gebrauch dient.

Welche Wucht diese haben, wird an einem Beispiel deutlich. „Bei einem vorbeifahrenden unbeteiligten Fahrzeug löste ein etwa acht Meter entfernt explodierender Böller den Seitenairbag aus“, erklärte Polizeisprecher Wickhorst. Ein mutmaßlicher Werfer (16) wurde festgenommen und mit auf die Polizeiwache genommen.