Sieben Angeklagte sollen 19 Autounfälle provoziert haben

19 Fälle, 40.000 Euro Schaden und 250 Seiten Gutachten: Sieben Angeklagte stehen jetzt als „Autobumser“ vor dem Landgericht.

Essen.. Als wäre das andere Auto vom Himmel gefallen, so mag es dem einen oder anderen Autofahrer vorgekommen sein, als es plötzlich knallte und er in einen Verkehrsunfall verwickelt war: Um provozierte, absichtlich herbeigeführte Unfälle in den Jahren 2009 bis 2012 geht es seit Montag im Prozess vor der III. Strafkammer des Landgerichtes.

Ziel war, laut Staatsanwältin Violette Klima, durch die Schadensfälle Geld von Versicherungsgesellschaften zu kassieren. Betrug, gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr und gefährliche Körperverletzung werden unter anderem in wechselnder Beteiligung sieben Angeklagten vorgeworfen.

Rund 40.000 Euro von Versicherungen

Von 19 Fällen geht die Anklage aus. In vierzehn Fällen sollen rund 40.000 Euro von Versicherungen gezahlt worden sein. Noch mehr Zahlen: 48 Seiten umfasst die Anklageschrift, 250 Seiten das unfallanalytische Gutachten, das die Kammer in Auftrag gegeben hatte.

Nach einem Rechtsgespräch leerte sich Saal merklich. Das Verfahren gegen vier der sieben Angeklagten wurde eingestellt gegen Zahlung einer Geldbuße. Sie waren nach offenbar neuen Erkenntnissen nur geringfügig an den Taten beteiligt. Da blieben nur noch drei. Und auch der Dritte im Bunde wird wohl vorzeitig das Feld räumen. Obwohl er ursprünglich zu den Hauptangeklagten zählte, geht es bei dem 26-Jährigen nur noch um einen Unfall. Da soll das Urteil vorzeitig gesprochen werden. Übrig bleiben die Brüder Hamsa (29) und Ibrahim (24) E.Z. Sie sollen hauptsächlich Fahrer von Unfallfahrzeugen gewesen sein. Die Brüder sind zum Teil geständig. Die Unfälle spielten sich so ab, dass dem anderen Beteiligten Fahrfehler vorzuwerfen waren. Zum Beispiel bei angeblich plötzlichem Spurwechsel.

Geradezu empört reagiert Hamsa E.Z. auf den Vorwurf: Am 4. November 2011 soll er mit seiner schwangeren Ehefrau als Beifahrerin einen Unfall an der Marktstraße/ Ecke der Einbahnstraße Schmalestraße provoziert haben. Er soll mit hohem Tempo in den Wagen einer Zeugin gefahren sein, die an der Ecke der Einbahnstraße rangierte. „Ich bin doch kein Tier. Ich bin ein Mensch“, schimpfte der Angeklagte. Niemals hätte er seine schwangere Frau und damit das ungeboren Kind freiwillig in Gefahr gebracht. Acht weitere Prozesstage sind terminiert. (adB)

 
 

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