Essen

Nach Schlag gegen Familien-Clan: Warum das Geschäft mit dem illegalen Shisha-Tabak boomt

Großrazzia gegen organisierte Kriminalität

Das Zollamt Essen nahm am Donnerstag eine illegale Fabrik eines Familien-Clans in Langenfeld hoch.

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Essen. Was dem Essener Zollfahndungsamt am Donnerstag gelang, ist in dieser Form in Deutschland so noch nicht vorgekommen. Bei einer Großrazzia in NRW nahmen die Beamten unter anderem eine illegale Tabakfabrik in Langenfeld hoch.

Dort wurde der Tabak nicht, wie meist üblich, zu Zigaretten weiterverarbeitet. Stattdessen soll ein deutsch-syrischer Familien-Clan in Langenfeld Shisha-Tabak hergestellt haben – und das im großen Stil (hier mehr Infos zum bundesweit größten Schlag gegen die illegale Produktion von Wasserpfeifen-Tabak).

Shisha-Tabak: Organisierte Kriminalität entdeckt neues Geschäftsmodell

Die Herstellung des Wasserpfeifen-Tabaks ist nach Angaben der zuständigen Ermittler ein vergleichsweise neues Phänomen. Denn der Shisha-Trend hat sich nur langsam durchgesetzt. Doch mittlerweile boomt das Geschäft: „Wenn irgendwo ein Laden im Ruhrgebiet schließt, eröffnet dort eine Shisha-Bar“, schildert ein Sachbearbeiter der Essener Zollfahndung seinen Eindruck.

Dadurch hat sich ein komplett neues Geschäftsmodell ergeben: Organisierte Banden stellen ihren Shisha-Tabak einfach selbst her und hinterziehen damit massenhaft Steuern. „Die organisierte Kriminalität hat erkannt, wie lukrativ das Geschäft mit dem Wasserpfeifen-Tabak ist“, sagt Holger Gießelmann, Leiter des Zollfahndungsamts Essen.

Die Zahl der Ermittlungsverfahren im Ruhrgebiet gegen die organisierte Kriminalität habe sich in diesem Bereich in letzter Zeit verdoppelt, so Gießelmann.

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Wie lukrativ ist das Geschäft mit dem Shisha-Tabak?

Die Rechnung der Kriminellen ist ganz einfach: Die Produktionskosten pro Kilogramm Shisha-Tabak liegen laut Ermittlern der Essener Zollbehörde bei etwa fünf Euro. Normalerweise wären in Deutschland 35 Euro Steuern pro Kilogramm fällig. Die werden aber nicht abgeführt.

Stattdessen wurde der illegale Tabak im aktuellen Fall für rund 20 Euro pro Kilogramm vertrieben, so die Ermittler. Eine Win-Win-Situation auch für die Ankäufer des falsch deklarierten Shisha-Tabaks. Denn der angebliche Markentabak kostet als Original im Handel etwa 60 Euro.

Enormer Steuerbetrug

Dass sich die Produktion offenbar lohnt, zeigt der Fall in Langenfeld. Hier konnten die Ermittler einem Familien-Clan nachweisen, seit Januar tonnenweise Shisha-Tabak hergestellt zu haben.

Wie viele Shisha-Bars und Kioske illegalen Tabak bezogen, lässt sich nicht beziffern. Dem Zollfahndungsamt Essen ist am Donnerstag allerdings ein Schlag gegen Drahtzieher des Geschäfts gelungen. Allein seit Januar liegt der Steuerschaden dort bei 372.000 Euro, sagt die Staatsanwaltschaft Wuppertal.

 
 

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