Essen

Sieben Jahre muss ihr Sohn ins Gefängnis: Mutter von „Tempelbomber“ Yusuf T. weinte nach dem Urteil

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  • Mutter von angeklagtem „Tempelbomber“ reagierte emotional
  • Sie war an allen Verhandlungstagen am Gericht
  • Yusuf T. selbst zeigte sich überraschend gelassen
  • Anwalt will in Revision gehen

Essen. Sieben Jahre lang wird Neriman Yaman ihren Sohn nur noch in der JVA sehen. Denn für sieben Jahre muss Yusuf T. ins Gefängnis: Dieses Urteil hat am Dienstag eine Jugendstrafkammer am Essener Landgericht verkündet.

Sollte das Urteil rechtskräftig werden, ist Yusuf 24 Jahre alt, wenn er aus dem Gefängnis kommt.

Yusuf T.: „Ich habe einen Sieg errungen“

Genau das wird Neriman Yaman bei der Urteilsverkündung durch den Kopf gegangen sein: 16 Jahre alt war ihr Sohn Yusuf, als er in Untersuchungshaft kam; wenn er das erste Mal wieder frei ist, ist er ein erwachsener Mann.

Als sie zusammen mit Yusufs Anwalt aus dem Gerichtssaal kommt, wirkt sie zunächst gefasst. „Wir konnten uns nicht verabschieden, haben uns nur gewunken.“ Dann zittert ihre Stimme: „Morgen geh' ich ihn besuchen.“

Mutter weinte nach der Urteilsverkündung

„Die Mutter hat nach der Urteilsverkündung erstmal geweint“, sagt Burkhard Benecken. „Das war schon sehr emotional.“ Er habe die Familie im Vorfeld aber schon auf ein solches Urteil vorbereitet: „Ich hatte mit sieben Jahren gerechnet.“

Yusuf T. selbst sei bei der Urteilsverkündung überraschend gelassen gewesen. „Er sagt, dass er einen Sieg errungen habe, weil er den Teufel Salafismus erfolgreich bekämpft hat“, so Benecken.

Gericht: Das war versuchter Mord

Im April 2016 hat der damals 16 Jahre alte Yusuf T. zusammen mit seinem Freund Mohamed B. einen selbstgebauten Sprengsatz vor einem Sikh-Tempel in Essen gezündet.

Drei Menschen wurden dabei verletzt, ein Priester schwer: Er erlitt schwere Verbrennungen und einen offenen Bruch am Fuß. Im Urteil hieß es: Das war versuchter Mord.

Urteil im Prozess gegen "Sikh-Bomber"

T.s Anwalt indes bestreitet die Tötungsabsicht seines Mandanten: Die jungen Männer hätten bloß einen Schrecken einjagen wollen.

Yusuf T. hatte sich im Teenager-Alter radikalisiert, war zu einem gewaltbereiten Salafisten geworden. Seine Mutter Neriman Yaman hatte nach eigenem Bekunden immer wieder versucht, ihn von den extremen Ideologien abzubringen.

„Eines Morgens kam er mit einem Turban an den Frühstückstisch“

Eines Morgens kam er mit so einem Gewand und einem Turban an den Frühstückstisch. Mein Mann und ich haben ihm verboten, das draußen oder in der Schule anzuziehen. Ich wollte nicht, dass er aussieht wie so ein Radikaler“, erzählte Yaman vor einigen Monaten im Gespräch mit DER WESTEN.

Geklappt hatte das offenbar nicht: Yusuf radikalisierte sich immer weiter, plante schließlich den Anschlag auf den Sikh-Tempel in Essen. Mit seinem Freund Mohamed B. zündete er die Bombe, einen mit Chemikalien gefüllten Feuerlöscher. Ein weiterer Freund half bei den Vorbereitungen. B. und der dritte Täter müssen für je sechs Jahre und neun Monate beziehungsweise sechs Jahre ins Gefängnis.

Yusuf T. erhielt die höchste Strafe, weil das Gericht ihn für am stärksten radikalisert hielt. Sein Verteidiger Burkgard Benecken sagt: „Er hat dem radikalen Salafismus definitiv abgeschworen, da bin ich sicher.“

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